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20.04.2011

10:29 Uhr

Pimco-Chef El-Erian

Was die Weltwirtschaft bedroht

VonMohamed El-Erian

ExklusivDie Gefahren für die Weltwirtschaft steigen. Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco, erklärt, welche Folgen die US-Schuldenmisere haben kann und welche weiteren Risiken drohen.

Mohamed El-Erian ist Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco, Tochter des Allianz-Konzerns. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com Quelle: Reuters

Mohamed El-Erian ist Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco, Tochter des Allianz-Konzerns. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com

Sollen wir auf die allmähliche Erholung in den hochentwickelten Ländern und das solide Wachstum in den Schwellenländern vertrauen? Oder sollen wir uns gegen hohe Ölpreise, Erschütterungen im Nahen Osten, die nukleare Unsicherheit in Japan und nicht zuletzt gegen die Haushaltsrisiken in den USA wappnen? Insbesondere die Kreditwarnung der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) zeigt, welche Gefahren die allgemeine Verschlechterung der Bonität führender Volkswirtschaften für die globale Wirtschaft birgt.

Mir fallen an dieser Stelle insgesamt vier größere Risiken für die Welt ein, die an Bedeutung zunehmen und immer bedrohlicher werden. Zunächst muss die Welt als Ganzes die wirtschaftlichen Folgen der Unruhen im Nahen Osten und der Tragödien in Japan erst noch bewältigen. Diese Ereignisse haben ihre zerstörerischen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft noch nicht voll entfaltet. Es kommt nicht oft vor, dass sich die Welt dem stagflatorischen Risiko einer gleichzeitigen Verringerung von Nachfrage und Angebot ausgesetzt sieht. Noch ungewöhnlicher ist es, dass zwei separate Entwicklungen zu einem derartigen Resultat führen.

Die Aufstände im Nahen Osten haben die Ölpreise in die Höhe gedrückt, damit gleichzeitig einen Teil der Kaufkraft der Verbraucher abgeschöpft und für viele Hersteller die Faktorpreise erhöht. Zugleich hat sich die Katastrophe in Japan vernichtend auf das Verbrauchervertrauen ausgewirkt und die grenzübergreifenden Produktionsketten gestört.

Das zweite große globale Risiko kommt aus Europa, wo Deutschlands starke Entwicklung mit einer Schuldenkrise an der EU-Peripherie zusammenfällt. Letzte Woche hat nach Griechenland und Irland nun Portugal formell Rettungsgelder beantragt, um einen Zahlungsausfall zu vermeiden. Im Austausch für Notkredite haben alle drei Länder massive Sparprogramme eingeleitet. Doch trotz der enormen gesellschaftlichen Schmerzen, die dieser Ansatz verursacht, wird er auf ihren weiter steigenden Schuldenüberhang keine merklichen Auswirkungen haben.

Zugleich ist auf dem Häusermarkt in den USA erneut eine Abschwächung zu verzeichnen – das dritte große globale Risiko. Trotz bereits steil gefallener Häuserpreise hat es bisher keine substanzielle Erholung gegeben. Tatsächlich stehen die Preise in einigen Gegenden erneut unter Druck, was sich, falls es schwieriger werden sollte, Hypotheken zu bekommen, noch verschlimmern könnte. Da der Häusermarkt entscheidenden Einfluss auf das Konsumverhalten in Amerika hat, wird jeder weitere größere Rückgang der Eigenheimpreise das Vertrauen der Verbraucher schwächen und die Ausgaben senken. Zugleich wird ein derartiger Rückschlag es den Amerikanern weiter erschweren, für ihre Jobsuche in bestimmte Teile des Landes umzuziehen, was das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit verstärkt.

Kommentare (8)

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20.04.2011, 12:08 Uhr

++ Ursache und Wirkung ++

Die größte Krise der Neuzeit, ausgelöst von der größten Volkswirtschaft der Welt durch Leben auf Pump, wurde seit 2008 damit bekämpft, dass man immer noch mehr Schulden anhäufte, um den Kollaps der Bankster zu verhindern und um ein geordnetes Leben weiter Aufrecht zu erhalten.
Das Perpetuum-Mobile, Leben auf Pump, hatte sich Mitte 2007 verabschiedet, als der verbriefte Hypothekenmarkt zusammenbrach, weil die Gläubiger aufwachten und merkten, dass diese Schuldscheine gerade mal den Wert des Papiers hatten, auf dem sie gedruckt waren.
Im Quartalsbericht der BIZ vom Juni 2008 geht hervor, dass die Bankster weltweit auf über 600 Bio $ solcher absolut wertloser Papierschnipsel sitzen, aus den Bilanzen ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren.

Weltweit wurden in den letzten 3 J. ca. 30 Bio $ aufgewendet, natürlich alles auf Pump, um die Bankster zu retten und um einen selbsttragenden Aufschwung auszulösen. Beides ist gründlich fehlgeschlagen, jetzt sind die Bankster und die Retter pleite.

Die Bankster haben ihre zinslosen Zentralbankbillionen schon wieder an den Börsen und im Eigenhandel verzockt. Der Aufschwung fand ausschließlich bei den Gehältern der Bankster statt, sonst nirgends!! Die Wall-Street-Gangster genehmigten sich Zahlungen in Höhe von 144 Mrd!!! $, als Belohnung für gigantische Betrügereien. Jeder Staat, der solche gigantischen Betrügereien protegiert, hat kein Anrecht zum Überleben. Hier stehen wir jetzt.
Ohne die Mrd der Zentralbanken könnten viele Länder nicht mehr das öffentliche Leben aufrecht erhalten, also Löhne für Staatsangestellte bezahlen. Die Krise wurde also nicht abgewendet und schon gar nicht gelöst. Sie wurde lediglich hinausgeschoben und verschlimmert.
Die Grundlage für die Lösung dieser Probleme in den westl. Ind.staaten führt nur über einen Reset im Finanzwesen und über eine Trennung von Geschäfts- und Zockerbanken.

Stefan-L-Eichner

20.04.2011, 12:38 Uhr

Der Hinweis darauf, dass die USA nach dem Zweiten Weltkrieg die globale Führungsrolle übernahmen und wir heute infolge der überbordenden Probleme der USA wieder an einem solchen Punkt angelangt sind, ist m. E. sehr richtig. Ich sehe allerdings die EU – vor dem Hintergrund eines nüchtern vergleichenden Blickes auf das Ausmaß der Schuldenkrise diesseits und jenseits des Atlantiks - potenziell durchaus als Kandidaten für die Nachfolge an. Die Darstellung der EU-Schuldenprobleme in Presse und Medien verstellt den Blick auf die tatsächlichen Relationen.

Freilich sehe ich gemessen am bisherigen Verhalten in der Schuldenkrise ebenfalls keine echte Bereitschaft der EU, sich der Verantwortung zu stellen. Es mag aber sein, dass sie in diese Rolle gezwungen wird, wenn sich die Krise in den USA weiter verschärft, was absehbar ist und das Vertrauen in den Dollar infolge eines markanten Ereignisses – wie seinerzeit die Lehman-Pleite (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2011/04/warten-auf-lehman-20.html) – stark schwindet. Dieses Risiko wird nicht zuletzt von vielen US-Bundesstaaten als sehr real angesehen. Das zeigen die forcierten Bestrebungen, Gold als offizielle Währung einzuführen.

willi

20.04.2011, 12:42 Uhr

Der gute Mann hat noch etwas vergessen was die Weltwirtschaft gefährdet:
Er und sein Unternehmen.

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