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27.01.2005

11:37 Uhr

Orientierungshilfe

Was die neue BVI-Initiative Anlegern bringt

VonAnke Rezmer

Der deutsche Fondsverband BVI lehnt sich weit aus dem Fenster: Er sortiert dreizehn Firmen, die die Qualität von Fonds einzuschätzen versuchen, nach solchen mit und ohne Prognosequalität. Und dies leitet der Verband daraus ab, ob ein Ratinghaus qualitative Kriterien eines Fondsmanagements ansetzt oder rein quantitativ die Wertentwicklung und die Wertschwankungen von Fonds nachzeichnet.

HB FRANKFURT. Als Ziel hat sich der Fondsverband dabei gesetzt, Anlegern im Wald von über 6 000 Fonds und zig Ratingsystemen aus Sternchen und Buchstaben Orientierungshilfe zu geben. Dafür veröffentlicht der BVI nicht nur, wessen Einschätzungen in die Zukunft weisen, sondern auch, wer die Ratinghäuser sind und wie sie arbeiten (siehe www.bvi.de).

Darüber hinaus will der Verband seine Mitglieder, zumeist deutsche Fondsfirmen, verpflichten, Ratings beziehungsweise Rankings in der Werbung kontinuierlich einzusetzen. So soll eine Fondsgesellschaft nicht jeweils das gerade beste Rating auf ihre Verkaufsprospekte drucken dürfen, sondern sich für einen oder mehrere Anbieter entscheiden und deren Bewertung auch bei schlechterem Abschneiden veröffentlichen.

Betroffen von dem Vorstoß des Verbands sind folglich drei Gruppen. Da die Ratings für das Marketing gut bewerteter Fonds eine zentrale Rolle spielen, interessieren sich erstens Vertriebe – in Bankkonzernen oder unabhängige Finanzdienstleister – für die Eingruppierung. Die Initiative passt gut in die Zeit mauen Fondsabsatzes. Ohnehin verkaufen Finanzberater Fonds immer stärker über Sternchen und Buchstaben. Wenn Fonds nun noch eine Art „geprüftes Rating“ vom BVI erhielten, könne das nicht schaden, meint Harald Norbisrath, Vertriebschef für Private Kunden bei der Frankfurter Sparkasse. Und es könnte gut passen, die Fonds über diese Initiative ins Gespräch zu bringen, nachdem der Steuervorteil der Versicherung als größtes Konkurrenzprodukt für die private Altersvorsorge gefallen ist.

Von höchstem Interesse ist das Rating-Ranking-Ereignis natürlich zweitens für die Agenturen selbst. Bei überzeugendem Abschneiden winkt Geschäft. Vermutlich wird deswegen unter den Anbietern so erhitzt darüber diskutiert, ob die beiden Definitionen des BVI treffen und wie man „Prognosequalität“ nachweisen kann. Dabei reichen die Meinungen von „wir sind eine Ratingagentur und können unseren Prognosecharakter auch nachweisen“ bis hin zu „man kann nicht mit vergangeheitsbezogenen Daten in die Zukunft schauen, aber Rankingagentur heißen wir deshalb noch lange nicht“.

Was bringen die Ratings und Rankings aber dem offiziell genannten Adressaten der Initiative, dem Anleger? Orientierung und mehr Information über Fondsbewertung seien hilfreich, meint Consultant Sven Zeller von Clifford Chance. Es könnte Anleger dazu bewegen, sich mehr mit dem Thema zu beschäftigen: Will er seine Fonds eben rein nach quantitativen oder auch nach qualitativen Kriterien bewertet wissen?

Allerdings bleibt es eine Glaubensfrage, wie objektiv qualitative Kriterien wie Fondsmanagerqualität sein können und ob Daten aus der Vergangenheit in die Zukunft weisen können. Außerdem dürften sich nur wenige Investoren die Mühe machen, die 13 Ansätze der 13 Anbieter zu vergleichen. Da die meisten Anleger sich laut Finanzexperten vorrangig für die Wertentwicklung interessieren, ist es wohl eher an Finanzberatern, eine taugliche Bewertungsmethode auszuwählen.

Mehr als eine Orientierung für die Auswahl eines guten Fonds einer bestimmten Anlagekategorie kann ein Rating oder Ranking ohnehin nicht bieten. Alle anderen Aspekte der Geldanlage gehören in ein gutes Beratungsgespräch.

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