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04.01.2011

18:55 Uhr

Optimismus am Kap

Börse in Johannesburg legt übermäßig zu

VonWolfgang Drechsler

Auch nach der Weltmeisterschaft ist der Optimismus am Kap der guten Hoffnung ungebrochen: Die südafrikanischen Aktien entwickeln sich durch die hohen Renditeerwartungen viel besser als die Wirtschaft. Anleger gehen hohe Risiken ein.

Die perfekte Welle: Südafrikanische Anleger gehen ein hohes Risiko ein. dpa

Die perfekte Welle: Südafrikanische Anleger gehen ein hohes Risiko ein.

KAPSTADT. Die Johannesburger Börse (JSE) gehörte im letzten Jahr zu den großen Gewinnern unter den internationalen Aktienmärkten. Auch zum Jahresbeginn konnte der JSE-Gesamtindex gestern noch einmal leicht zulegen und näherte sich dabei mit 32 250 Punkten noch weiter dem im Mai 2008 erreichten Allzeithoch von 33 233 Punkten.

Mit einem Anstieg von rund 16 Prozent ist die JSE im abgelaufenen Jahr allerdings der Wirtschaftsentwicklung Südafrikas weit vorausgeeilt. Nicht wenige befürchten wie Ian Liddle, Investment-Chef des bekannten Fondsmanagers Allan Gray, dass viele Unternehmen am Kap inzwischen überbewertet sind. So dürfte das Wachstum in Südafrika trotz der Fußball-WM für 2010 nur bei knapp drei Prozent liegen. "Mein Gefühl sagt mir, dass die Renditeerwartungen vieler Anleger für das nächste Jahrzehnt zu hoch sind", sagt Liddle. "Viele könnten enttäuscht werden."

Auch die lokale Randwährung klettert unaufhörlich und erreichte gestern mit 6,63 Rand je US-Dollar ihren besten Stand in fast drei Jahren. Gegenüber dem Euro stieg der Rand mit 8,80 Rand je Euro sogar auf den besten Stand in über vier Jahren. Grund dafür sind die anhaltend hohen Geldzuflüsse ausländischer Anleger, die am Kap nach besseren Gewinnen als in den derzeit renditeschwachen Industrieländern suchen. Insgesamt hat der Rand im vergangenen Jahr um rund sieben Prozent gegenüber dem Dollar und um mehr als 15 Prozent gegenüber dem Euro aufgewertet. Im Zweijahresvergleich sind die Randgewinne sogar doppelt so hoch.

Positiv fällt für die JSE ins Gewicht, dass es zu insgesamt 14 Neunotierungen kam. Während 2009 eindeutig der Börsengang des Mobilfunkers Vodacom im Vordergrund stand, kam es 2010 zu einer Vielzahl neuer und auch kleinerer Notierungen, darunter einiger etablierter Unternehmen wie etwa dem Krankenhausbetreiber Life Healthcare oder dem bekannten Milchprodukthersteller Clover.

Bedenklich stimmt indes die Lage im Goldsektor: Während der Preis des Edelmetalls in den letzten zwölf Monaten um rund 22 Prozent stieg, konnten die an der JSE notierten südafrikanischen Goldförderer wie Anglogold Ashanti, Gold Fields und Harmony im Schnitt nur rund zehn Prozent zulegen. Auch die Finanzwerte blieben wegen der zunehmenden Kreditausfälle hinter den Erwartungen zurück. Besonders stark enttäuschte jedoch der Bausektor, der trotz der Fußball-WM Boden verlor. Übertroffen wurden die Erwartungen hingegen von Einzelhändlern wie Shoprite, Woolworths oder Clicks.

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