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11.10.2013

15:46 Uhr

Peripherie-Bonds gefragt

Bundesanleihen legen leicht zu

Kleine Achterbahnfahrt bei den Bundesanleihen am Freitag: Nach anfänglichen Kursverlusten gibt es nun leichte Kursgewinne zu verzeichnen. Auch die Nachfrage nach Peripherie-Bonds steigen wieder.

Italien brachte 2016 fällige Anleihen im Volumen von 3,5 Mrd. Euro mit einer Durchschnittsrendite von 2,25 Prozent an den Markt. dpa

Italien brachte 2016 fällige Anleihen im Volumen von 3,5 Mrd. Euro mit einer Durchschnittsrendite von 2,25 Prozent an den Markt.

Die deutschen Bundesanleihen haben am Freitag zunächst etwas nachgegeben und im Verlauf leichte Kursgewinne verzeichnet. EZB-Präsident Mario Draghi hatte am Donnerstag in New York signalisiert, dass weitere Zinssenkungen möglich seien, sollte die Volatilität am Geldmarkt wieder auf das Niveau vom Frühsommer steigen.

Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen lag zuletzt bei 1,86 Prozent, einen Basispunkt niedriger. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um elf Basispunkte auf 139,76 Prozent.

Peripherie-Bonds waren nach Hoffnungsschimmern im US- Haushaltsstreit und italienischen Anleiheemissionen stärker gefragt. „Alle schauen auf die USA, und es gibt wohl eine gewisse Erleichterung, die auf risikoreiche Anlagen wie Peripheriebonds ausstrahlt”, sagte Christian Lenk, Rentenanalyst bei der DZ Bank AG in Frankfurt. „Alles in allem war es eine solide Italienauktion, vor allem für die 15- Jährigen, für die es eine bessere Nachfrage gab. Wie wir diese Woche bereits gesehen haben, treffen sogar die 30-jährigen spanischen Staatsanleihen auf gute Nachfrage.”

Was passiert, wenn der Supermacht USA das Geld ausgeht?

Wie wahrscheinlich ist ein Zahlungsausfall der Supermacht?

Experten sind zunehmend besorgt. „Genauso, wie in den fünfziger Jahren ein Nuklearkrieg im Bereich des Möglichen lag, ist auch ein Zahlungsausfall der USA nicht mehr ausgeschlossen“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank und normalerweise eher als Optimist bekannt, sieht ebenfalls „ernsthafte Risiken“. Robert Halver, Leiter der Aktienanalyse bei der Baader Bank, demonstriert hingegen Zuversicht: „Ich bin mir sicher, sie bekommen das hin.“ Doch fest steht: Die Gelassenheit schwindet. Die politischen Fronten in den USA scheinen verhärteter denn je.

Was passiert am Tag X?

Laut US-Finanzminister Jack Lew muss bis zum 17. Oktober eine Einigung erfolgen, ansonsten kommt die Pleite. Dennoch wird am Tag X zunächst kein Zahlungsausfall bei US-Staatsanleihen eintreten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's könnten sich die USA mit Haushaltstricks noch bis Mitte November über Wasser halten. Dann läuft die Zeit aus. Für viele Analysten wäre dies der größte anzunehmende Unfall.

Sollte es im November zu einem Zahlungsausfall der USA kommen, könnten Anleger in Panik verfallen. „Vor allem bei US-Staatsleihen würde es starke Verwerfungen geben“, sagt Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Nehmen die Märkte die Unsicherheit klaglos hin?

Nein. „Je länger sich die US-Streitigkeiten hinziehen, desto bedrohlicher wird die Situation auch für die internationalen Aktienmärkte und den nationalen Rentenmarkt“, warnt Analyst Jan Bopp vom Bankhaus Metzler. Zwar sind herbe Verluste oder größere Verwerfungen an den Aktienmärkten bislang ausgeblieben.

Zum Wochenstart zeigten die Kurven an den Kurstafeln an den meisten Börsenplätzen allerdings bereits nach unten - sowohl in Asien als auch in Europa. Die Angst vor einem Zahlungsausfall macht sich auch am US-Anleihemarkt bemerkbar: Die Versicherungsprämien auf amerikanische Staatsanleihen haben am Freitag den höchsten Stand in diesem Jahr erreicht.

Warum ist die Schuldenobergrenze überhaupt so wichtig?

Die USA können nur etwa 80 Prozent ihrer staatlichen Ausgaben aus Einnahmen wie beispielsweise Steuern finanzieren. Deshalb muss viel Geld in Form von Krediten an den Finanzmärkten aufgetrieben werden. Das ist grundsätzlich kein Problem. US-Staatsanleihen gelten traditionell als sicher.

Ein Grund: Die USA verschulden sich in der globalen Leitwährung Dollar, die ihre Notenbank Fed theoretisch in unbegrenzter Menge drucken kann. Allerdings hat sich das Land bereits im Ersten Weltkrieg selbst ein Schulden-Limit verordnet.

Das könnte nun zum Verhängnis werden. Das Debakel ist aber vor allem ein Ergebnis politischer Grabenkämpfe - die USA schieben zwar einen enormen Schuldenberg vor sich her, doch das hat ihre Gläubiger bislang noch nie wirklich gestört.

Italien brachte 2016 fällige Anleihen im Volumen von 3,5 Mrd. Euro mit einer Durchschnittsrendite von 2,25 Prozent an den Markt. Das war die niedrigste Rendite seit dem 13. Mai. Darüber hinaus begab das Land 2028 fällige Bonds im Volumen von 1,25 Mrd. Euro mit einer durchschnittlichen Rendite von 4,59 Prozent im Vergleich zu 4,88 Prozent im September.

Die Rendite zehnjähriger Italien-Anleihen lag zuletzt sieben Basispunkte niedriger bei 4,26 Prozent. Zehnjährige spanische Bonds rentierten fünf Basispunkte tiefer bei 4,29 Prozent.

Am Markt für US-Staatsanleihen sind die Kurse gestiegen. Zehnjährige Treasuries rentierten zwei Basispunkt niedriger bei 2,66 Prozent.

Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den am Nachmittag anstehenden Michigan Sentiment Index. „Die Vorgaben für den wohl wichtigsten Stimmungsindikator der USA sind negativ, denn die bereits veröffentlichten Verbraucherumfragen, wie beispielsweise das Bloomberg-Verbrauchervertrauen oder der TIPP- Index, haben zum Teil deutliche Rückgänge aufgewiesen”, schrieben die Helaba-Volkswirte Johannes Jander und Ulrich Wortberg. “Insofern kann ein Wert unterhalb der bei 75,9 liegenden Konsensschätzung nicht ausgeschlossen werden. Erwartungen, wonach es noch in diesem Jahr zu einer Rückführung der Anleihekäufe kommen kann, sollten sich weiter verflüchtigen.”

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