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01.07.2013

16:48 Uhr

Peripherieanleihen gefragt

Anleger suchen das Risiko

Bundesanleihen haben sich am Montag wenig bewegt. Dennoch war auf den Anleihemärkten viel los. Dafür sorgen auch Spekulationen über die neue Fed-Strategie.

Die Fed-Strategie könnte nochmal Bewegung in den Anleihemarkt bringen. dpa

Die Fed-Strategie könnte nochmal Bewegung in den Anleihemarkt bringen.

Die Anleihemärkte haben am Montag uneinheitlich tendiert. Zehnjährige Bundesanleihen bei 1,72 Prozent wenig verändert. Der Terminkontrakt Bund-Future sank um einen Basispunkte ab auf 141,52 Prozent. Zehnjährige US-Treasuries standen leicht unter Druck, die Rendite legte um einen Basispunkt auf 2,50 Prozent zu.

Der ISM-Einkaufsmanagerindex war im Juni auf 50,9 Zähler geklettert. Von Bloomberg befragte Ökonomen erwarteten 50,5 Zählern, nach 49 Punkten im Mai - der niedrigste Wert seit Juni 2009.

“Insgesamt untermauern die Zahlen trotz der gesunkenen Beschäftigungskomponente die Annahme, dass die Fed im Verlauf des zweiten Halbjahres mit der Rückführung der Anleihekäufe beginnen wird”, schrieb Helaba-Analystin Viola Julien in einer Einschätzung nach Vorlage der ISM-Daten.

Analystenstimmen zur Fed-Geldpolitik

Uwe Burkert, LBBW

„Die scharfe Reaktion der Rentenmärkte dies- und jenseits des Atlantiks bestätigt unseres Erachtens unseren Eindruck einer negativen Grundstimmung der Marktteilnehmer. Die Reduzierung des Expansionsgrads der Geldpolitik wird jedoch voraussichtlich in einem vorsichtigen Tempo erfolgen, eine Zinsanhebung in den USA dürfte bis Jahresende 2014 voraussichtlich nicht auf der Agenda stehen.“

Rob Lutts, Cabot Money Management

„Das Überraschendste war die Anhebung der Wachstumsrate für 2014. Auf die Wachstumszahlen wird sich der Anleihemarkt am stärksten konzentrieren. Die Bondanleger sagen sich: 'Wenn die Fed richtig liegt, müssen wir kurzfristig mit höheren Renditen rechnen.'“

George Rusnak, Wells Fargo Private Bank

„Die Fed wird mit der Drosselung der Wertpapierkäufe entweder im vierten Quartal oder im ersten Quartal nächsten Jahres beginnen.“

Camilla Sutton, Scotiabank

„Die Konjunkturprognosen signalisieren, dass die Arbeitslosenquote 2014 auf 6,5 Prozent sinken wird. Das bedeutet, dass die Fed die Zinsen früher anziehen könnte als erwartet, möglicherweise bereits im ersten Quartal 2015.“

Axel Merk, Merk Investments

„Die Hauptbotschaft ist, dass die Fed die Wertpapierkäufe wirklich drosseln will und dies bis zum nächsten Sommer abzuschließen hofft. Bernanke möchte kommunizieren, dass dies nicht unbedingt eine geldpolitische Straffung bedeutet, aber der Markt scheint das anders zu sehen.“

Fred Dickson, D.A. Davidson & Co.

„Er hat die Möglichkeit der Drosselung im September vom Tisch gewischt. Seine Aussagen über eine mögliche Verringerung der Wertpapierkäufe zum Jahresende und die Einstellung Mitte kommenden Jahres hat für etwas Klarheit, aber offenbar auch für Überraschung gesorgt.“

Brian Levitt, Oppenheimerfunds

„Die Fed beurteilt die US-Konjunktur offenbar optimistischer als bislang. Ich werte dies als gute Nachricht. Der Prozess der Normalisierung ist langwierig. Es bedeutet nicht, dass die Geldpolitik über Nacht gestrafft wird und die Grundlagen für den Aktienmarkt erscheinen immer noch vernünftig. Anleger sollten ihre Aktienpositionen nicht auflösen, weil die Fed mit dem langwierigen Prozess einer Normalisierung der Geldpolitik beginnt.“

Kan Mayland, Clearview Economics

„Erreicht das Wirtschaft zumindest durchschnittliche Wachstumsraten? Werden monatlich nachhaltig mehr als 200.000 neue Jobs geschaffen? Steigen die Preise zu schnell und überschreiten die Inflationserwartungen die Zielmarken? Nein, Nein und Nein. Daher kann man eine Drosselung zumindest in den kommenden Monaten vergessen.“

Ulrich Leuchtmann, Commerzbank

„Für die nächsten Wochen und Monate dürfte am wichtigsten sein, dass wir nun einen klaren Fahrplan für das "tapering" haben: Wenn sich die Rahmendaten so entwickeln, wie das FOMC erwartet, werden wir - so kündigte Bernanke an - eine erste Reduktion des QE-Volumens "später in diesem Jahr" sehen. Und "um die Mitte" 2014 würde dann QE3 ganz eingestellt. Das ist wesentlich klarer, als alles was wir bisher von der Fed zu diesem Thema gehört haben. Hinzu kommt, dass das Statement wesentlich optimistischer ausfiel als im Mai. (...) Die Kombination aus optimistischerer Konjunktureinschätzung und "Guidance" ist ein starkes Signal für die US-Währung.“

Ralf Umlauf, Helaba

„Fed-Chef Bernanke hat bei der gestrigen Pressekonferenz zur FOMC-Sitzung den zukünftigen Pfad der Geldpolitik, insbesondere die monatlichen Anleihekäufe, an die Entwicklung der Konjunkturdaten gekoppelt. Konkret heißt dies, dass die Notenbanker anhaltende Zeichen eines selbstragenden Aufschwungs und einer nachhaltigen Verbesserung sehen wollen. Sollte dies der Fall sein, könnten die Anleihekäufe im späteren Verlauf des Jahres zurückgefahren werden und gegen Mitte 2014 auslaufen. Während die Fed zukünftig den monetären Impuls allmählich verringern wird, ist die EZB noch immer bereit, der EWU-Wirtschaft mit weiteren Lockerungen unter die Arme zu greifen. Zwar hatte EZB-Präsident Draghi jüngst die Überzeugung geäußert, dass für eine weitere Zinssenkung derzeit keine Notwendigkeit bestehe, alle Optionen inklusive negativer Einlagensätze aber offen seien.“

Yuji Saito, Credit Agricole

„Bernanke ist deutlicher geworden, als der Markt es erwartet hat. Die Richtung des Dollar ist ab jetzt festgelegt.“

Käufer trieben indes die Anleihekurse von zehnjährigen Staatsanleihen aus Spanien und Portugal deutlich nach oben. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Staatsanleihen ging um 14 Basispunkte zurück auf zuletzt 4,60 Prozent - der fünfte Tag mit Kursgewinnen in Folge. Bei Portugals zehnjähriger Anleihe sank die Rendite um fünf Basispunkte auf 6,27 Prozent. Der spanische Einkaufsmanagerindex für Juni hatte bei 50 Zählern gelegen und damit über den 48,1 Punkten im Mai. Zehn von Bloomberg befragte Ökonomen hatten im Median 48,5 Punkte erwartet. In Portugal war die Arbeitslosenquote im Mai auf 17,6 Prozent zurückgegangen, nach dem historischen Höchstwert von 17,8 Prozent im April.

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