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01.05.2013

11:06 Uhr

Neue Anleihen

Apple macht lieber Schulden als Steuern zu zahlen

Apple hat mehr als genug Geld auf der hohen Kante liegen. Dennoch leiht sich der Elektronikkonzern bei Investoren weitere Milliarden. Der Grund hat mit einem Steuertrick zu tun.

Investoren überschütten Apple mit Geld. dpa

Investoren überschütten Apple mit Geld.

New YorkApple versetzt den Kapitalmarkt in Aufruhr. Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten besorgt sich der iPhone-Konzern über den Verkauf von Anleihen frisches Geld bei Investoren - und dann gleich 17 Milliarden Dollar. Eine Rekordsumme. Doch warum? Der Konzern leidet schließlich nicht unter Geldmangel.

Wofür braucht Apple das Geld?

Apple hat seinen Aktionären versprochen, Ihnen bis Ende 2015 insgesamt 100 Milliarden Dollar zu geben - entweder über Dividenden oder über den Rückkauf von Aktien. Das soll die Wertpapiere attraktiver machen für Anleger und somit den zuletzt gesunkenen Kurs wieder in die Höhe treiben. Großaktionäre hatten Apple-Chef Tim Cook zu dem Schritt gedrängt. Sein verstorbener Vorgänger Steve Jobs hatte derartige Ausschüttungen kategorisch abgelehnt.

Gab es schon einmal eine so große Anleiheemission?

Apple hat einen neuen Rekord bei Anleihen von Unternehmen aufgestellt. Bislang hatte Roche den Rekord gehalten. Der Schweizer Pharmakonzern begab im Februar 2009 insgesamt 16,5 Milliarden Dollar über sechs Tranchen.

Die wichtigsten Akteure bei Apple

Tim Cook

Apple-Gründer Steve Jobs holte den Computermanager Tim Cook 1998 zu Apple und vertraute ihm die Führung des operativen Geschäfts an. Der Südstaatler mit der weichen Stimme ordnete die Produktions- und Vertriebskette radikal neu und machte Apple zu einer effizienten Geldmaschine, die Jobs’ kühne Visionen umsetzen kann. Im August 2011 übernahm der heute 51-jährige Cook permanent die Konzernführung. Er setzte eigene Akzente: Apple ist merklich offener in der Kommunikation geworden, auch was die Arbeitsbedingungen bei seinen chinesischen Zulieferern angeht. Ein revolutionäres Produkt wie das iPhone hat er bislang aber nicht vorstellen können.

Jony Ive

Der britische Designer Jonathan „Jony“ Ive stieß schon Anfang der 90er-Jahre zu Apple. Doch erst als Jobs 1997 wieder die Führung übernahm, blühte Ive voll auf. Seine Abteilung bekam größere Räume in einem Hochsicherheitstrakt des Hauptquartiers und die Lizenz zum Experimentieren. Aus Ives Labor stammen Innovationen wie die aktuellen Notebooks aus einem Stück Aluminium sowie das schlichte Design von iPhone, iPad und Mac. Viele Beobachter sehen am ehesten Ive als Jobs-Nachfolger, was die Zukunftsvisionen angeht. In seiner aktuellen Rolle als Verantwortlicher für das Design von Geräten wie auch der Software kommt er dieser Führungsrolle nahe.

Eddy Cue

Der Manager ist „Feuerwehrmann“ für brenzlige Angelegenheiten. Der Chef der iTunes-Plattform musste bereits den schlecht gestarteten Speicherdienst MobileMe retten – und machte die funktionierende iCloud daraus. Er soll auch die misslungenen Apple-Karten fit machen und den oft kritisierten persönlichen Assistenten Siri verbessern. Schon 2011 bekam Cue die Führung des gesamten Bereichs Internet-Software und Dienste übertragen. Damit ist er Chef über den iTunes Store, den App Store und den Büchershop iBooks. Mit dem Online-Speicher iCloud zeichnet er für einen Schlüsselbereich für die Zukunft von Apple verantwortlich.

