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28.01.2013

14:12 Uhr

Neue Anleihen

Italien kann am Kapitalmarkt landen

Anleger fassen wieder mehr Vertrauen zu Krisenstaaten: Italien konnte sich am Kapitalmarkt nun mit über sechs Milliarden Euro eindecken. Die Rendite dafür war so niedrig wie seit fast drei Jahren nicht mehr.

Eingang zur Börse in Mailand: Italien muss weniger Rendite für seine Anleihen zahlen. Reuters

Eingang zur Börse in Mailand: Italien muss weniger Rendite für seine Anleihen zahlen.

FrankfurtItalien hat sich am Montag am Kapitalmarkt insgesamt 6,63 Milliarden Euro geliehen. Damit fiel die Kreditaufnahme etwas geringer aus als mit bis zu 6,75 Milliarden Euro erwartet, was die Anleger aber gelassen hinnahmen. Im einzelnen bot Italien den Anlegern vier Milliarden Euro in Form von zweijährigen Null-Coupon-Anleihen. Die Rendite fiel auf 1,434 Prozent und lag damit so niedrig wie seit März 2010 nicht mehr.

Ende Dezember hatte Italien für eine ähnliche Anleihe eine Rendite von 1,88 Prozent bieten müssen. Allerdings war die Überzeichnung weniger hoch als zuletzt. Zudem verkaufte Italien eine inflationsindizierte Anleihe in einem Volumen von 2,63 Milliarden Euro mit einer Laufzeit bis September 2018 und einer Rendite von 1,8 Prozent.

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

Ist mein Geld auf der Bank sicher?

Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

Droht ein Aktiencrash?

Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

Wie sichere ich meine Kinder ab?

Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

Soll ich jetzt Schulden machen?

Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

Soll ich meine Immobilie verkaufen?

Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

Soll ich Gold kaufen?

Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

"Das Auktionsergebnis bestätigt, dass die Investoren wieder eine positive Meinung über Italien haben", erklärte ING-Analyst Alessandro Giansanti. Schließlich habe auch die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung in der Euro-Zone im zweiten Halbjahr dieses Jahres den Anlegern Appetit auf Anleihen mit höheren Renditen gemacht.

Die Regierung in Rom will am Dienstag und Mittwoch erneut den Kapitalmarkt anzapfen und bis zu 15 Milliarden Euro an Krediten aufnehmen. Dabei hat das Land allein in den ersten beiden Januar-Wochen bereits etwa zehn Prozent des geplanten Anleihe-Volumens begeben.

Rating-Historie der Krisenländer

Portugals S&P-Rating

Rating: / Gültig seit:

BB / 13.01.2012

BBB- / 05.12.2011

BBB- / 29.03.2011

BBB+ / 24.03.2011

A- / 30.11.2010

A- / 27.04.2010

Portugals Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

Ba3 / 13.02.2012

Ba2 / 05.07.2011

Baa1 / 05.04.2011

A3 / 15.03.2011

A1 / 21.12.2010

A1 / 13.07.2010

Aa2 / 05.05.2010

Irlands S&P-Rating

Rating / Gültig seit:

BBB+ / 13.01.2012

BBB+ / 05.12.2011

BBB+ / 01.04.2011

A- / 02.02.2011

A / 23.11.2010

AA- / 24.08.2010

Irlands Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

Ba1 / 12.07.2011

Baa3 / 15.04.2011

Baa1 / 17.12.2010

Aa2 / 05.10.2010

Aa2 / 19.07.2010

Spaniens S&P-Rating

Rating: / Gültig seit:

BBB- / 10.10.2012

BBB+ / 26.04.2012

A / 13.01.2012

AA- / 05.12.2011

AA- / 13.10.2011

AA / 28.04.2010

Spaniens Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

Baa3 / 16.10.2012

Baa3 / 13.06.2012

A3 / 13.02.2012

A1 / 18.10.2011

Aa2 / 29.07.2011

Aa2 / 10.03.2011

Aa1 / 15.12.2010

Aa1 / 30.09.2010

Aaa / 30.06.2010

Italiens S&P-Rating

Rating: / Gültig seit:

