Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.05.2014

14:53 Uhr

New Yorker Börse

Dax-Konzerne verlassen die Wall Street

Früher galt eine Börsennotierung an der Wall Street als gut fürs Geschäft. Doch die Zeiten sind vorbei. Bis auf wenige Ausnahmen haben sich alle Dax-Unternehmen zurückgezogen, jetzt auch Siemens. Das hat gute Gründe.

Siemens begründet den Rückzug von der US-Börse mit dem geringen Handelsvolumen. dpa

Siemens begründet den Rückzug von der US-Börse mit dem geringen Handelsvolumen.

New YorkDer 12. März 2001 war einer der schillerndsten Tage im Lebens Heinrich von Pierers. Der damalige Siemens-Chef durfte auf der Empore im Saal der New Yorker Börse die Glocke für den Handelsbeginn läuten. Der deutsche Industriekonzern hatte den Sprung an die Wall Street gewagt. In der Welthauptstadt des Kapitalismus wurden nun neben Frankfurt die Siemens-Aktien gehandelt. „Für ein Unternehmen wie Siemens ist es ein Muss, hier in New York notiert zu sein“, sagte von Pierer. An diesem Donnerstag (15. Mai) soll der Handel enden.

Siemens ist einer der letzten namhaften deutschen Konzerne, die sich von der Wall Street wieder verabschieden. Nachdem im Jahr 2007 die Regeln für den Rückzug vereinfacht wurden, haben auch schon Eon, BASF, Bayer, Infineon, die Allianz, die Deutsche Telekom oder Daimler Goodbye gesagt. Von einst gut einem Dutzend Dax-Unternehmen sind noch genau drei übrig: die Deutsche Bank, der Software-Hersteller SAP und der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC).

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Teils hatten sich die Hoffnungen auf den geschäftlichen Schub für den US-Markt nicht erfüllt, teils machten die Deutschen schlechte Erfahrungen mit dem komplexen Regelwerk und der strengen Börsenaufsicht SEC: So musste sich Siemens in der Schmiergeldaffäre auch gegenüber den US-Behörden verantworten. Vor allem aber macht eine Zweitnotierung in New York in Zeiten des computergestützten Börsenhandels keinen Sinn mehr. Sie kostet nur Zeit und Geld.

Das zeigt sich auch am Beispiel Siemens: Die Bedeutung der USA als Markt sei weiterhin groß und internationale Aktionäre genössen einen hohen Stellenwert, beteuerte Finanzchef Ralf Thomas. „Die wichtigsten Handelsplätze für unsere Aktie sind aber eindeutig Frankfurt sowie die außerbörslichen elektronischen Handelsplattformen - auch für unsere US-Investoren.“ So wurden in den vergangenen zwölf Monaten deutlich weniger als fünf Prozent des Handels mit Siemens-Aktien in New York abgewickelt - damit waren die Voraussetzungen für den Rückzug erfüllt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×