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24.09.2014

19:29 Uhr

Paradox?

Schrott-Anleihen sind sicherer als Staatsanleihen

Vergessen Sie Staatsanleihen, investieren Sie in Ramsch-Anleihen. So lautet das Ergebnis einer Studie der Citigroup, von dem die Analysten selbst überrascht sind. Hochzins-Anleihen sind plötzlich die sicherere Anlage.

Kritisches Plakat während einer Demonstration. Auf Suche nach Rendite gehen Anleger immer mehr Risiken ein. ap

Kritisches Plakat während einer Demonstration. Auf Suche nach Rendite gehen Anleger immer mehr Risiken ein.

New YorkInvestoren sollten damit aufhören, sich über die niedrigen Renditen von „Ramsch“- Anleihen zu beschweren. Stattdessen sollten sie einfach geliehenes Geld nutzen, um so die Erträge zu versüßen. Gleichzeitig berge das unterm Strich auch weniger Risiko. So lautet zumindest der Ratschlag der Analysten der US-Bank Citigroup auf den Punkt gebracht.

Den Strategen zufolge, die von Stephen Antczak geführt werden, machen Investoren einen besseren Schnitt, wenn sie Anleihen aus dem Ramsch-Bereich hebeln, anstatt beim Hebeln von US-Staatsanleihen, Aktien, Schwellenland-Investments oder Anleihen aus dem Qualitäts- Segment „Investment-Grade“. Um Ertragsziele von 10 Prozent zu erreichen, müssen Investoren sich bei Ramsch-Anleihen nicht ganz so viel Geld leihen, argumentieren sie. Das bedeute schlussendlich auch weniger potenzielle Verluste für den Fall, dass es zu einem Ausverkauf am Markt kommt.

„Alle sitzen im gleichen Boot“, schreibt Stratege Antczak in der Studie. „Ich brauche 5 Prozent, ich brauche 10 Prozent – nur, wie komme ich dahin? Was ist der Weg mit dem geringsten Risiko, um das Ziel erreichen.“

Es ist ein Zeichen der Zeit, dass Analysten die sichersten Wege unter die Lupe nehmen, wenn es darum geht Hebel zu nutzen, um die Erträge auszuweiten. Vor fünf Jahren lag die durchschnittliche Rendite von US-amerikanischen Hochzins-Anleihen bei 11,4 Prozent – inzwischen sind es gerade einmal noch 6,1 Prozent. Das geht aus Index-Daten des Finanzdienstleisters Bank of America Merrill Lynch hervor.

Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen

Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben

Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.

Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben

Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen. Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen.

Was passiert wenn die Zinsen steigen

Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten. Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern.

Was tun wenn die Zinsen steigen

Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv. Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell.

Fazit

In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds gut geeignet. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren kaum noch geben.

Während die Renditen meist eingebrochen sind, hat die Notwendigkeit, Gewinne zu erzielen, keinesfalls abgenommen. Viele Pensions-Fonds haben ihre jährlichen Ertragsziele von rund 8 Prozent beibehalten. Und Rentner wollen Zinsen auf ihre Investments, um alltägliche Ausgaben zu decken.

Wenn diese Notwendigkeiten mit sechs Jahren von Nahe-0-Zinsen der Federal Reserve ins Verhältnis gesetzt wird, erklärt sich das risikoreichere Verhalten.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

24.09.2014, 20:16 Uhr

Wenn Schrottanleihen von Steuerzahlern verbürgt werden und dieses über die EZB an die Finanzabzocker so verschachert wird, dann ist der Kriminalität Tür und Tor durch die ESM-Politik geöffnet worden.

Herr UWE Keil

25.09.2014, 10:30 Uhr

Staatsanleihen = Schrott-Anleihen....

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