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22.03.2012

09:16 Uhr

Niedrigzins-Rekord

Nur Mini-Kupon für deutschen Inflationsschutz

VonAndrea Cünnen , Frankfurt

Deutschland begibt eine zehnjährige Anleihe, die an die Inflationsrate gekoppelt ist. Der Kupon beträgt bescheidene 0,1 Prozent. Trotz des Mini-Zinses gab es aber genug Nachfrage nach dem Papier.

Geldscheine und Euro-Münzen. dpa

Geldscheine und Euro-Münzen.

Deutschland hat am Anleihemarkt einen für Anleger traurigen Rekord gebrochen. Der Bund begab eine neue Anleihe mit der Laufzeit von zehn Jahren, die sich real nur mit 0,1 Prozent verzinst. Obendrauf bekommen die Investoren indes einen Inflationsschutz: Der  Zins- und die Rückzahlung der Anleihe werden an die Steigerung der Verbraucherpreise gekoppelt.

Die Nachfrage nach dem Papier über zwei Milliarden Euro war nicht gerade überwältigend, aber ausreichend. Die Banken, die bei Anleiheauktionen des Bundes direkt mitbieten dürfen, gaben Kaufgebote über 2,2 Milliarden Euro ab. Die Banken ersteigern Bundeswertpapiere häufig im Auftrag von Investoren wie Fonds und Versicherern. Begeben wurde die Anleihe zu einem Kurs leicht unter dem Rückzahlungswert, so dass sich eine reale Rendite von 0,15 Prozent ergab. Die reale Rendite ist die Effektivverzinsung ohne Berücksichtigung der Inflationsrate.

Experten überraschte es nicht, dass es für die Anleihe trotz des Mini-Zinses genug Nachfrage gab. Ein Grund:  Die schon länger ausstehenden inflationsindexierten deutschen Bundesanleihen haben so hohe Kurse, dass die realen Renditen sogar negativ sind. Mit der entsprechenden deutschen Anleihe mit einer Restlaufzeit von acht Jahren zum Beispiel verlieren Anleger, die jetzt noch einsteigen, real jedes Jahr 0,14 Prozent. Den Inflationsausgleich gibt es zwar weiterhin, aber er kostet quasi eine Gebühr. 
Die Inflationsrate im Euro-Raum lag zuletzt bei 2,7 Prozent und ist damit höher als die Rendite der herkömmlichen zehnjährigen Bundesanleihe von aktuell knapp zwei Prozent. Das heißt: Real verlieren Anleger mit dieser Anleihe Geld, und das bereits seit August. Damals war die Rendite erstmals seit 54 Jahren unter die damalige Inflationsrate von 2,4 Prozent gerutscht.

Bei kürzer laufenden Bundesanleihen ist das schon länger und zudem deutlicher so. Trotzdem kaufen Investoren auch die deutschen Kurzläufer als sichere Anlage. So stockte Deutschland gestern auch eine überzeichnete zweijährige Anleihe um fünf Milliarden Euro auf und bot dafür eine Rendite von nur 0,31 Prozent – etwas mehr als im Februar, aber trotzdem natürlich real viel zu wenig.

Ob sich die Investoren mit inflationsindexierten Anleihen besserstehen als mit herkömmlichen, lässt sich erst im Nachhinein feststellen, wenn man die Inflationsrate über die ganze Laufzeit der jeweiligen Anleihen kennt und so die realen Renditen vergleichen kann.

Kommentare (2)

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Rene

22.03.2012, 11:41 Uhr

Ich kann nicht nachvollziehen, warum der Bund so etwas macht.
10 Jahres Papier lassen sich mit rd. 2% verkaufen. Wieso begibt man jetzt welchem mit 2,7% Inflationsschutz und der Gefahr, dass diese Zinsen auf 5% oder höher steigen, wenn die EZB die Inflation galoppieren läßt...Das frisst den Bundeshaushalt, die Konsolidierungsbestrebungen und die Steuergelder.

Klaus

22.03.2012, 11:58 Uhr

Das ist der Preis für die Rettungspakete.

Inflation wie '29 ist out, es lebe die verdeckte Abzocke.
Das ist die moderne Art der Schuldentilgung auf Kosten der Sparer und der do...., die noch an Riester und Co glauben und für ihr Alter sparen.

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