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04.01.2007

07:00 Uhr

Perspektive für Anleger

Das Neosino-Jahr

VonC. Schnell

Erinnern Sie sich noch an den ersten Aufreger des Börsenjahres 2006? Exakt ein Jahr ist es heute her, da wurden die Aktien von Neosino Nanotechnologies erstmals an der Börse notiert. Erstaunlich ist, dass der Kurs noch immer um die Marke von 90 Euro pendelt.

FRANKFURT. Neosino Nanotechnologies: Ein bei seinem Börsengang gerade erst ein Jahr altes Mini-Unternehmen, das mit einem eigenen Mahlverfahren Mineralien so stark zerkleinert, dass diese als Nahrungsergänzung für Sportler ebenso ihre Wirkung entfalten wie in der Landwirtschaft und im Straßenbau. Dazu eine Mini-Emission von gerade einmal 50 000 Aktien, von der niemand Notiz genommen hätte, wäre sie nicht mit viel Pomp inszeniert worden. Der Bayern- und Nationalelf-Doc Hans-Werner Müller-Wohlfahrt gab seinen Namen als Berater her, und Stürmer Roy Makaay lockte zur Erstnotiz mehr Medienvertreter an als dies gewöhnlich bei Emissionen der Fall ist, die später mal in einen der großen Indizes aufsteigen wollen.

Das führte selbstverständlich zu vielen Fragen, die ihren Höhepunkt fanden, als das ARD-Magazin „Panorama“ mit einer wissenschaftlichen Untersuchung keinerlei Wirkung in den Pillen und Sprays feststellte. Dem folgten von Neosino in Auftrag gegebene Gutachten, die das Gegenteil behaupteten. Am Ende ging alles aus wie das schon aus Schillers „Räubern“ bekannte „Hornberger Schießen“.

Am Aktienmarkt ist Neosino nur eine von vielen schnell vergänglichen Anekdoten, die es von Kleinstunternehmen in den letzten Jahren gab. Deshalb nimmt seit längerem auch kaum noch jemand von der Aktie Notiz.

Umso erstaunlicher ist es, dass deren Kurs noch immer um die Marke von 90 Euro pendelt. Vor einem Jahr wurden die Papiere zum Preis von 55,55 Euro ausgegeben, was trotz aller Turbulenzen im Anschluss noch immer ein Plus von über 60 Prozent bedeutet. Das liegt vermutlich vor allem daran, dass mit der eingezogenen Ruhe um die Aktien auch der Umsatz stark zurückging. Folglich kann es auch kaum zu nennenswerten Kursausschlägen kommen. Gestern wurden bis zur Mittagszeit gerade einmal 182 Neosino-Papiere gehandelt. Für ein Unternehmen, das im ersten Halbjahr 2006 einen Umsatz von knapp 900 000 Euro und dabei einem Fehlbetrag von 800 000 Euro erwirtschaftet hat, ist dies eine angemessene Zahl.

Wo aber ist die Perspektive für Anleger? Nach wie vor ist die Aktie nur etwas für sehr, sehr spekulative Naturen. Wegen der guten Eigenkapitalquote von über 60 Prozent und der Finanzkraft von Vorstandschef Eddy Krix, der es als Gründer und Vorstandschef von Teleplan einst zu Ruhm und Geld brachte, scheint vorläufig zumindest der Totalverlust ausgeschlossen. Alles andere ist reine Spekulation. Denn ob die geplante neue Struktur dem Bereich Nahrungsergänzungsmittel tatsächlich zum Durchbruch verhilft oder ob Neosino-Partikel im Autobahnbeton jemals ein Erfolg werden, wer weiß es? Übrigens: Der erste Aufreger des Jahres 2007 steht noch aus.

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