Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.05.2014

18:38 Uhr

Neuartige Anleihen

Deutsche Bank feiert Erfolg mit „CoCo“-Bonds

Sie sind attraktiv – sowohl für Häuser wie die Deutsche Bank, die sich mit Hilfe von „CoCo“-Bonds über 3,5 Milliarden Euro gesundfinanziert, als auch für Anleger, die mehr Zins wollen. Doch die Anleihen bergen Risiken.

Bisher hatten Demonstranten allen Grund zur Kritik an der staatlichen Bankenrettung. Bei neuartigen Anleihen sollen nun die Anleger selbst das Ausfallrisiko tragen und ein wenig Last vom Steuerzahler nehmen. dpa

Bisher hatten Demonstranten allen Grund zur Kritik an der staatlichen Bankenrettung. Bei neuartigen Anleihen sollen nun die Anleger selbst das Ausfallrisiko tragen und ein wenig Last vom Steuerzahler nehmen.

FrankfurtDie Deutsche Bank kommt bei der Aufpolsterung ihrer Kapitaldecke in großen Schritten voran: Die Platzierung spezieller Anleihen spülte rund 3,5 Milliarden Euro in die Kasse, wie Deutschlands größtes Geldhaus am Dienstag mitteilte. Das war doppelt so viel wie zunächst geplant. Insgesamt hätte die Bank für die Euro-, Dollar- und Pfund-Tranchen etwa 25 Milliarden Euro einsammeln können, wie zuvor schon aus Finanzkreisen verlautet war. Denn im Niedrigzinsumfeld reißen sich institutionelle Investoren um diese Options-Genussscheine, die eine Rendite von sechs bis sieben Prozent bringen.

Die Papiere sind eine Art Zwangswandelanleihe (Contingent Convertible Bonds, „CoCos“) für den Krisenfall und eine Antwort auf die neuen Anforderungen der Regulierer, die den Steuerzahler bei künftigen Bankenrettungen schonen wollen. Fällt die Eigenkapitalquote der Deutschen Bank unter 5,125 Prozent, dann bekommen die Anleihe-Investoren keine Aktien der Bank. Stattdessen werden sie an den Verlusten beteiligt, indem die Papiere einfach abgeschrieben werden. Die Anleger verlieren ihren Einsatz, die Deutsche Bank wird entlastet. Doch kann sie das Geld zurückzahlen, wenn es ihr besser geht.

Die Deutsche Bank ist das erste deutsche Geldhaus, das solche „CoCo“-Papiere begibt, nachdem die Finanzbehörden vor Ostern aus steuerlicher Sicht grünes Licht dafür gegeben hatten. Auch die Aareal Bank steht in den Startlöchern. Andere europäische Großbanken sind damit schon länger auf dem Markt. Alexander von zur Mühlen, Group Treasurer der Deutschen Bank, sprach von einem „breit gestreuten globalen Interesse“ an den Anleihen. Nach Angaben aus Finanzkreisen zählen konservative Fondsgesellschaften genauso dazu wie Hedgefonds und sehr vermögende Privatanleger. Weil die Papiere nur in sehr großen Stückelungen über den Tisch gehen, sind sie nichts für Kleinsparer.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin beobachtet diesen neuen Markt sehr genau, wie deren Chefin Elke König am Dienstag in Frankfurt sagte. „Hier geht es auch um Transparenz.“ Interessenkonflikte müssten vermieden werden. Denn gerade Hedgefonds können schnell zu unbequemen Investoren werden.

Mittelstandsanleihen: Diese Fragen sollten Anleger sich stellen

Geschäftsentwicklung

Weist das Unternehmen Gewinne aus? Und wenn ja, wie lange bereits?

Quelle: Nieding + Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft

Verwendung

Wird das Geld aus der Anleiheemission investiert oder werden lediglich Altschulden bedient?

Rückzahlung

Soll die Anleihe am Ende der Laufzeit mit einer neuen Anleihe oder aus erwirtschafteten Gewinnen zurückgezahlt werden?

Sonderkündigungsrechte

Was passiert bei einem Eigentümerwechsel? Welche Sonderkündigungsrechte gibt es?

Emittent

Wird die Anleihe möglicherweise von einer eigens zu diesem Zweck gegründeten rechtlich selbständigen Tochtergesellschaft emittiert und damit im Notfall der Zugriff auf die Mutter erschwert?

Die Anleger bekommen für das höhere Risiko auch eine höhere Rendite. Die Deutsche Bank liegt dabei durchaus im Branchendurchschnitt: Die Euro-Tranche über 1,75 Milliarden Euro wird mit sechs Prozent verzinst, die Dollar-Tranche über 1,25 Milliarden Dollar mit 6,25 Prozent und die Pfund-Tranche über 650 Millionen Pfund mit 7,125 Prozent.

Bis Ende 2015 will die Deutsche Bank derartiges „zusätzliches Kernkapital“ (AT1) im Volumen von insgesamt fünf Milliarden Euro begeben, um die verschärften Kapitalvorschriften einhalten zu können. 3,5 Milliarden Euro hat sie nun schon drin. Das hilft ihr vor allem bei der maximalen Verschuldungsquote (Leverage Ratio), die mit der Platzierung auf 2,74 von zuletzt nur 2,5 Prozent steigt, wie eine mit der Transaktion vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Bis Ende 2015 sollen 3,5 Prozent daraus werden - auch mit Hilfe der am Wochenende angekündigten acht Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung. Alle Geldhäuser müssen nach den Vorschriften des Regelwerks Basel III künftig mindestens drei Prozent ihres Risikokapitals mit Eigenkapital abdecken. Damit wollen die Regulierer verhindern, dass die Banken ihre Bilanz über Gebühr aufblähen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×