Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.09.2012

14:40 Uhr

Neue Richtlinien

Europaparlament geht gegen Hochfrequenzhandel vor

Der Hochfrequenzhandel an der Börse soll entschleunigt werden. Dafür sprechen sich Bundesregierung und EU-Parlamentarier aus. Ein Richtlinienentwurf sieht vor, dass Orders künftig 0,5 Sekunden gehalten werden müssen.

Händler blicken auf Computerbildschirme in der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main. dpa

Händler blicken auf Computerbildschirme in der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main.

BrüsselDas Europaparlament will den Hochfrequenzhandel mit Finanzprodukten entschleunigen. Händler sollen verpflichtet werden, Orders mindestens 0,5 Sekunden lang zu halten. Außerdem sollen sie ihre Algorithmen offen legen und für nicht ausgeführte Orders Gebühren zahlen. Entsprechende Regelungen wollen die EU-Volksvertreter in den Richtlinienentwurf zum Wertpapierhandel (Mifid II) einfügen. Das will der Wirtschaftsausschuss des Parlaments nächste Woche beschließen.

Der Hochfrequenzhandel gilt als gefährlich, weil er extrem schnelle Kursstürze verursachen kann. Auch Deutschland plant deshalb hier ein Gesetz. „Wir haben uns eng mit der Bundesregierung abgestimmt“, sagte der federführend für das Thema zuständige Europaparlamentarier Markus Ferber dem Handelsblatt.

Mifid II enthält auch Regeln für die Warentermingeschäfte mit Nahrungsmitteln. „Hier verlangen wir ein sehr strenges Regime“, sagte Ferber. So wolle das Parlament die von einem Marktteilnehmer gehaltenen Positionen nach oben begrenzen. „Wer oberhalb des Limits Waren halten will, muss erklären, wofür er sie benötigt“, sagte Ferber. Die EU-Volksvertreter wollen damit dem spekulativen Preisanstieg von Grundnahrungsmitteln einen Riegel vorschieben.

Weniger streng handhabt das Parlament ein anderes in Mifid geregeltes Thema: Die Provisionen beim Verkauf von Finanzprodukten. Sie sollen generell erlaubt bleiben, müssen allerdings vollständig transparent sein. Die EU-Kommission wollte es unabhängigen Finanzberatern ganz verbieten, Provisionen zu kassieren. Das fand im Europaparlament keine Mehrheit.

Börsenhandel: Kampf den Supercomputern

Börsenhandel

Kampf den Supercomputern

Finanzminister Schäuble will die Branche regulieren und erntet verhaltene Reaktionen.

Das Europaparlament muss sich nun mit dem EU-Finanzministerrat und der EU-Kommission in sogenannten Trilog-Verhandlungen über Mifid II einigen. Die Richtlinie soll 2014 in Kraft treten.

Von

rut

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.09.2012, 16:42 Uhr

Protest gegen Nahrungsmittel-Spekulationen
Spekulanten profitieren vom Handel mit Nahrungsmitteln, während die Zahl der Hungernden weltweit steigt! Die Initiative handle-fair.de protestiert dagegen!

A_H

20.09.2012, 17:33 Uhr

Der Preis von Weizen, Soja usw. ist ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage, erfolgt also nach der klassischen Marktdefinition. Die Gruppe der Spekulanten trägt zur Liquidität des Marktes bei. Wenn dieses Handelsvolumen wegfallen sollte, wird es erheblich größere Preisschwankungen geben und die Gefahr der Preis- bzw. Markmanipulation immens steigen.
Die Zahl der Hungernden steigt deswegen, weil die Nahrungsmittel ungleich verteilt sind. Im Westen schmeißt man weg, in den Entwicklungsländern hat man fast nichts. Wenn, müsste man an der Umverteilung was ändern. Zudem sollte man die Spirale durchbrechen, dass in armen Ländern die Zeugung vieler Kinder hauptsächlich der Altersvorsorge dient. usw. usw....
An "Newfreak": Ihre Sicht der Dinge ist zu einfach. Sie könnten einer der typisch realitätsfremden und oberflächlich informierten Politiker sein. Nichts für ungut.

A_H

20.09.2012, 18:08 Uhr

Nachtrag:
Wenn man Spekulant ist heisst das keinesfalls automatisch, dass man IMMER NUR Gewinn und riesige Profite macht. Das Geld das man verdient ist eine Risikoprämie: die guten Zeiten sollten die schlechten ausgleichen sonst ist man nämlich weg vom Fenster (ist im Spitzensport und anderen Branchen genauso). Wie schnell das gehen kann haben schon viele Fälle in der Vergangenheit gezeigt wie z.B. Barings Bank mit Nick Leeson, Long Term Capital Management und viele Andere. Jeder der sich mit der Materie nur ein bißchen beschäftigt hat (und das sollten Sie auch mal tun bevor Sie und Ihre Gruppe irgendwas fordern!)weiß, dass die Gruppe der Hedger immer am Längeren Hebel sitzt (siehe Silbermarkt). Das war auch dieses Mal der Fall.
Zu den Nahrungsmittelpreisen: die Prognosen haben für dieses Jahr erst eine gute Ernte durchblicken lassen. Die Spekulanten waren hier in der Regel short (hatten also Verkaufspositionen inne, weil viel Angebot sinkende Preise bedeutet). Aufgrund der überraschenden Hitzeperioden mit den folgenden Dürren und Ernteausfällen haben die Spekulanten eingezahlt und die größten Preisanstiege total verschlafen.
Zur Marktpreisbildung allgemein: wenn jemand auf dem Kunstmarkt (und der ist mal richtig irrational) für ein Gemälde 120 Millionen EUR zahlt, dann ist das der Preis. Auf dem japanischen Fischmarkt hat mal ein Premiumrestaurant für einen bestimmten Fisch umgerechnet 190.000 EUR bezahlt. Dann sind diese 190.000 EUR eben der Preis. Wenn für Sie schon 50 EUR viel Geld sind dann können Leute wie Sie finanziell andere Dimensionen schlecht oder gar nicht verstehen (hierzu passt auch der typisch deutsche Neid). Das ist aber Ihr Problem und nicht das der Finanzindustrie oder irgendeiner anderen Branche.
Übrigens: ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass das was Sie behaupten genauso ein Käse ist wie die Aussage, dass alle Blondinen dumm sind? Darüber sollten Sie und Ihre Gruppe mal nachdenken...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×