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13.03.2006

15:51 Uhr

Österreich-Boom

Walzer ostwärts

VonGertrud A. Hussla

Hundertsiebzig Bälle hat Wien in dieser Saison schon hinter sich gebracht, und jetzt auch noch diesen: den „Ball der Wiener Hochfinanz“, erstmalig gefeiert am vergangenen Wochenende. Als Premiere noch ohne Tradition, waren die Tische innerhalb von 48 Stunden ausgebucht.

WIEN. Österreich boomt. Am Tor zum Osten besteht Bedarf – hier wollen sie plötzlich alle mitmischen, die europäischen Banken, Fondsgesellschaften, Versicherer, Vermögensverwalter. Und die Walzerstadt tanzt wieder – unter Lüstern und Gold, in Smoking und Seide. Man kennt sich hier, will dazugehören, Geschäftspartnern gefällig sein, besonders seit die Börse hier brummt wie keine sonst in Europa.

Fächerpolonaise, Donauwalzer, Radetzkymarsch. Acht junge Paare, die Damen in weißem Tüll, eröffnen den Abend. Unter zwanzig Meter hohen Decken und ausladenden bronzefarbenen Leuchtern schwingen sie im Dreivierteltakt umeinander, dann die Quadrille mit tiefem Knicks, wie es sich hier seit k.u.k.-Zeiten gehört. Dass man sich in der Donaustadt vor allem auf dem Parkett näher kommt, hat auch Leo Willert längst verstanden, der junge Fondsmanager des Anbieters C-Quadrat. Zusammen mit seiner dunkeläugigen Freundin hat er Wiener Walzer links herum und Paso Doble trainiert – dann fehlte nur noch der Ball. „Es gibt den Ball der Zuckerbäcker, der Kaffeesieder, der Hausmeister und der Straßenbahnfahrer, aber einen Ball der Finanzleute haben wir nicht“, sagt er, „da haben wir gesagt, wir machen selber einen.“

Historisch angemessen der Rahmen. Am Platz des Palais Ferstl wurde die erste Börse Wiens gegründet, im 19. Jahrhundert beheimatete der klassizistische Bau die Österreichisch-Ungarische Bank.

Was für ein Palais! Stuck, Gold, Säulen, Prachttreppe, die Decken-Ornamente im Foyer leuchten heute Abend in blau und orange. Im Haus ist auch eines der traditionsreichsten Cafés von Wien, das Café Central, wo es später, wie bei jedem Ball, Würstchen gibt. Heinz Stiastny, dunkelgelockter Wiener und Chef der ING-Diba in Österreich, lädt zum Cocktail. Mindestens zwölf Bälle in hat er in dieser Saison schon hinter sich gebracht, „aber ich empfinde das nicht als Pflicht“. Zwei Orden der Republik blitzen dezent an der Brust.

Rasch nach oben, da wird schon serviert. Für alle, die eher bei Kalbsfilet und Dukatenbuchteln warm werden als auf dem Parkett.

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