Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.08.2011

06:22 Uhr

Nervöse Märkte

Die Euro-Krise schlägt zurück

Die Risikoprämien für italienische und spanische Anleihen steigen immer höher. Die Kosten für die Refinanzierung erreichen ein kritisches Niveau. Die Regierungen sind beunruhigt. Anleger flüchten in Gold.

Für Italien und Spanien wird die Refinanzierung empfindlich teuer. Quelle: dpa

Für Italien und Spanien wird die Refinanzierung empfindlich teuer.

Frankfurt, Berlin, Düsseldorf, BrüsselKnapp zwei Wochen nach dem Euro-Gipfel zur Stabilisierung der Euro-Zone sind die Märkte wieder auf Krisenmodus eingeschwenkt. Sichere Anlagen sind gefragt, riskante werden verkauft: Der Goldpreis stieg auf den Rekordwert von mehr als 1640 Dollar je Feinunze, der Schweizer Franken markierte Höchststände gegenüber dem Euro, und Europas Aktienmärkte verloren den zweiten Tag in Folge kräftig. Händler erklärten das mehr oder weniger lapidar mit den Ängsten vor einer sich abschwächenden Weltwirtschaft.

Das Beunruhigende daran: Investoren verkaufen massiv italienische und spanische Staatsanleihen. Die Folge: Die Renditen für zehnjährige Zinspapiere dieser Ländern stiegen auf deutlich über sechs Prozent – ein Rekord in der Euro-Ära. Gleiches galt für Risikoprämien – also die Renditeabstände gegenüber sicheren deutschen Bundesanleihen.

Bei Renditen von mehr als sechs Prozent wird die Finanzierung für Euro-Staaten sehr teuer. Das macht den Regierungen in Rom und Madrid Sorgen. Italiens Finanzminister Giulio Tremonti wird sich daher heute in Luxemburg mit dem Vorsitzenden der Euro-Gruppe, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, treffen. Gestern berief Tremonti zudem erstmals in diesem Jahr das „Finanzstabilitäts-Komitee“ ein, um Auswege aus der Abwärtsspirale zu suchen. Das Gremium, dem Vertreter des Wirtschaftsministeriums und der Zentralbank sowie die Präsidenten der Börsen- und der Versicherungsaufsicht angehören, versuchte am Abend zu beruhigen: „Die Analyse bestätigt, dass das italienische Banken- und Finanzsystem solide ist dank rascher Maßnahmen zur Stärkung der Kapitalbasis und der Bankenliquidität.“

Wie verschuldet ist Europa?

Griechenland

Staatsverschuldung: 152 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 7,4 % des BIP (2011); Rating: CCC (S&P), Caa1 (Moody's), B+ (Fitch)

Irland

Staatsverschuldung: 114 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 10,8 % des BIP (2011); Rating: BBB+ (S&P), Baa3 (Moody's), BBB+ (Fitch)

Portugal

Staatsverschuldung: 90,5 % des BIP (2011); Haushaltsdefizit: 5,6 % des BIP (2011); Rating: BBB- (S&P), Baa1 (Moody's), BBB- (Fitch)

Spanien

Staatsverschuldung: 64 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 6,2 % des BIP (2011); Rating: AA (S&P), Aa2 (Moody's), AA+ (Fitch)

Italien

Staatsverschuldung: 120 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 4,3 % des BIP (2011); Rating: A+ (S&P), Aa2 (Moody's), AA- (Fitch)

Belgien

Staatsverschuldung: 97 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 3,9 % des BIP (2011); Rating: AA+ (S&P), Aa1 (Moody's), BB+ (Fitch)

Deutschland

Staatsverschuldung: 80 % des BIP  (2011); Haushaltsdefizit: 2,4 % des BIP (2011); Rating: AAA (S&P), Aaa (Moody's), AAA (Fitch)

Dennoch ist Rom nervös, das zeigt sich auch daran, dass die Börsenaufsicht die Deutsche Bank aufgefordert hat, sich für den Verkauf italienischer Staatsanleihen zu rechtfertigen. Die Bank hatte von Januar bis Ende Juni ihren Bestand an italienischen Anleihen von acht Milliarden auf nur noch knapp eine Milliarde Euro reduziert. Die Deutsche Bank erklärte das damit, dass die Übernahme der Postbank die Bestände italienischer Anleihen kurzfristig nach oben getrieben habe.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

hamp

03.08.2011, 06:57 Uhr

erm..was erwartet man?...sind 'unsere' politiker wirklich so dumm..oder lauft hier was anders ab?

wenn man banken zeigt das die bevolkerung ihre risiken ubernehmen würde und für alle ihre möglichen verluste gerade stehen würde...was soll amn anders erwarten als das die mehr zins verlangen würde bei länder wie italien usw?..das ist vollkommen 100% logisch...banken und banker sind keine kindergarten lehrer...die sind der super mafia...und wenn man auf die forderungen solche leute eingeht VERLIERT MAN!!

verdammt nochmal..was ist daran so schwer zu verstehen?...

schauble hat diesen leute gezeigt das die mehr und mehr zins verlangen KANN...bis hin zu staatsbankrotten...und das NICHTS passieren wird mit ihren geld...also...DIE MACHEN ES AUCH SO!!!!!!

das ist 100000000000000% logisch...

man bin ich saur...herr schauble...sind sie bescheuert oder lauft hier was anders ab?

was immer es ist es ist illegal und ich hoffe das sie irgentwann vor ein gericht stehen wird..

ubrigens...das sovereign 'muss' nicht ihre freiheiten an der EU abgeben herr schauble...SIE..herr schauble..'mussen' das sovereign fragen ob die das wollen...

Thomas-Melber-Stuttgart

03.08.2011, 07:53 Uhr

Tja, dann fallen diese Länder als Träger des EFES wohl aus (Zinsdifferenz). Aber Deutschland springt bereitwillig in die Bresche, wetten?

Kackbolzen

03.08.2011, 08:32 Uhr

Für das "politische Projekt" € verzocken ALLE deutschen Politiker den deutschen Wohlstand. Das ist einfach unglaublich. Das ist Hochverrat! Noch nicht mal das BVerfG greift ein. Das soll eine Demokratie sein? Woe ein paar Politiker im Wolkenkuckucksheim eine unheilvolle Politik mit dem Vermögen der Bürger machen, die alles ruinieren wird. Mit einer Opposition im Bundestag, die noch zügiger den deutschen Wohlstand verteilen will? Das ist einfach nur unglaublich. Wenn mir das einer vor ein paar Jahren prophezeiht hätte, hätte ich dem einen Vogel gezeigt. Aber auf eine solche "Demokratie" pfeife ich...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×