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19.09.2012

13:40 Uhr

Neue Auktion

Anleger verdienen wieder Geld mit Bundesanleihen

Bei der vergangenen Auktion liehen Investoren dem Staat das Geld zum Nulltarif. Dieses Mal erhalten sie wieder eine Rendite – auch wenn diese sehr, sehr gering ausfällt. Niedrigere Zinsen als zuvor muss Portugal zahlen.

Bundesanleihen sind vor allem in Krisenzeiten gefragt. dpa

Bundesanleihen sind vor allem in Krisenzeiten gefragt.

Berlin/LissabonAnleger verdienen mit dem Kauf von deutschen Staatsanleihen wieder Geld. Die Auktion von Bundesschatzanweisungen mit zweijähriger Laufzeit spülte knapp 4,1 Milliarden Euro in die Staatskasse, teilte die mit dem Schuldenmanagement des Bundes beauftragte Finanzagentur am Mittwoch mit. Die Investoren erhalten eine Durchschnittsrendite von 0,06 Prozent. Bei der vorangegangenen Auktion lag sie noch bei null Prozent. Entsprechend zog die Nachfrage an: Die Versteigerung war 2,1-fach überzeichnet, zuvor nur 1,5-fach.

„Nach wie vor ist die Nachfrage nach deutschen Anleihen in einem unverändert angespannten Marktumfeld sehr hoch“, sagte ein Sprecher der Finanzagentur. Allerdings sei „eine Belebung der Renditeerwartung im Markt zu erkennen“. Experten führen das auf das grüne Licht des Bundesverfassungsgerichts für den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM und die Ankündigung der Europäischen Zentralbank zurück, künftig Bonds kriselnder Euro-Staaten zu kaufen. „Auf diesem Niveau sind deutsche Staatsanleihen sehr attraktiv“, sagte Nomura-Analyst Artis Frankovics.

Weil die Spannungen in der Währungsunion nach dem Gerichtsurteil etwas nachgelassen haben, gewinnen riskantere Anlagen wie Aktien und Anleihen von Krisenländern an Attraktivität. Anleger für die als sicherer Hafen geltenden Bundeswertpapiere müssen deshalb mit höheren Zinsen gelockt werden. Bereits vorige Woche hatte sich die Durchschnittsrendite von Bundesobligationen mit fünfjähriger bei einer Auktion auf 0,61 Prozent nahezu verdoppelt. Dennoch ist dieses Niveau historisch niedrig.

Portugals Sparbemühungen werden belohnt

Höhere Zinsen als der Bund, aber niedrigere als zuletzt muss Portugal zahlen, dessen Sanierungsbemühungen von den Kapitalmärkten ungeachtet jüngster Rückschläge honoriert worden sind. Das Euroland bekam am Mittwoch frisches Geld zu deutlich günstigeren Konditionen als zuletzt. Wie die Schuldenagentur (IGCP) in Lissabon mitteilte, wurden Staatsanleihen in Gesamtwert von zwei Milliarden Euro platziert. Das Einnahmeziel wurde damit sogar um 250 Millionen übertroffen.

Bei der Versteigerung einer Anleihe mit 18-monatiger Laufzeit seien 1,291 Milliarden in die Staatskassen geflossen, hieß es. Dabei sei der Zinssatz im Vergleich zur letzten entsprechenden Emission vom 4. April von 4,537 auf 2,967 deutlich gesunken.

Ein zweites Geldmarkt-Papier mit einer Laufzeit von sechs Monaten kam im Gesamtwert von 709 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 1,7 Prozent unter dem Hammer. Im Juli hatte Portugal für sechsmonatige Anleihen noch eine Rendite von 2,292 Prozent anbieten müssen. Die Auktionen waren jeweils 2,4-fach sowie 3,1-fach überzeichnet.

Der Investmentchef der Bank Banco Carregosa, Filipe Silva, bezeichnete die Emissionen als Erfolg. Die jüngsten Rückschläge bei der Sanierung, die Massenproteste vom Wochenende gegen die neuesten Sparmaßnahmen und die Sorge vor einer Regierungskrise hätten überhaupt keinen Einfluss gehabt. Die Nachfrage der Investoren nach kurzläufigen portugiesischer Schuldpapieren sei sehr groß, sagte Silva der Nachrichtenagentur Lusa.

