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14.04.2016

15:27 Uhr

Pimco kauft US-Bankbonds

„Die Anleihe-Gläubiger werden gewinnen“

Lange galten Bank-Anleihen als unsicheres Geschäft. Doch im Vergleich zu Industrie-Bonds scheinen die Papiere derzeit günstig. Zwei große Fondsgesellschaften greifen verstärkt zu – und hoffen auf satte Gewinne.

Stabilisierung in China, Erholung auf dem Ölmarkt: Viele Unsicherheiten, die Anleger von Bankbonds fernhielten, haben sich derzeit beruhigt. Reuters

Manhattan Skyline

Stabilisierung in China, Erholung auf dem Ölmarkt: Viele Unsicherheiten, die Anleger von Bankbonds fernhielten, haben sich derzeit beruhigt.

New YorkEines der meistgefragten Handelsgeschäfte von 2015 im Bereich der Unternehmens-Anleihen könnte wieder an Fahrt gewinnen. Fondsmanager wie Wells Capital Management Inc. und Pacific Investment Management Co. (Pimco) kaufen derzeit Papiere, die von US-Banken begeben wurden. Diese sehen im Vergleich zu den Bonds von Industrieunternehmen günstig aus. Die Nachfrage ist das jüngste Anzeichen dafür, dass die Markt-Unruhe aus Januar und Februar abgenommen hat.

Jede Art von Problemen, die die Banken derzeit haben könnten – darunter faule Krediten an den Energiesektor und schwache Handelserlöse – werden sich wahrscheinlich eher auf die Gewinne auswirken und weniger auf die Fähigkeit, Anleihen zu zahlen. Das meint Jim Paulsen, Chef-Investmentstratege bei Wells Capital.

„Banken sind eine Wertchance“, sagt Paulsen. Wells Capital, eine Sparte von Wells Fargo & Co., verwaltet unterm Strich rund 349 Milliarden Dollar an Vermögen. So ähnlich sieht das auch Mark Kiesel, Investmentchef bei Pimco: „Banken stehen vor einer Profitabilitäts-Herausforderung“, erklärt er. Doch mit einer strengeren Regulierung und den höheren Kapitalanforderungen für Finanzdienstleister „werden es weiter die Anleihe-Gläubiger sein, die gewinnen“. Pimco verwaltet 1,4 Billionen Dollar.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Pimco hat Kiesel zufolge Bonds aus der Branche im vergangenen Monat gekauft. Dabei handelte es sich hauptsächlich um vorrangige, unbesicherte Papiere. Nach der Anleiherally der vergangenen Tage sei das Unternehmen aber wählerisch geworden. Besonders im Blick hat Kiesel jetzt britische Banken, die angesichts aus Angst vor einem möglichen EU-Austritt des Landes in den vergangenen Wochen günstiger geworden sind.

Investoren, die sich derzeit mit Bonds von US-Banken eindecken, steigen wieder in einen Sektor ein, der zu jenen mit der besten Entwicklung 2015 zählte. Bankanleihen stellten vergangenes Jahr Investment-Grade-Bonds, Ramsch-Papiere und den Standard & Poor’s 500 Index in den Schatten – auf Basis des absoluten Ertrags.

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