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12.11.2015

16:14 Uhr

Neue Regeln für Schweden

Nullrisiko-Status für Staatsanleihen fällt

Schweden will es seinen Banken verbieten, Staatsanleihen als Nullrisiko-Papiere zu bewerten. Die Europäische Bankenaufsicht findet das gut – eigentlich. Denn die Datenlage für die neuen Risikomodelle sei zu knapp.

Ab 2016 sollen Staatsanleihen nicht mehr als risikolos gelten. Wie die Risikobewertungsmodelle aussehen sollen, steht aber noch nicht fest. IMAGO

Schweden führt neue Regeln ein

Ab 2016 sollen Staatsanleihen nicht mehr als risikolos gelten. Wie die Risikobewertungsmodelle aussehen sollen, steht aber noch nicht fest.

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) will die Anleihenmärkte sicherer machen. Ein neues Risikobewertungsmodell muss her – und zu den Vorreitern auf dem Gebiet gehört Schweden. Im Gegensatz zum restlichen Europa hat Schweden seinen Banken mitgeteilt, dass sie Staatsanleihen in ihren Büchern nicht länger mit einer Null-Risikogewichtung ansetzen dürfen. Bislang konnten sie sich da auf auf eine Ausnahmeregelung berufen: Sie gestattet hingegen die Verwendung eines Standardmodells, das in Europa eine Risikogewichtung von null zulässt.

Ab nächstem Jahr soll die Regelung nicht mehr gelten. Die größten Banken des Landes müssen dann die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls und ihren potenziellen Verlust auf der Grundlage historischer Daten berechnen. Die EBA will bei der Ermittlung der Daten zwar behilflich sein. Zugleich aber kritisiert sie den Ansatz der Schweden: Interne Rating-Modelle würden eben aus Mangel an Daten auf lange Sicht nicht funktionieren, sind die Bankenhüter überzeugt.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

„Wenn man nur drei, vier Beispiele hat - wie soll man da zu einem aussagekräftigen Verlust-Modell kommen”, sagt Lars Overby, Leiter Anleihe-, Markt- und operative Risiken in der Regulierungsabteilung der EBA. Die schmale Datengrundlage führt zu einer Bandbreite an Ergebnissen - ein Phänomen, dem sich die Behörde wieder und wieder gegenübersieht. Dabei können die Modelle für die Zahlungsausfälle durchaus unterschiedlich ausfallen.

Die schwedische Finanzaufsicht in Stockholm will Anfang 2016 über die Modelle entscheiden, die von den großen Banken des Landes Nordea, SEB, Handelsbanken und Swedbank sowie der Swedish Export eingereicht werden. Die Finanzaufsicht entschloss sich zu dem Schritt, weil sie nicht länger abwarten wollte, bis es in der Europäischen Union in der Frage der Null-Risikogewichtung zu einer Entscheidung kommt.

Die EBA sympathisiert Overby zufolge mit der Position Schwedens – größtenteils. Die Behörde arbeitet daran, die Wahrscheinlichkeiten für Zahlungsausfälle von Staaten und möglichen Verlusten bei Staatsanleihen zu harmonisieren. Anschließend soll eine Überprüfung stattfinden, um zu entscheiden, welche Portfolios, einschließlich Staatsanleihen, für interne Modelle geeignet sind.

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