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07.01.2010

07:26 Uhr

Pimco

„Bondkönig“ Bill Gross empfiehlt Bundesanleihen

VonRolf Benders

Der weltgrößte Bondinvestor Pimco hat aus Frust über die Finanzpolitik in den USA zum Kauf deutscher Staatsanleihen aufgerufen. Der Manager des größten Anleihefonds glaubt an die Schuldenbremse des Grundgesetzes. Auch die Schuldenprobleme Griechenlands wirken sich seiner Meinung nach positiv auf die Bewertung von Bundesanleihen aus.

Steht immer noch für gute Bonität: Der Bundesadler. ap

Steht immer noch für gute Bonität: Der Bundesadler.

NEW YORK. "Während wir nicht viel Auswahl zwischen den politischen Parteien haben mögen, haben wir als Investoren die Wahl", drängt Pimco-Mitgründer Bill Gross Anleger in seinem aktuellen Marktkommentar zu einer Art Abstimmung mit dem Geldbeutel. Weltweit agierende Investoren könnten dort anlegen, wo stabile Inflation und konservative Finanzpolitik verfügbar seien. "Man geht jetzt nach Deutschland", sagte er in einem Bloomberg-Interview auf die Frage, was er mit seinem weltgrößten Bondfonds Total Return mache. Wegen der grundgesetzlich verankerten Schuldenbremse,buffe die die Regierung für 2016 zu einem nahezu ausgeglichenen Haushalt zwinge, sei die Fiskalpolitik in Deutschland konservativer als in den USA, Großbritannien und Japan.

Pimco berät die US-Behörden bei der Bewertung von Anleihen

Gross ist ein gefragter Berater auch der US-Regierung, vor allem wenn es um festverzinsliche Wertpapiere geht. So untersuchte Pimco zuletzt für die Aufsichtsbehörden, ob die US-Lebensversicherungen ausreichend Kapital für Verluste aus toxischen Hypothekenanleihen (RMBS) gebildet haben. In der Bondwelt hat sein Wort ähnliches Gewicht wie Aussagen von Investorenlegende Warren Buffett über Aktien. Die von Gross 1971 mitgegründete, heutige Allianz-Tochter Pacific Investment Management Company (Pimco) ist einer der größten Vermögensverwalter der Welt und betreut Kundengelder im Volumen von über 900 Mrd. Dollar. Derzeit entdeckt Pimco auch Aktien als Anlageklasse für sich. Dafür verpflichtete der Vermögensverwalter den früheren Chef des staatlichen Bankenrettungsprogramms Tarp, Neel Kashkari.

In der Finanzkrise hatte Gross den Kauf von US-Staatsanleihen empfohlen, weil diese seiner Ansicht nach in unsicheren Zeiten die risikoärmste Anlageform waren. Nun sei es Zeit darüber nachzudenken, mit welcher Regierung man sich einlassen wolle, schreibt er.

Er argumentiert, dass das 2009er Haushaltsdefizit von 1,5 Bio. Dollar der USA zu großen Teilen durch die US-Notenbank mit frisch gedruckten Geld finanziert worden sei. Nur vordergründig habe die Fed sich auf den Kauf von Hypothekenpapieren konzentriert, erklärt er unter Verweis auf das 1,25 Bio. Dollar schwere Aufkaufprogramm der Fed. Diese Hypothekenpapiere seien der Notenbank aber weitgehend von privaten Investoren angedient worden, die mit den Erlösen dann US-Staatspapiere erworben hätten. Damit sei ein Haushaltsdefizit von zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) also mittelbar weitgehend von der Fed finanziert worden. Dies führe auf Sicht zu höheren Zinsen und damit zu schlechteren Anleihekursen, verwies er auf Analysen der Fed und des Internationalen Währungsfonds. In Großbritannien und Japan sei die Lage vergleichbar. In Deutschland habe das Defizit 2009 nur gut vier Prozent des BIP betragen und zudem gebe es die grundgesetzlich verankerte Schuldenbremse, die für 2016 einen nahezu ausgeglichenen Haushalt erzwinge. "Wir haben also ein Land, das großartig aussieht und zwei die das nicht tun", sagte er in dem Interview.

Probleme Griechenlands positiv für Bundesanleihen

Kritiker halten Gross jedoch vor, die Haushaltprobleme Griechenlands könnten Anlagen in derselben Währung entwerten. "Meine Hauptfrage an die "Go to Germany"-Strategie ist: Was passiert, wenn der Euro fällt", schreibt Fondsmanager John Boyd in seinem Blog. Gross lässt sich dadurch nicht beirren. "Im Moment profitiert Deutschland davon, und wenn es nur eine Flucht derAnleger in sichere Euro-Staatsanleihen ist", sagte er. Langfristig könnten sich Investoren gegen Devisenrisiken am Kapitalmarkt absichern.

Kommentare (6)

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Manfred

07.01.2010, 09:18 Uhr

Wer jetzt noch Staatsanleihen kauft muss ziemlich dumm sein und tief und fest schlafen !
Eine Währungsreform steht bevor. Das kann sehr schnell und sogar ohne Vorwahrnungszeichen passieren.
Fiat Money beherrscht die Welt. Ein Garant für den Untergang der Währungen.
Die korrupte Hochfinanz und deren Vasallen - die Politiker - tun das Übrige......

H. Bröselmeyer

07.01.2010, 10:22 Uhr

Aufgrund der Schuldenbremse in der Deutschen Verfassung sind Deutsche Staatsanleihen sicherlich besser als US Anleihen. Allerdings werden auch Deutsche Staatsanleihen sehr schnell an Wert verlierern.Die in fast allen Staaten rasant anwachsende Staatsverschuldung wird so schnell nicht zu bremsen sein und eine Rückführung der Staatsverschuldung wird letztendlich nur durch eine inflation möglich sein. Eine Währungsreform ist deshalb nicht unwahrscheinlich. Zudem wird China nicht mehr lange den US Dollar als Leitwährung akzeptieren. ein Umbruch steht bevor.

Udo M.

07.01.2010, 10:23 Uhr

So ein Schmarrn !
Wenn der Dollar demnächst reformiert wird, "stirbt" im selben Atemzug der Euro.
Der korrupte Pimco Dummschwätzer will die dummen Schafe von der weide locken....
Schuldenbremse in ferner Zukunft ????
Zum totlachen....so verschuldet wie Deutschland ist kracht doch alles eh schon vorher zusammen.
Wie fest muss man schlafen um all diesen Müll zu glauben der in den Medien erscheint ???????

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