Phil Schiller

Der „Senior Vice President“ für Marketing übernimmt stets die Präsentation der neuen Geräte – vom iPhone 5 bis zum iPad mini. Alle neuen erfolgreichen Produkte von Apple sind unter Schillers Regie vermarktet worden. Firmenchef Tim Cook tritt bei Produktvorstellungen meist in den Hintergrund und überlässt die Präsentation Schiller.

Auf welchem Wege besorgt sich Apple das Geld?

Apple verkauft Anleihen, auf Englisch Bonds genannt. Dabei leihen Investoren dem Unternehmen Geld für eine bestimmte Zeit. Im Gegenzug bekommen die Anleger ein Schuldpapier, auf das Zinsen fällig werden. Apple legt mehrere dieser Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten sowie variablen und festen Zinssätzen auf. Dadurch muss der Konzern nicht alles Geld auf einmal zurückzahlen.

Warum macht Apple Schulden, wenn doch die Kasse voll ist?

Zwar hat Apple etwa 145 Milliarden Dollar auf der hohen Kante liegen, doch nur jeder dritte Dollar befindet sich auch in den USA, wo die Dividenden gezahlt werden. Der Rest liegt über den Globus verstreut. Wenn Apple das Geld nun nach Hause holen wollte, würden darauf Steuern fällig. Das will Apple vermeiden - und leiht sich lieber frisches Geld bei Investoren. Das ist unterm Strich günstiger, weil derzeit die Zinnsätze niedrig sind und Apple als sehr kreditwürdig eingeschätzt wird.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

01.05.2013, 11:58 Uhr

*verwirr*
Also ist Apple ein Staat im Staate (welchem?), der seine eigenen Hegdefonds betreibt? Und wer keine Lust drauf hat, wird mal eben mit Patentklagen überzogen.
Dasch ja goil man ...
Gelungenes Konzept, echt. Billigarbeiter bauen zusammen, die Idee begeistert, der Konsum läuft, und die Konsumenten arbeiten für andere, die Steuern zahlen. Den Staaten fallen wenigstens die MW-Steuer aus Handel zu, naja, immerhin etwas :). Solange man die eigenen Staatsbürger noch der Steuerhinterziehung verfolgen kann, ist ja alles in Butter. Denn diese braucht man um den Arbeitslosen die iPods zu finanzieren.
Leistung muß sich wieder lohnen, der 1. Mai ist schon ein netter Feiertag.

Demokrat

01.05.2013, 11:59 Uhr

Ich mag zwar die Produkte,
aber das ist nicht in Ordnung.
Das wird uns auch mal richtig sauer aufstoßen.
Mindestens 15000Mrd $ sind offshore steuerfrei angelegt.
Wenn man die Zinsen oder Kaptalertträge nur mit 10% in den letzten 10 Jahren versteuert hätte, dann wären die funktionierenden Demokratien schuldenfrei.
Aber nein, die Verantwortlichen warten solange, das das Volk das selbst in die Hand nimmt (Revolution), da die Politiker sich zu sehr pinseln ließen (Lobbyismus).
Warum machen wir immer wieder die gleichen Fehler?

Realist

01.05.2013, 12:57 Uhr

Ganz einfach: Macht das Steuersystem einfach, transparent und homogen, dann haben Steuergenies auch keine Chance mehr, Schlupflöcher zu finden.

Und wenn ich Kommentare von netshadow oder Demokrat lese, wird mir übel! Hättet ihr die Möglichkeit (die Fähigkeiten), LEGAL steuern zu sparen, würdet ihr es doch auch tun! Ich unterstelle einfach mal, das ihr beide eure Steuererklärung am Ende des Jahres macht und dort auch versucht, maximale Werbungskosten und Steuerpauschalen abzugreifen. Das Notebook der Tochter als seine eigene "Arbeitszimmeraustattung" zu deklarieren, ist nichts anderes, als Apple und Konsorten im großen Stile auch tun! Daher: Vorsicht mit den Steinen, wenn man im Glashaus sitzt! Niemand hat etwas zu verschenken, auch ihr zwei heiligen nicht! :)

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