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12.01.2007

09:54 Uhr

Offene Publikumsfonds

Frankfurt legt im Fondshandel zu

VonRolf Enders

Die Deutsche Börse hat im Handel mit Publikumsfonds den Konkurrenten aus Hamburg von Platz eins verdrängt. Nach Handelsblatt-Recherchen hat Frankfurt bereits im November – und damit nur wenige Monate nach Markteintritt – mit knapp 46 Prozent der ausgeführten Orders die Spitze übernommen. Nummer zwei ist nun die Börse Hamburg mit gut 33 Prozent.

FRANKFURT. Die Deutsche Börse war erst im Mai des vergangenen Jahres in das Geschäft mit offenen Publikumsfonds eingestiegen, das die Hamburger Börse bereits seit August 2002 betreibt. Frankfurt kopierte zum wiederholten Mal die erfolgreiche Idee einer der kleineren fünf Regionalbörsen. Allerdings war sie bislang nicht jedes Mal so erfolgreich wie jetzt mit Fonds. Grund für die Verspätung der Deutschen Börse war der Widerstand der Fondsbranche und der hinter ihr stehenden Kunden der Deutschen Börse, der Großbanken. Anders als beim Kauf am Bankschalter zahlt der Kunde an der Börse keinen Ausgabeaufschlag. Diesen benötigen die Banken aber, um ihren Vertrieb zu finanzieren. Trotz der Gegenwehr etabliert sich nun der Vertriebsweg über das Parkett.

Die Börse Frankfurt bestätigte das Ergebnis der Handelsblatt-Recherchen: „Wir sehen die Entwicklung als Beleg für die hohe Attraktivität unseres Segmentes“, sagte Börsenmanager Rainer Riess. In Hamburg gab man sich kämpferisch: „Wir werden unsere Öffentlichkeitsarbeit verstärken“, sagte der dortige Börsenchef Thomas Ledermann. Schließlich werde die Entscheidung für einen Börsenplatz auch durch das Image in der Öffentlichkeit geprägt.

Im Dezember führte Frankfurt den Markt mit gut 28 000 Orders vor Hamburg mit gut 19 000 Geschäften an. Der Abstand ist im Dezember und Anfang Januar ähnlich groß geblieben. Die übrigen Wettbewerber kamen im Dezember nach der von allen Börsen bestätigten Recherche auf einen Marktanteil zwischen knapp sechs und gut acht Prozent. Schlusslicht ist Stuttgart mit 3 200 Orders oder 5,7 Prozent Anteil.

Diese Aufteilung ergibt erstmals ein präzises Bild der Marktaufteilung. Denn sie basiert auf der Anzahl der Geschäfte, die letztlich ausschlaggebend für den betriebswirtschaftlichen Erfolg ist. Die Börsen selbst veröffentlichen dagegen lieber das Volumen der Geschäfte, das aber nur wenig über den Ertrag aussagt und die Marktanteile oft nur verzerrt wiedergibt.

Gemessen an der Zahl der Orders haben die Börsen Düsseldorf und Hamburg am stärksten unter dem Markteintritt Frankfurts gelitten. Die Hamburger hatten im Dezember verglichen mit Juni 2006 – dem ersten vollen Handelsmonat in Frankfurt – rund 6 000 Orders, die Düsseldorfer rund 3 400 weniger.

Insgesamt wächst der Markt für börsengehandelte Fonds stark. So ist die Zahl der Orders pro Jahr in Hamburg seit 2003 um mehr als 20fache gestiegen. Ledermann ist auch für die Zukunft optimistisch. Schließlich müssten Bankberater ab November gemäß der EU-Richtlinie Mifid auf den Börsenhandel hinweisen. Dadurch werde die Bekanntheit des Fondshandels erhöht.

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