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05.01.2012

11:57 Uhr

Nervöse Märkte

Die Schuldenkrise schlägt zurück

VonJörg Hackhausen

Die Ruhe hat nicht lange gehalten: An den Märkten bricht erneut Nervosität aus. Der Euro sackt ab, Anleiherenditen steigen. Gerüchte um eine neue Bankenkrise setzen Finanzwerte unter Druck.

Die Euroländer haben Schwierigkeiten, Anleger für ihre Anleihen zu finden - mit Ausnahme von Deutschland. dpa

Die Euroländer haben Schwierigkeiten, Anleger für ihre Anleihen zu finden - mit Ausnahme von Deutschland.

DüsseldorfZwei Tage hatten die Anleger die Schuldenkrise in Europa erfolgreich ausgeblendet. An den Börsen ging es zum Jahresauftakt nach oben, an den Anleihemärkten schien sich die Lage zu beruhigen, der Euro schaffte es über 1,30 Dollar. Doch damit ist es vorbei – die Krise meldet sich mit Macht zurück.

Am Donnerstagvormittag sackte der Euro innerhalb kurzer Zeit ab. Der Kurs fiel um einen halben US-Cent bis auf rund 1,2850 Dollar und lag damit so niedrig wie seit September 2010 nicht mehr. Gerüchte machten die Runde - wie immer, wenn die Experten keine konkrete Erklärung haben.

Händler in London begründeten die Kursverluste mit der hohen Nervosität der Anleger vor den anstehenden Anleiheauktionen in der Eurozone. „Es wird beständigen Druck auf den Euro geben wegen der Refinanzierung von Verbindlichkeiten und der Emission neuer Anleihen“, sagte Sean Callow, leitender Währungsstratege bei Westpac in Sydney. Es gebe nichts, was dazu Anlass geben könnte, auch nur zwischenzeitlich auf einen Kurssprung des Euro zu wetten, fügte er an.

Frankreich besorgte sich 7,96 Milliarden Euro über Anleihen mit Laufzeiten von 2021 bis 2041 - und erreichte damit fast das angestrebte Maximalvolumen von acht Milliarden Euro. Die Rendite fiel allerdings höher aus als zuletzt. Der Bonds mit Fälligkeit 2021 rentierten bei 3,29 Prozent gegenüber 3,18 Prozent bei der vorhergehenden Auktion im Dezember. Ratingagenturen haben die französische Kreditwürdigkeit auf den Prüfstand gestellt, ebenso wie die deutsche Bonitätsnote.

Kritisch sehen Analysten vor allem den Kapitalbedarf von Italien und Spanien in diesem Jahr. Allein Italien muss in den nächsten vier Monaten mehr als 300 Milliarden Euro refinanzieren. Die Experten bezweifeln, dass die Euro-Länder insgesamt genügend Anleger anlocken können.

Die Renditen für italienische Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit kletterten am Donnerstag um neun Basispunkte auf 6,97 Prozent – nicht mehr weit entfernt von der kritischen Sieben-Prozent-Marke. Spaniens Anleihen rentierten elf Basispunkte höher bei 5,47 Prozent.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

05.01.2012, 13:56 Uhr

Jedes mal bevor die Troika in Griechenland ihre Arbeit wieder aufnimmt, fängt die Propaganda wieder von vorne an. Ich kann jedem unabhängigen Journalisten nur raten, wieder in 5 Jahren über den Zerfall zu sprechen, weil man erst dann überhaupt eine Bilanz ziehen kann.

Billionensummen

05.01.2012, 15:39 Uhr

Die Liste der weltweit größten Volkswirtschaften, die im Jahr 2012 Schulden im Wert von 7,6 Billionen Euro zurückzahlen müssen, wird angeführt von Japan mit 3 Billionen Dollar und den USA mit 2,8 Billionen Dollar – gefolgt von Italien (428 Milliarden Dollar), Frankreich (367 Milliarden Dollar) und Deutschland (285 Milliarden Dollar). Mit Einrechnung der dafür fälligen Zinsen müssen diese Länder insgesamt mehr als 8 Billionen Dollar in diesem Jahr aufbringen, so Bloomberg.

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