Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2012

16:58 Uhr

Neue Bürokratie

Finanzagentur bereitet Privatanlegern Ärger

VonChristian Panster

Wer bislang Bundeswertpapiere kaufen wollte, muss kaum bürokratische Hürden überwinden. Seit kurzem ist das anders: Privatanleger müssen eine Vielzahl persönlicher Daten herausrücken. Verbraucherschützer sind verärgert.

Deutlich mehr Bürokratie kommt nun auf Privatanleger zu, wenn sie Bundeswertpapiere nutzen wollen. dpa

Deutlich mehr Bürokratie kommt nun auf Privatanleger zu, wenn sie Bundeswertpapiere nutzen wollen.

FrankfurtWer in diesen Tagen bei der Finanzagentur des Bundes anruft, sollte geduldig sein. Die Service-Nummern – dauernd besetzt. Von morgens bis abends, so scheint es. Es gibt Redebedarf. Viele der Kunden sehen das zumindest so.

Die Agentur verwaltet nicht nur die Schulden der Bundesrepublik, sondern sie führt auch für Hunderttausende von Kleinanlegern sogenannte Schuldbuchkonten, auf denen Bundeswertpapiere ohne Gebühr eingebucht werden. Bundesanleihen, Finanzierungsschätze oder Bundesobligationen beispielsweise. Dabei ist die Agentur auf dem besten Wege, sich bei den Sparern äußerst unbeliebt zu machen.

Bislang war es ziemlich einfach, sich ein Schuldbuchkonto einrichten zu lassen. Anleger mussten nicht einmal ihre Staatsangehörigkeit angeben oder ihren Geburtsort. Seit vergangenem Jahr allerdings ist das anders. Denn seitdem gilt das Geldwäschegesetz auch für die deutsche Finanzagentur. Und dieses Gesetz sieht vor, dass die Kunden eine ganze Reihe persönlicher Daten beibringen müssen.

Dafür können die Frankfurter nichts, sie müssen die Vorgaben umsetzen, ob sie wollen oder nicht. Die große Frage – und gleichzeitig der Grund allen Ärgers – aber ist, wie sie das anstellt: Den Kunden gegenüber ist sie nämlich nicht gerade charmant.

Weil bislang nur ein Viertel der insgesamt 400 000 Kunden die fehlenden persönlichen Daten an die Finanzagentur übermittelt hat, und dass obwohl die Schuldenverwalter bereits im vergangenen August dazu aufgefordert hatten, werden die Mitarbeiter anscheinend langsam ungeduldig. In einem Schreiben, das in den vergangenen Tagen an die Kontoinhaber versandt wurde, heißt es in Bürokratendeutsch, dass ihre Konten gekündigt würden, sollten die Kunden bei der „Umsetzung der Anforderungen des Geldwäschegesetzes“ weiterhin nur unzureichend mitwirken. Man hätte es auch freundlicher ausdrücken können, sagt Niklaas Haskamp von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das sei kein guter Stil.

Bei der Kundschaft kommt die Aufforderung verständlicherweise gar nicht gut an. In Internetforen wird diskutiert und vor allem geschimpft. Wäre schon der erste April, würde man es glatt für einen schlechten Scherz halten, schreibt etwa ein Nutzer. Eine solche Drohung sei „völlig daneben“.

Bei der Finanzagentur beruft man sich dagegen auf die Gesetzeslage. Und die sehe eine Kündigung der Konten bis zum 31. Januar vor, sollte der Kunde bis dahin nicht seine Identität nachweisen.

Das Dumme für die Kunden: Die Finanzagentur verlangt eine beglaubigte Kopie des Personalausweises. Die kostet in der Regel zwischen fünf und zehn Euro. Zu dem Ärger kommen für die Sparer also noch Kosten hinzu.


Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Klaus

04.01.2012, 17:51 Uhr

Wir haben auch so einen Brief bekommen.
Die fehlenden Daten (Geburtsort + Staatsangehörigkeit) haben wir denen damals sofort mitgeteilt.
Jetzt kommt der Brief mit der Kündigungsandrohung und der Aufforderung, eine beglaubigte Kopie des Perso zu senden.

Für Geburtsort + Staatsangehörigkeit beglaubigte Kopie?

Die spinnen.

Wir rennen doch nicht für die Mikerzinsen zum Notar. Die Beglaubigung kostet mehr, als die Zinsen in den nächsten Jahre bringen. Sollen sie doch für die Mikerzinsen ihr Kto behalten. Wir haben den Betrag abgezogen.

Frohes Kündigen.

Klaus

04.01.2012, 17:52 Uhr

Wir haben auch so einen Brief bekommen.
Die fehlenden Daten (Geburtsort + Staatsangehörigkeit) haben wir denen damals sofort mitgeteilt.
Jetzt kommt der Brief mit der Kündigungsandrohung und der Aufforderung, eine beglaubigte Kopie des Perso zu senden.

Für Geburtsort + Staatsangehörigkeit beglaubigte Kopie?

Die spinnen.

Wir rennen doch nicht für die Mikerzinsen zum Notar. Die Beglaubigung kostet mehr, als die Zinsen in den nächsten Jahre bringen. Sollen sie doch für die Mikerzinsen ihr Kto behalten. Wir haben den Betrag abgezogen.

Frohes Kündigen.

Martin

04.01.2012, 18:10 Uhr

Meine Lösung zu dem Unfug:

Einfach ein neues Konto / Depot mit dem Post-Identverfahren eröffnen und die Papiere vom gekündigten Konto übertragen lassen.
Neben dem Zeitaufwand entstehen dabei keine Kosten!


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×