Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.10.2011

09:13 Uhr

Omnipräsentes Thema

Die Schuldenkrise kaschiert zu viel

VonChristian Schnell

In der Diskussion über die Schuldenkrise gehen viele wirtschaftliche Fehlleistungen unter. Dabei sind Staatsdefizite ein über Jahrzehnte gewachsenes Problem. Die drängenden Fragen liegen ganz woanders.

Dass Harley-Davidson seine Maschinen derzeit nicht liefern kann, hat nichts mit der Schuldenkrise zu tun. AFP

Dass Harley-Davidson seine Maschinen derzeit nicht liefern kann, hat nichts mit der Schuldenkrise zu tun.

FrankfurtDie Frage ist hypothetisch, muss aber erlaubt sein: Was wäre, wenn es die ganze Staatsschuldenkrise von Griechenland bis in die USA und nach Japan nicht gäbe? Wenn die Finanzminister nicht von einem Krisengipfel zum nächsten hecheln müssten, sie stattdessen ihren zahlreichen finanziellen Aufgaben nachkommen könnten und nicht die Politik, sondern die Unternehmen selbst für ihre Börsenkurse verantwortlich wären? Und es den Unternehmen dennoch so ginge wie im Moment?

Dann hätten den Dax, den Dow und all die anderen Indizes genauso die Meldungen erschreckt, dass die hinter den Aktien steckenden Firmen künftig nicht mehr sehr gut, sondern nur noch gut verdienen. Wir würden in diesem Herbst wohl ebenfalls eine Korrektur sehen, nur nicht so heftig und mit so kräftigen Ausschlägen wie dies im August der Fall war.

Dass Börsenliebling Apple die beinahe schon aberwitzigen Erwartungen der Analysten verfehlt hat, kann nicht im Ernst den Schulden der USA und vieler anderer Länder dieser Welt angelastet werden. Und dass Harley-Davidson, von dessen Motorrädern böse Zungen behaupten, sie würden vor allem von Freiberuflern in der Midlife-Crisis gefahren, die großen und teuren Maschinen im Moment wegen einer Umstellung der Produktion nicht liefern kann, hat auch nichts mit der Schuldenkrise zu tun. Eher ganz profan mit falscher Planung.

Die Schulden werden auch in Jahrzehnten noch da sein

Vieles lässt sich in dieser Zeit kaschieren, weil ein einziges Thema alles andere in den Schatten stellt. Vermutlich wäre es gut, all die Milliarden an Schulden mal das sein zu lassen, was sie wirklich sind: Nämlich ein über Jahre oder gar Jahrzehnte vorhandenes Problem, das im Tagesgeschäft außer durch seine chronische Anwesenheit kaum auffällt. Ohnehin zeigen sich in der Bevölkerung schon schwere Ermüdungserscheinungen bei den täglichen, so langatmigen wie unergiebigen Diskussionen zu Griechenland und Schuldenkrise, Rettungsschirm und Hilfsprogramm.

Charts der Woche: Welche Aktien die Schuldenangst in den Keller stürzt

Charts der Woche

Welche Aktien die Schuldenangst in den Keller stürzt

Die Zahlen-Woche verlief im Grunde recht gemischt. US-Unternehmen dominierten mit ihren Bilanzen das Geschehen. Am Donnerstag mischte indes die Angst vor den Folgen der Schuldenkrise die Börse auf. Die Charts der Woche.

Viel wichtiger wäre die Diskussion darum, mit welcher Art von Abkühlung die Unternehmen künftig tatsächlich rechnen müssen. Hier bietet die aktuelle Gemengelage den Unternehmen die Möglichkeit, dass vieles zwar bekannt wird, aber nicht an die ganz große Öffentlichkeit gelangt. Daran hat auch Woche Nummer zwei der amerikanischen Bilanzsaison nichts geändert.

Das wird auch in Deutschland, wo nächste Woche die ersten Zahlen für das dritte Quartal bekannt gegeben werden, nicht anders sein. Vielen Firmen kann es dann ganz recht sein, wenn sie erst der zweite Blick der Börsianer trifft. Der erste gilt natürlich dem täglichen Wasserstand in der Schuldendiskussion.

Kontakt zum Autor: schnell@handelsblatt.com

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Scotty

23.10.2011, 12:10 Uhr

Und wieder ein "Artikelschreiber" (bitte nicht als Beleidigung sondern als Aufruf zur Verbesserung verstehen), der präzise erkennt, was für Symtome die Schuldenkrise mit sich bringt, doch im Abschluß leider erkennen läßt, das er entweder keinen wirklichen Plan von der Problematik hat oder bewußt verschleiern will, um seine Leser hinters Licht zu führen. Der Anfang des Artikels und die Erkenntnis: Schulden gehören zum System da bin ich mit Ihnen vollkommen d’accord. Schulden sind auch vollkommen abstakt und stehen nur auf dem Papier. Solange noch irgendwo eine Null dahinter geschrieben werden kann, wen schert es? Doch scheinen Sie niemals den Vorgang von Verschuldung und deren Verzinsung wirklich zu Ende gerechnet zu haben. Sie scheinen nicht verstanden zu haben, das Schulden nicht "nur" durch schlechtes Wirtschaften entstehen und wieder gehen oder nur regungslos Vorhanden sind und sich nicht ändern. Das Vermögen auch nur durch Leistung sich vermehrt. Sie scheinen das Fach Mathe mit einer sechs abgeschlossen zu haben. Schulden (ebenso Vermögen) sind eine positve exponentielle Rückkopplungsschleife, die wie Krebs oder ein schwarzes Loch, alle Anstrengungen, Rettungen, Leistungen und Ressourcen immer mehr auffrißt und somit eine viel zu unterschätzte Bedrohung für uns alle ist.

Adolf

23.10.2011, 18:58 Uhr

Merkozy merkt euch das: Konjunktur auf Pump können sich nur die USA auf Dauer leisten.
Die griechische Schulden haben die dutsch-französische Wirtschaft angekurbelt jahrzehnte lang. Schade dass die Ratingagenturen darüber die Welt der Finanzen alarmiert haben.
Das war nicht mehr und nicht weniger als ein Schneeballsystem. Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

Adolf

23.10.2011, 19:00 Uhr

Merkozy merkt euch das: Konjunktur auf Pump können sich nur die USA auf Dauer leisten.
Die griechische Schulden haben die deutsch-französische Wirtschaft angekurbelt, jahrzehnte lang, vor allem die Rüstungsindustrie. Schade dass die Ratingagenturen darüber die Welt der Finanzen alarmiert haben.
Das war nicht mehr und nicht weniger als ein Schneeballsystem. Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
Schadenfreude ist auch eine Freude!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×