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04.01.2011

14:37 Uhr

PIIGS-Unternehmen

Der Fluch der Heimat

VonAndrea Cünnen, Michael Maisch

Die Probleme ihrer Heimatländer an den Anleihemärkten gehen an den Unternehmen aus Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien nicht spurlos vorüber. Die großen Dienstleistungs- und Industriekonzerne, die sich regelmäßig über Anleihen finanzieren, finden zwar noch Investoren, doch die verlangen ordentliche Zinsaufschläge.

Für den spanischen Telekommunikationskonzern Telefonica wird die Anleihenkrise zum Geschäftsrisiko. Reuters

Für den spanischen Telekommunikationskonzern Telefonica wird die Anleihenkrise zum Geschäftsrisiko.

FRANKFURT/LONDON. Die Strategen von BNP Paribas haben ausgerechnet, dass Unternehmen aus den Euro-Randländern im Schnitt fast anderthalb Prozentpunkte höhere Renditen als Anleiheschuldner aus anderen Euro-Ländern zahlen müssen. Anfang des vergangenen Jahres gab es diese Differenz noch nicht. Und auch künftig müssen sich die entsprechenden Unternehmen nach Ansicht von Christian Meissner, Leiter des europäischen Investment-Bankings bei der Bank of America Merrill Lynch, auf höhere Refinanzierungskosten einstellen.

Besonders auffällig sind die Renditeunterschiede nach Ansicht von Sven Kreitmair in den Sektoren Telekom und Versorger, in denen es viele Anleiheemittenten aus den Krisenländern gibt. „Und genau das hat dazu geführt, dass die durchschnittlichen Renditen für Telekom- und Versorgeranleihen im vergangenen Jahr leicht gestiegen sind, während die von anderen Unternehmensanleihen sanken“, sagt der Co-Leiter des Researchs für Unternehmensanleihen bei der Unicredit.

Im Telekombereich sind zum Beispiel Telefónica, Telecom Italia, Portugal Telecom und die griechische OTE in den Rentenindizes vertreten: In vier Jahren fällige Anleihen dieser Unternehmen rentieren derzeit zwischen 3,7 und 7,1 Prozent. Zum Vergleich: Eine vierjährige Anleihe der Deutschen Telekom wirft nur 2,9 Prozent Rendite ab. Ähnlich hoch sind die Risikoprämien für Bonds der Versorger, unter denen in den großen Indizes Iberdrola und Gas Natural aus Spanien, Enel und Edison aus Italien, EDP aus Portugal und Bord Gais Eireann aus Irland gelistet sind.

Tragisch für die Unternehmen: Die höheren Risikoprämien sind kein Zeichen dafür, dass die Investoren ihrem Geschäftsmodell misstrauen. Im Gegenteil: „Die Unternehmen gelten im Vergleich zu ihren Heimatländern als sicherer Anlagehafen, und Ängste vor mittelfristigen Schuldenschnitten gibt es bei den Firmen nicht“, betont Kreitmair. Das zeigt sich daran, dass die Renditen der Unternehmensanleihen in der Regel unter denen der jeweiligen Staatsanleihen liegen. Dennoch: „Spanische Unternehmensanleihen zum Beispiel verloren an manchen Tagen deutlich an Wert, ohne dass es fundamentale Gründe dafür gegeben hätte, nur wegen der Abhängigkeit der Firmen vom Heimatmarkt in der Euro-Peripherie“, konstatiert Michael Moravec, Leiter des Geschäfts mit europäischen Hochzinsanleihen bei Barclays Capital.

Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erklärt das damit, dass die Banken die Kreditvergabe für die schwächeren Euro-Länder wegen der Schuldenkrise einschränken: „In einer Art Kaskadeneffekt werden deshalb auch einige Kreditlinien für die Unternehmen aus den entsprechenden Ländern gestrichen“, betont der Leiter der Analyse für Unternehmensanleihen bei der LBBW. Das wiederum hat nicht nur Folgen für die Kreditvergabe an die betroffenen Unternehmen, sondern auch für den Handel mit deren Bonds. „Banken stellen nur noch eingeschränkt und in größeren Handelsspannen Kurse für die Unternehmensanleihen aus den entsprechenden Ländern“, betont Burkert. Die Folge: Der Handel wird illiquider, die Kurse und Renditen der Anleihen geraten unter Druck und schwanken stärker.

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