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10.11.2015

12:21 Uhr

Ölkrise und Saudi-Arabien

Staatsanleihen gegen das Haushaltsloch

VonMatthias Streit

Erstmals in der Geschichte plant Saudi-Arabien, Anleihen auf dem internationalen Markt herauszugeben. Der schwache Ölpreis setzt dem mächtigen Staat zu. Im Haushalt klafft ein Milliardenloch, das gestopft werden will.

Der Export von Öl sorgte zuletzt für bis zu 85 Prozent der Staatseinnahmen Saudi-Arabiens. Der IWF schätzt, dass sich der niedrige Ölpreis in diesem Jahr für ein Staatsdefizit von 19,5 Prozent niederschlägt. dpa

Abhängig vom Ölpreis

Der Export von Öl sorgte zuletzt für bis zu 85 Prozent der Staatseinnahmen Saudi-Arabiens. Der IWF schätzt, dass sich der niedrige Ölpreis in diesem Jahr für ein Staatsdefizit von 19,5 Prozent niederschlägt.

DüsseldorfSaudi-Arabien bekommt die Folgen des schwachen Ölpreises immer stärker zu spüren. Im Haushalt bahnt sich ein Rekorddefizit an. Die Regierung muss gegensteuern. Einem Bericht der Financial Times (FT) zufolge plant das Königreich nun erstmals in seiner Geschichte, internationale Staatsanleihen auszugeben.

Die Ausgabe der Anleihen werde wohl schon im Januar starten. Noch sei aber nicht bekannt, welche Banken damit beauftragt würden, schreibt die britische Finanzzeitung. Die Behörden planten bereits, ein Büro zum Schuldenmanagement einzurichten, um die Vergabe nationaler und internationaler Anleihen zu überwachen. Bereits im Sommer hatte die Regierung in Riad begonnen, Anleihen im Inland zu begeben. Sie sollen helfen, das Staatsdefizit auszugleichen. Das reicht offenbar noch nicht aus.

In den kommenden fünf Jahren könnte Saudi-Arabien seine Verschuldung auf 50 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) steigern, berichtet die FT weiter. Der anhaltend niedrige Ölpreis belastet den Haushalt des Golfstaats. Laut IWF-Schätzungen wird das Haushaltsdefizit Saudi-Arabiens in diesem Jahr bei 700 Milliarden Euro liegen. Das entspricht 19,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Ölexporte trugen bislang bis zu 85 Prozent der Staatseinnahmen bei. Doch nach Berechnungen des IWF benötigt das Königreich einen Ölpreis von 82 Dollar je Barrel, um den Staatshaushalt auszugleichen. Derzeit liegt der Preis für ein Barrel der Sorte Brent unter 48 Dollar.

Im Oktober stufte die Ratingagentur Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit des Lands auf A+ herunter. Für die Agentur gilt das Königreich zwar noch als solider Schuldner, liegt aber auf einem Niveau mit der Slowakei oder Irland. Die saudische Regierung beschwichtigt die Lage. „Saudi-Arabien befindet sich nicht in einer Krise“, sagte ein hochrangiger Beamter der FT. Der Staat könne sich Geld leihen und besitze Währungsreserven. Diese sind im vergangen Jahr von 737 Milliarden US-Dollar auf nur noch 647 Milliarden Dollar im September gesunken – den niedrigsten Stand der vergangenen drei Jahre.

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