Portugal hängt seit 2011 am internationalen Finanztropf und war bei der Sanierung der Staatsfinanzen lange Zeit erfolgreich. Im August hatte Lissabon aber eingeräumt, man werde wegen des Einbruchs der Steuereinnahmen infolge der Rezession das für 2012 festgelegte Haushaltsdefizit-Ziel ohne zusätzliche Sparmaßnahmen nicht mehr erreichen. Die „Troika“ aus Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank (EZB), die Portugal 2011 mit einem 78-Milliarden-Euro-Paket unter die Arme griff, verlängerte daraufhin das Sanierungsprogramm des Landes um ein Jahr auf 2014.

Staatspleiten sind die Regel

Argentinien

Jahr der Unabhängigkeit: 1816

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit* 1800: 32,5 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

*Die Berechnungen der Länder, die vor 1800 unabhängig wurden, sind von 1800-2006.

Quellen: Berechnungen von Flossbach und Vorndran (2012), sowie Standard & Poor's, Purcell und Kaufmann (1991), Reinhart, Rogoff und Savastano (2003) und darin zitierte Quellen.

Australien

Jahr der Unabhängigkeit: 1901

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Brasilien

Jahr der Unabhängigkeit: 1822

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 25,2 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 9

Deutschland

Jahr der Unabhängigkeit: 1618

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 13 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Finnland

Jahr der Unabhängigkeit: 1917

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Frankreich

Jahr der Unabhängigkeit: 943

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Griechenland

Jahr der Unabhängigkeit: 1829

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 50,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

Großbritannien

Jahr der Unabhängigkeit: 1066

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Italien

Jahr der Unabhängigkeit: 1569

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 3,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

Kolumbien

Jahr der Unabhängigkeit: 1819

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 36,2 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

Mexiko

Jahr der Unabhängigkeit: 1821

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 44,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Niederlande

Jahr der Unabhängigkeit: 1581

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 6,3 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

Norwegen

Jahr der Unabhängigkeit: 1581

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Österreich

Jahr der Unabhängigkeit: 1282

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 17,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

Portugal

Jahr der Unabhängigkeit: 1139

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 10,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 3

Russland

Jahr der Unabhängigkeit: 1457

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 39,1 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

Schweden

Jahr der Unabhängigkeit: 1523

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Spanien

Jahr der Unabhängigkeit: 1476

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 23,7 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 13

Türkei

Jahr der Unabhängigkeit: 1453

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 15,5 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 6

USA

Jahr der Unabhängigkeit: 1783

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: Als Folge der Wirtschaftskrise von 1837 stellten acht amerikanische Bundesstaaten ihre Zahlungen ein. Mehr als 100 Banken gingen in daraufhin Pleite. Knapp 150 Jahre schlingert die US-Wirtschaft wieder: Am 15. August 1971 erklärte der amerikanische Präsident Richard Nixon die sofortige Aufhebung der Dollar-Konvertierbarkeit in Gold, also die Aufhebung der Verpflichtung der USA, jederzeit Dollar in eine bestimmte Menge Gold umzutauschen. Diese auch als Nixon-Schock bekannte Ankündigung bedeutete faktisch die Erklärung der Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise Zahlungsunwilligkeit, da die Aufhebung einseitig und unter Bruch bestehender Abmachungen (Bretton-Woods-System) erfolgte.

Venezuela

Jahr der Unabhängigkeit: 1830

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 38,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 10

Kommentare (5)

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Republikaner

19.09.2012, 15:05 Uhr

Die letzten Volumina waren Pille Palle. Mal sehen was der Rentemarkt macht, wenn die 200 Mrd für den ESM benötigt werden.

JohannesKirk

19.09.2012, 15:13 Uhr

Das Schweigen der Euro Gegner ist mehr als bezeichnend. Sollte sich das monatelange Gezeter als übertriebene Panik herausstellen? Falls ja, dann wäre monatelanges Schweigen angebracht. ;-)

Account gelöscht!

19.09.2012, 15:52 Uhr

Da freuen sich die hochneurotischen Deutschenhasser:

Portual zaht weniger Zinsen, Deutschland mehr.

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