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08.01.2014

08:10 Uhr

Ohne Rettungsschirm

Irland nimmt problemlos frisches Kapital auf

Irland hat ohne Rettungsschirm frisches Geld am Kapitalmarkt eingesammelt. Der Staat erhielt fast vier Milliarden Euro. Das Interesse der Investoren hätte sogar für deutlich mehr gereicht.

Irische Ein-Euro-Münze: Im Sommer 2011 war die Rendite auf einen historischen Höchststand von fast 14 Prozent gestiegen. dpa

Irische Ein-Euro-Münze: Im Sommer 2011 war die Rendite auf einen historischen Höchststand von fast 14 Prozent gestiegen.

Dublin/FrankfurtDem einst hilfsbedürftigen Irland ist es am Dienstag problemlos gelungen, von Investoren frisches Kapital einzusammeln. Erstmals seitdem das Land Mitte Dezember den Euro-Rettungsschirm verlassen hat, trat es am Dienstag mit langlaufenden Staatsanleihen an den Markt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Nachfrage übertraf die anvisierte Kapitalaufnahme bei weitem. Die Finanzagentur NTMA sammelte nach eigenen Angaben 3,75 Milliarden Euro ein - gereicht hätte das Interesse der mehr als 400 Investoren für 14 Milliarden Euro.

Im Durchschnitt musste Irland den Anlegern eine Rendite von 3,54 Prozent bieten. Das ist zwar deutlich mehr, als besonders kreditwürdige Länder wie Deutschland zahlen müssen. Angezählte Euroländer wie Spanien oder Italien müssen jedoch deutlich mehr bieten.

EU: Keine restriktive Zinspolitik in Sicht

EU: Keine restriktive Zinspolitik in Sicht

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihre Niedrigzinspolitik vorerst fortsetzen. „2014 steht noch keine restriktive Geldpolitik auf der Agenda, sondern eher eine Konsolidierung der Bankenlandschaft“, sagt Wöhrmann.

Bankenunion wird Volatilitätstreiber

In den USA gelte sie nach mehr als 450 abgewickelten Finanzinstituten bereits als abgeschlossen. Das Schlagwort Bankenunion könne einer von vielen möglichen Volatilitätstreibern in Europa werden.

USA: Weniger Anleihekäufe

Die Fed sollte hingegen im ersten Quartal damit beginnen, die Geldpolitik wieder etwas anzuziehen. Über das so genannte Tapering werden die Notenbanker ihre Anleihekäufe zurückfahren.

Niedrigzinsgewinner: Emerging Markets

Nach einer eher volatilen Phase dürften sich dann im zweiten Halbjahr die Märkte beruhigen, wovon auch die Emerging Markets profitieren dürften. Eine Zinserhöhung in den USA dürfte erst wieder 2015 Thema werden.

Bonds: Anhaltende Renditeflaute

Die Situation an den Rentenmärkten ist nicht gerade einfach. Papiere aus Deutschland, den USA, Großbritannien und Japan, dürften weiterhin nur sehr niedrige Renditen bringen, teilweise dürfte der Ertrag zwar nominal positiv, real aber negativ sein.

Nullzinsen für weitere zwei Jahre

Das Nullzinsumfeld am Geldmarkt werde noch etwa zwei Jahre anhalten. „2014 ist aktives Bonds-Management für erfolgreiches Investment auf den Anleihenmärkten wichtig“, sagte Stefan Kreuzkamp, Head Europe, Middle East and Africa Fixed Income.

Lukrativ: Anleihen aus der Peripherie

Differenzierte Investments seien 2014 von großer Bedeutung, etwa bei Unternehmensanleihen, die aufgrund ihrer Zinsaufschläge in dem Niedrigzinsumfeld gut gepuffert sind. Anleihen aus Peripherieländern böten einen Zinsaufschlag gegenüber Anleihen aus den Kernländern.

Strategie: Carry and Tightening

Carry und Tightening – also das Verdienen an einer Normalisierung der Zinsaufschläge – bleibe im Euro-Raum eine attraktive Strategie. In den Emerging Markets sei eine sehr differenzierte Analyse nötig, vor allem hinsichtlich der Länderauswahl.

Am irischen Anleihemarkt sorgte die gelungene Platzierung für deutliche Kursgewinne im freien Handel, wo bereits ausgegebene Staatspapiere ge- und verkauft werden. Im Gegenzug fiel die Rendite für zehnjährige Schuldtitel mit 3,25 Prozent auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2006, also weit vor dem Ausbruch der Euro-Krise. Zum Vergleich: Im Sommer 2011 war die Rendite auf einen historischen Höchststand von fast 14 Prozent gestiegen.

Entgegen dem üblichen Verfahren einer öffentlichen Versteigerung wurden die neuen Schuldtitel syndiziert begeben. Bei dieser Variante werden die zu verkaufenden Papiere von zumeist mehreren Geldhäusern (Konsortium) übernommen, die sie dann interessierten Investoren anbieten. Im Falle Irlands waren die Banken Barclays, Citigroup, Danske Bank, Davy, Deutsche Bank und Morgan Stanley federführend.

Erst am 15. Dezember hat Irland als erstes Krisenland den Euro-Rettungsschirm verlassen. Nach drei Jahren muss es sich nun wieder selbstständig am Finanzmarkt refinanzieren. Allerdings hatte das Land noch während des Hilfsprogramms wiederholt neue Anleihen aus eigener Kraft platzieren können.

Von

dpa

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