Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.04.2014

16:19 Uhr

Neue Anleihen

Investoren lieben Griechenland

Griechenland feiert seine Rückkehr an den Kapitalmarkt. Erstmals seit Beginn der Krise platziert das Land neue Anleihen. Die Nachfrage ist riesengroß. Die Griechen hätten deutlich mehr einnehmen können als geplant.

Der Euro lebt – und Griechenland ist mit dabei

Video: Der Euro lebt – und Griechenland ist mit dabei

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Athen, DüsseldorfEs ist noch nicht lange her, da galt Griechenland als Schmuddelkind an den Kapitalmärkten. Mit dem heutigen Tag ist das Vergangenheit. Jetzt können Investoren gar nicht genug bekommen von griechischen Staatsanleihen.

Erstmals seit Beginn der Schuldenkrise hat Athen am Donnerstag eine fünfjährige Anleihe am Markt platziert. Die Auktion hat drei Milliarden Euro eingespielt. Das waren 500 Millionen Euro mehr als Analysten erwartet hatten. Die Rendite lag bei 4,75 Prozent.

Die Griechen hätten wohl sogar noch deutlich mehr einnehmen können. Das Angebot sei „mindestens acht Mal überboten“ worden, frohlockte der griechische Vizeministerpräsident Evangelos Venizelos im griechischen Fernsehen. Der Zinssatz falle niedriger aus, als man ursprünglich erwartet hätte. Die Reaktion der Märkte sei „ermutigend“, sagte Venizelos.

So stehen die Euro-Krisenländer da

Frankreich

Lage: Mit 0,3 Prozent wuchs die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2013 etwas schneller als erwartet. Sie befreite sich damit aus der Stagnation. Dennoch reichte es im Gesamtjahr 2013 nur zu einem Plus von 0,3 Prozent.
Aussichten: Für 2014 rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.

Italien

Lage: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2013 um 0,1 Prozent zu. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2011. Dennoch schrumpfte das BIP im Gesamtjahr 2013 um 1,9 Prozent.

Aussichten: Zwei Rezessionsjahren folgt eine kraftlose Erholung. 2014 wird von der EU-Kommission ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, 2015 von 1,2 Prozent. Steigende Exporte dürften die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen. Die Arbeitslosenquote soll 2014 noch einmal leicht steigen, was den Konsum dämpft.


Spanien

Lage: Der Notenbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein - voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Aussichten: 2014 soll es ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent geben, erwartet die EU-Kommission. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen.

Griechenland

Lage: Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen.

Aussichten: Das BIP soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.


Portugal

Lage: Das Wachstum beschleunigt sich im vierten Quartal auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die Wirtschaft 2013 nur noch um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent 2012.

Aussichten: 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen. Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,8 Prozent erhöhen soll, erwartet die Regierung. Wachstumstreiber sind vor allem die Exporte, aber auch die Binnennachfrage soll 2014 wieder anziehen.

Zypern

Lage: Um voraussichtlich 5,5 Prozent ist die Wirtschaftsleistung 2013 eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen.

Aussichten: 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.

Es sollen Gebote über 20 Milliarden Euro eingegangen sein, hieß es in Finanzkreisen. Die Emission wurde von der Bank of America Merrill Lynch, der Deutschen Bank, Goldman Sachs, HSBC, JP Morgan und Morgan Stanley organisiert, die die Anleihen direkt bei Großinvestoren untergebracht haben. Mehr als 500 Anleger sollen für die Papiere geboten haben.

Die neuen Anleihen werden nach britischem Recht ausgegeben. Das soll für Vertrauen bei Anlegern sorgen. Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren hatte das überschuldete Griechenland seine Anleihehalter zu einem massiven Forderungsverzicht gedrängt. Im Schnitt mussten mehr als 70 Prozent vom Nennwert abgeschrieben werden. Möglich war dies, weil die umgeschuldeten Papiere griechischem Recht unterlagen. Einzelne Anleihen unter britischem oder auch schweizerischem Recht blieben damals vom sogenannten „Haircut“ verschont.

Kommentare (31)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

10.04.2014, 12:20 Uhr

Kein Wunder. Im Ernstfall steht im EZB mit dem Steuerzahler im Hintergrund. Casino läuft weiter - bis es eben heißt "rien ne va plus". Kann nicht ewig so weitergehen.

Account gelöscht!

10.04.2014, 12:27 Uhr

Nichts als eine blinde Jubelmeldung, vermutlich wieder besseren Wissens, also vorsätzlich.

Auch werden in dem Artikel angeblich Fachleute/Experten zitiert. Naja, die wirklichen Experten sehen die Sache ein wenig anders.

Die Anleihe funktioniert nur, weil sie durch EUR-Europa garantiert wird, Griechenland ist weiterhin faktisch mehr als Pleite. Alle wesentlichen Kennziffern haben sich sogar nochmals verschlechtert, insb. die Verschuldungsquote ist deutlich angestiegen und das obwohl schon ein kräftiger Forderungsverzicht der Gläubiger im 3stelligen Bereich gewährt wurde.

Da fragt man sich wirklich, wie solch ein unreflektierter Artikel noch dazu als Aufmacher bei SPon möglich ist. Und alle möglichen Antworten darauf lassen kein gutes Bild auf die Initiatoren solch einer Jubelmeldung. Man fühlt sich fatal an die Endzeitjubelmeldungen der Leitmedien der DDR erinnert.

Account gelöscht!

10.04.2014, 12:28 Uhr

So schaut es aus, die Papiere sind völlig Ausfall sicher, da die EZB bw. der EU-Steuerzahler dafür gerade steht.

Besseres Investment gibts garnicht, i.M.

Alles Nebelkerzen die geworfen werden, für den Bürger.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×