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02.03.2004

07:00 Uhr

Nestlé setzt auf Wachstum aus eigener Kraft

Keine Experimente

VonOliver Stock

Nestlé-Chef Peter Brabeck ist ein Mensch, der gerne den Eindruck vermittelt, seinen Konzern 150-prozentig im Griff zu haben.

ZÜRICH. Als er jüngst im schönen Vevey am Genfer See die solide, aber nicht berauschende Bilanz des weltgrößten Lebensmittelkonzerns vorlegte, präsentierte er sich zwar im Kreis seiner elf Generaldirektoren und Stellvertreter, ließ es sich aber nicht nehmen, fast jede Frage zunächst selbst zu beantworten. Wer das Sagen bei Nestlé hat, ist also keine Frage.

Was der Konzern vorhat und was nicht, entscheidet der Chef – und dem steht nicht der Sinn nach Abenteuern. Anleger, die deswegen auf kurzfristige Wertsteigerungen spekulieren, sind bei den Schweizern schlecht aufgehoben. Immerhin stimmt mit künftig 7,20 sfr pro Aktie die Dividende.

Nestlé will seine bisherige Strategie fortführen, und nur vereinzelt Firmen oder Fabriken kaufen. Im gleichen Rhythmus sollen Betriebe, die nicht in die Strategie passen, abgestoßen werden. Brabeck hält damit Kurs. Zwischen 1997 und 2003 gründete oder kaufte er 213 neue Fabriken. Im gleichen Zeitraum veräußerte er 191. Damit seien zwei Drittel der industriellen Basis der Nestlé in den vergangenen sieben Jahren einem Wandel unterworfen gewesen, rechnet Brabeck vor. Er überprüfe das Portfolio dauernd und achte darauf, ob eine Firma effizient sei, wie viele Kunden sie habe und ob es möglich sei, Skaleneffekte zu erzielen.

Für Großübernahmen ist laut Brabeck zwar finanzieller Spielraum vorhanden, was bei einem Reingewinn von umgerechnet rund 4,6 Mrd Euro nicht weiter verwundert. Außerdem stehen allein mit den Beteiligungen am französischen Kosmetikhersteller L'Oréal und am US-Pharmaunternehmen Alcon rund 22,5 Mrd. Euro Reserven in den Büchern. Nestlé hätte also theoretisch die Möglichkeit, allein durch den Verkauf dieser beiden Beteiligungen Geld für eine Großübernahme in die Hand zu bekommen. Brabeck sieht jedoch zurzeit keine Firmen, die das Risiko einer Übernahme lohnten. „Sollen wir etwa Parmalat übernehmen?“, fragt er in die Runde und spielt damit auf die Einschätzung einiger Analysten an, die vor dem Parmalat-Skandal darüber spekuliert hatten, ob die Aktien des italienischen Konzerns nicht denen der Schweizer vorzuziehen seien. Nein, nicht nur die offenbar kriminellen Machenschaften der Parmalat-Manager halten Brabeck vom Kauf ab. Seine Akquisitionspolitik ziele darauf, Firmen zu übernehmen, die aus Rohprodukten neue verarbeitete Produkte mit einem hohen Mehrwert schüfen. Das sei bei Parmalat nicht der Fall.

Bleibt also organisches Wachstum. Und hier, da sind sich die Analysten einig, tut Brabeck, was er kann. Er selbst hält an seinem Ziel fest, fünf bis sechs Prozent organisches Umsatzwachstum zu erreichen. Bei kosmetischen Arzneien, schreibt Michael Otto von der Helaba, erwarte er steigende Erlöse, die die stagnierenden Absätze beim Tierfutter ausgleichen könnten. Kostensenkungsprogramme, die bei Nestlé den schönen Namen „Fitness“ tragen, könnten die Gewinnmarge verbessern. Die Schweizer Bank Pictet hält ein Kursziel von 400 sfr in diesem Jahr für realistisch; derzeit notiert Nestlé an der Börse in Zürich unter 340 sfr. Ihren Optimismus begründen Analysten nicht nur mit dem soliden Kurs Brabecks, sondern auch mit der günstigen Konkurrenzsituation. Die Bank Vontobel verweist auf Danone und Unilever. Die Niederländer haben ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21,3, die Franzosen von 18,3. Nestlé liegt mit 19,1 dazwischen, was zumindest eine marktkonforme Kursentwicklung ermöglichen müsste.

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