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07.12.2011

12:28 Uhr

Notenbank-Aktion

Banken pumpen sich Milliarden von der EZB

Es war eine großzügige Einladung - die Banken nehmen dankbar an. Nachdem die Notenbanken erklärt haben, unbegrenzt Dollar zur Verfügung zu stellen, wollen europäische Geldhäuser jede Menge davon haben. Kein gutes Zeichen.

Die EZB teilt 50 Milliarden Dollar zu. dpa

Die EZB teilt 50 Milliarden Dollar zu.

FrankfurtBeim ersten Dollar-Tender der Europäische Zentralbank (EZB) nach der konzertierten Notenbank-Aktion der Vorwoche haben sich europäische Geldhäuser mehr US-Dollar geborgt als von Analysten erwartet. Das Volumen der Zuteilung lag mit mehr als 50 Milliarden Dollar um ein Vielfaches über der durchschnittlichen Prognose von zehn Milliarden Dollar.

„Diese Vorhersagen waren viel zu niedrig angesetzt“, sagte ein Disponent. Schließlich hätten sich die Konditionen für die Banken, sich mit Dollar einzudecken, stark verbessert. Ein anderer Börsianer betonte, auch für ihn sei der Ausgang der Auktion keine Überraschung. „Das Misstrauen der Banken untereinander ist immer noch hoch. Der Liquiditätstransfer funktioniert nicht.“

Stimmen zur Schuldenkrise

Barack Obama, US-Präsident

„So lange Europa keinen konkreten Plan für den Kampf gegen die Krise hat, halten die Turbulenzen an den Finanzmärkten an.“

Mohamed El-Erian, Chef von Pimco

„Das, was wir in Griechenland im Schnelldurchlauf erleben, könnte eines Tages auch die USA erfassen, wenn sich die dortige Politik nicht ändert“

George Soros, Investor

„Die derzeitigen Maßnahmen sind nicht ausreichend, kommen zu spät und lösen weltweit Verwerfungen auf den Finanzmärkten aus“

Charles Plosser, Fed-Gouverneur

„Möglicherweise besitzen wir nicht die richtigen geldpolitischen Instrumente, um die Erkrankungen zu heilen, an denen das System leidet.“

Jose Manuel Barroso, EU-Kommissionspräsident

„Wir sind jetzt wirklich mit einer wahrhaft systemischen Krise konfrontiert“

Nicolas Sarkozy, französischer Staatspräsident

"Diejenigen, die den Euro zerstören, werden die Verantwortung dafür tragen, dass Konflikt und Trennung auf unserem Kontinent wieder auferstehen."

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Europa ist heute in einer der schwersten Stunde, vielleicht der schwersten Stunde seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts

„Es wird für die Politiker immer schwerer, einen Kurswechsel durchzusetzen. Sie werfen immer mehr gutes Geld dem schlechten hinterher und überlassen das Problem der jeweils nachfolgenden Politikergeneration. […] Es kommen noch große Lasten auf Deutschland zu.“

Dirk Müller, Börsenhändler und Buchautor

"Wir haben nichts aus dem ersten Teil der Finanzkrise gelernt, es geht so weiter wie vorher."

Max Otte, Investor und Ökonom

„Die Schuldenberge, die wir aufgetürmt haben, lassen sich nur durch Inflation beseitigen. Alles andere wäre fatal. Wenn dagegen so etwas passiert wie 1929, also eine Phase extremer Deflation bis hin zur Depression, dann gute Nacht.“

Bert Flossbach, Vermögensverwalter

„Die Banken haben das Vertrauen, auf das sie mehr als jede andere Branche angewiesen sind, verspielt. Kein Wunder, dass der Kapitalmarkt kaum noch bereit ist, ihnen Geld zu leihen. Aufgeblähte Bilanzen, zu wenig Eigenkapital, falsche Anreizsysteme, komplexe Geschäfte und zunehmende Risiken machen Großbanken zu unkalkulierbaren Risiken für ihre Aktionäre, den Staat und damit die ganze Gesellschaft.“

Jürgen Heraeus, Unternehmer

„Ich bin besorgt, aber ich bin vor allem realistisch. Wir werden eine Abwertung bekommen, wir werden vielleicht sogar eine Inflation bekommen. Ich möchte das Wort Währungsreform nicht in den Mund nehmen, aber irgendwo müssen diese riesigen Schulden bleiben.“

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Barclays Capital Deutschland

„Die westlichen Länder stecken in der Wirtschafts- und Finanzkrise, einer Verschuldungskrise. Wie immer bei hoher Verschuldung ist die Gefahr groß, dass die Politik des Gelddruckens als das kleinste Übel angesehen wird. Ich lebe in ständiger Inflationssorge.“

Hans Olaf Henkel, Ex-BDI-Präsident

„Es gibt eine Alternative zur ‚alternativlosen’ Euro-Politik: den gemeinsamen Austritt Deutschlands, Hollands, Österreichs und Finnlands aus der Euro-Zone.“

Die großen Notenbanken der Welt hatten sich in der Vorwoche darauf verständigt, Kreditinstituten bis 2013 unbegrenzt Dollar zu Verfügung zu stellen und damit den Dollar-Notstand vor allem europäischer Banken zu lindern. Damit soll es europäischen Banken erleichtert werden, an US-Dollars zur Abwicklung von Geschäften zu kommen. Unter anderem aufgrund des Misstrauens gegenüber der Eurozone in den USA hatte sich ein Engpass abgezeichnet, der sich auch auf die Unternehmen in Europa hätte auswirken können. Forderungen nach einer aktiveren Rolle der EZB in der Schuldenkrise wurden lauter.

Die gemeinsame Aktion der Notenbanken hatte gemischte Reaktionen hervorgerufen. „Wenn so viel Liquidität zusätzlich in Umlauf gesetzt wird, dann wird zwar nicht in den nächsten ein, zwei Jahren Inflation ausbrechen, aber danach muss man deutlich damit rechnen“, sagte Wim Kösters, Vorstand beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, im Deutschlandfunk. Das Geld der Zentralbanken sei „eine weitere Eskalation der Krise“. Positiver sah es der frühere Wirtschaftsweise Bert Rürup „Der Schritt war richtig und wichtig, um das Misstrauen im Finanzsektor abzubauen“, sagte Rürup der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Den Regierungen würde so mehr Zeit zur Lösung ihrer Probleme im Zusammenhang mit der Eurokrise verschafft.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Hermann

07.12.2011, 12:45 Uhr

Und wer verdient hier?
Derjenige, der das Geld als erster druckt. Die FED.
Gute Nacht Europa.

Account gelöscht!

07.12.2011, 13:27 Uhr

wir müssen mal genau hinschauen bei der Beurteilung einer Massnahme: wer hat welche Brille auf? Politische/Wirtschaftsbrille/Banker? Und auch: löst die Massnahme das grundsätzliche Problem? Kennen wir wirklich das grundsätzliche Problem?

Für mich ist es noch immer oder wieder eine Bankenkrise.

Kalle

07.12.2011, 13:59 Uhr

Die Schleusen sind geöffnet, die Verwässerung der Werte setzt ein. Verlieren werden fast alle, insbesondere die Sparer.
Gewinnen werden diejenigen die immer gewonnen haben. Es ist an der Zeit in Realwerte umzusteigen solange das noch möglich ist.
Die Endabrechnung wird kommen!

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