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02.10.2014

09:23 Uhr

Neuemission

Rocket Internet mit schwachem Börsendebüt

Mit Rocket Internet geht das zweite große Unternehmen binnen zwei Tagen an die Börse. Die Indikationspreise waren zwar vielversprechend, doch schon kurz nach Handelsstart fiel der Preis deutlich.

Oliver Samwer packt den Bullen bei den Hörnern: Der Rocket-Internet-Geschäftsführer geht mit seinem Unternehmen am Donnerstag an die Börse. dpa

Oliver Samwer packt den Bullen bei den Hörnern: Der Rocket-Internet-Geschäftsführer geht mit seinem Unternehmen am Donnerstag an die Börse.

DüsseldorfRocket Internet gibt sein Börsendebüt. Die Start-up-Schmiede bestätigte am Donnerstag den Emissionspreis: Genau wie dieser lag auch der erste Preis für die Aktie bei 42,50 Euro. Die ersten indikativen Preise an der Frankfurter Börse lagen am Donnerstag zwischen 42,50 und 48 Euro.

Kurz nach Börsenstart fiel der Preis allerdings deutlich, zwischenzeitlich um mehr als 13 Prozent.

Mit Rocket Internet wagt das zweite große Unternehmen innerhalb von zwei Tagen den Schritt auf das Börsenparkett. Am Mittwoch hatte schon Zalando sein Börsendebüt gegeben und rund 600 Millionen Euro eingesammelt.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Rocket Internet, deren größte Anteilseigner Marc, Oliver und Alexander Samwer auch den Onlinehändler mitfinanziert hatten, wird diese Summe noch übertreffen. Mit dem ersten Preis lag das Volumen bei rund 1,6 Milliarden Euro.

Von

lih

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