BBB+u / 31.01.2012

Au / 05.12.2011

Au / 19.09.2011

A+u / 17.02.2011

Italiens Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

Baa2 / 13.07.2012

A3 / 13.02.2012

A2 / 04.10.2011

Aa2 / 17.06.2011

Griechenlands S&P-Rating

Rating: / Gültig seit:

B- / 18.12.2012

SD / 05.12.2012

CCC / 02.05.2012

SD / 27.02.2012

CC / 27.07.2011

CCC / 13.06.2011

B / 09.05.2011

BB- / 29.03.2011

BB+ / 02.12.2010

BB+ / 27.04.2010

BBB+ / 16.03.2010

Griechenlands Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

C / 02.03.2012

Ca / 25.07.2011

Caa1 / 01.06.2011

B1 / 09.05.2011

Ba1 / 26.12.2010

Ba1 / 14.06.2010

A3 / 22.04.2010

Am Sekundärmarkt gaben die Kurse der Staatsanleihen über zwei, fünf und zehn Jahren Laufzeit nach. Händler sprachen von technischen Faktoren im Zusammenhang mit den Kreditaufnahmen in dieser Woche. Die Renditen für die zehnjährigen Papiere stiegen leicht auf 4,17 von 4,13 Prozent am Freitag an.

Bundesanleihen waren am Montag ebenfalls wenig nachgefragt. So stiegen auch die Renditen der deutschen zehnjährigen Bonds um einen Basispunkt auf 1,59 Prozent. Der Bund-Future rutschte um 21 Ticks auf 142,29 Punkte. Auch der Bund sammelte am Montag neue Gelder bei den Anlegern ein und begab einjährige Bundesschatzanweisungen über 2,07 Milliarden Euro. Dabei verlangten die Anleger dieses Mal eine Rendite, wohingegen sie bei der letzten entsprechenden Anleihe-Auktion noch leicht draufgezahlt hatten.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

28.01.2013, 15:24 Uhr

Bei dieser "Alles wird wieder gut"-Propaganda, die man gerade jetzt wieder in allen Systemblättern liest, sollte den Propagandisten aber schon klar sein, daß diese Propaganda viel glaubwürdiger klingen würde, wenn solche Selbstverständlichkeiten wie die kontinuierlichen Anleihen-Auktionen europäischer Staaten keine Schlagzeilen mehr machen.

Rechner

28.01.2013, 15:49 Uhr

Immerhin haben diese Schlagzeilen ja durchaus noch Nachrichtenwert.

Das kann sich natürlich in ein paar Monaten ändern, wenn die Genesung der PIGS anhält.

Aber nachdem 30 Monate lang die Krisenjunkies mit Negativschlagzeilen gefüttert wurden, ist jetzt eben mal die Normalofraktion dran.

...

Alles ist eben relativ - im Vergleich zu den USA und Japan sieht die EU doch wie eine Oase der Stabilität aus.

Irgendwann merken das sogar die Finanzmärkte, und Kapitalströme wechseln entsprechend die Richtung.

Daraus aber abzuleiten, daß in der Eurozone alles in Butter wäre ist aber grundverkehrt.

Entscheidend ist jetzt, daß die PIGS die Erleichterung ihrer Refinanzierungsbedingungen nicht zum Anlaß nehmen die Fastenkur einzustellen.

Sonst sind wir in einem Jahr wieder da wo wir vor einem Jahr waren.

Account gelöscht!

28.01.2013, 16:25 Uhr

"Anleger fassen wieder mehr Vertrauen zu Krisenstaaten"

98% der Ostdeutschen wählen Honecker... und niemand hat vor eine Mauer usw.

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