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26.06.2014

11:38 Uhr

Neue Neutralität

Pimcos Wette auf niedrige Volatilität

Schwanken die Kurse wenig, wird die Absicherung gegen Kursschwankungen zum lohnenden Geschäft. Pimco verkündete nun, dass es seine Strategie in den nächsten Jahren ganz auf die niedrige Volatilität abstellen wird.

Bill Gross, Investmentchef von Pimco, des größten Anleihefonds der Welt, während seiner Rede auf der Morningstar Investmentkonferenz in Chicago. Pimco setzt in den nächsten Jahren auf niedrige Volatilität in den Märkten. Reuters

Bill Gross, Investmentchef von Pimco, des größten Anleihefonds der Welt, während seiner Rede auf der Morningstar Investmentkonferenz in Chicago. Pimco setzt in den nächsten Jahren auf niedrige Volatilität in den Märkten.

ChicagoDie „Neue Neutralität“ wird nach Ansicht von Bill Gross auch außerhalb des Anleihemarktes Kreise ziehen. Gross, Investmentchef der Pacific Investment Management Co. (Pimco), setzt darauf, dass die Volatilität an den Märkten außergewöhnlich niedrig bleiben wird. „Im Grunde genommen verkaufen wir Absicherungen gegen Preisschwankungen“, sagte Gross am Donnerstag in einem Interview auf der Investmentkonferenz des Fondsanalyseunternehmens Morningstar. „Bei Pimco haben wir das in den vergangenen vier oder fünf Wochen versucht.“

Die Wette auf eine geringe Volatilität sei wesentlicher Bestandteil der Strategie der Allianz-Tochter für die nächsten drei bis fünf Jahre, sagte Gross. „Neue Neutralität“ heißt für die Fondsgesellschaft niedrige Zinsen und geringeres, aber stabiles Weltwirtschaftswachstum. In einer im Mai veröffentlichten Studie prognostizierte Pimco Renditen von rund fünf Prozent für Aktien und drei Prozent für Anleihen, da jegliche Veränderungen in der Geldpolitik der US-Notenbank zurückhaltend erfolgen dürften.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Die Portfoliomanager von Pimco „kennen alle jeden Teil der neuen Neutralität“ und berücksichtigten sie bei ihren Transaktionen, erläuterte Gross. „Historisch betrachtet hat Pimco mit dem Verkauf von Volatilität Erfolg gehaben und es ist schön, dass die Volatilität gefallen ist.“ Auf Basis von Pimcos neuer Strategie glauben Händler dem Vernehmen nach, dass die Fondsgesellschaft im April und Mai Kauf- und Verkaufsoptionen auf den Aktienindex Standard & Poor's 500 verkauft hat, um auf wenig Bewegung bei den Aktienkursen zu wetten. Aus dem gleichen Kalkül heraus soll Pimco massiv Zinsswaps erworben haben. Gross wollte sich zu spezifischen Transaktionen bei Pimco nicht äußern.

Der Chicago Board Options Exchange Volatility Index, der Kursschwankungen bei Aktien misst, schloss am vergangenen Mittwoch bei 10,61 und damit auf dem niedrigsten Niveau seit Februar 2007. Am 3. Februar wurde mit 21,44 das Hoch für dieses Jahr erreicht, verglichen mit einem Fünfjahresdurchschnitt von 19,7.

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