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18.10.2012

14:55 Uhr

Pimco-Warnung

„Die USA werden abgestuft“

Die Experten der Fondsgesellschaft Pimco rechnen damit, dass die USA schon bald von den Ratingagenturen abgestuft werden. Dies könnte zu einem Aufruhr an den Märkten führen, sagte der Fondsmanager Scott Mather.

US-Fahnen an der Wall Street. dpa

US-Fahnen an der Wall Street.

WellingtonDie Kreditwürdigkeit der USA könnte schon bald herabgestuft werden; insbesondere wenn sich Demokraten und Republikaner wegen der Steuerpolitik zerstreiten. Diese Einschätzung vertritt Scott Mather, Leiter Globales Portfoliomanagement bei Pacific Investment Management in Newport Beach, Kalifornien. “Die USA werden herabgestuft werden, es ist nur die Frage wann”, sagte Mather am Donnerstag in Wellington, Neuseeland. “Es hängt davon ab, wie es zum Jahresende aussieht, aber es könnte kurz danach geschehen”, fügte er an.

Das Haushaltsbüro des Kongress hat vor einer Rezession gewarnt, falls zum Jahresbeginn 2013 600 Mrd. Dollar an staatlichen Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen erfolgen sollten. Die Finanzmärkte seien zu gelassen im Hinblick auf die Frage, ob Weißes Haus und Kongress eine Einigung erzielen, die die fiskalische Belastung für die Volkswirtschaft auf einen späteren Termin im Jahre 2013 verschieben würde, sagte Mather.

Was die US-Schuldenkrise für die Märkte bedeutet

Sind die USA ein wackliger Schuldner?

Im August 2011 stufte S&P die USA herab und entzog ihnen damit das Top-Rating. Die Zeit des unumstößlichen AAA-Ratings der USA ist damit vorbei. Grund waren mangelnde Aussichten auf einen Abbau der Rekordverschuldung von 15 Billionen Dollar. Eine weitere Herabstufung schlossen S&P nicht aus.

Fitch und Moody's drohen ebenfalls mit einer Herabstufung, sollte keine neue Strategie zum Schuldenabbau folgen.

Warum haben die USA nicht längst ein noch schlechteres Rating?

Die USA sind mit dem Dollar flexibel in der Zins- und Geldpolitik und können Geld drucken, um Dollar-Schulden zu bedienen. Als größte Volkswirtschaft der Welt tragen sie fast ein Viertel zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Die Wirtschaft ist wettbewerbsfähig und flexibel. Zudem zahlt die Regierung, bei einer Inflation von drei Prozent und Renditen unter drei Prozent für Anleihen mit Laufzeiten von weniger als zehn Jahren, real aktuell keine Zinsen. "Das steht in krassem Gegensatz, zu der Situation in vielen Euro-Ländern", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der VP Bank.

Wann werden die USA weiter herabgestuft?

Der Verlust des AAA-Ratings war vor einigen Monaten noch die "Billion-Dollar-Frage". Jetzt rätseln Analysten darüber, wann noch eine Stufe weiter abwärts geht. S&P haben eine weitere Herabstufung der USA nicht ausgeschlossen, sollte das Schuldenproblem nicht in den Griff bekommen werden. Behält die US-Regierung den jetzigen uneinigen Kurs bei der Schuldenbekämpfung bei, so werde Fitch spätestens 2013 den USA das Top-Rating entziehen.

Warum sind US-Staatsanleihen kaum unter Druck gekommen?

Weil die Ratings nicht (mehr) das non plus ultra für die Marktteilnehmer bilden. Die Warnungen der Ratingagenturen rücken zwar die problematische US-Verschuldung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, bedeuten für professionelle Anleiheinvestoren "aber nichts, was wir nicht schon ohnehin wussten", sagt William O'Donnel von der Royal Bank of Scotland. Frankreichs Wirtschaftsminister Baroin meinte, man dürfe die Herabstufung nicht überbewerten. Ein nicht namentlich genannter Regierungsvertreter Japans erklärte ebenfalls, dass er weiterhin Vertrauen in die Anleihen der USA habe.

Drohen US-Staatsanleihen längerfristig Probleme?

Ja, wenn die Probleme nicht gelöst werden und die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit weiter senken. Der Ruf der US-Anleihen als weltweiter risikoloser Maßstab für andere Zinspapiere werde dann weiter abbröckeln. "Wenn die USA ihre langfristige Verschuldung nicht in den Griff bekommen, droht ein Vertrauensverlust der Investoren", warnt Thomas Meißner von der DZ Bank. Diese Gefahr gebe es vor allem deshalb, weil die USA fast zur Hälfte im Ausland verschuldet seien und ausländische Investoren schneller nervös würden als einheimische.

Profitieren Bundesanleihen vom Verlust des "AAA"-Ratings der USA?

„Ja“ sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt bei der Unicredit, „sie dürften die größten Gewinner sein, unter anderem, weil die Inflation in den USA spürbar anziehen wird.“ Voraussetzung dafür sei allerdings noch, dass Deutschland seine Spitzenbonität behält, was zurzeit der Fall ist.

Wie sind die Aussichten für den Dollar?

Bislang hat die US-Währung wenig reagiert. "Der Dollar profitiert seit mindestens drei Jahren stetig von Krisenszenarien, egal wo die Ursachen der Probleme liegen", erklärt Ralf Umlauf, Analyst bei der Helaba. Das liege vor allem daran, dass in Krisenszenarien viele US-Investoren ihre Anlagen in ausländischen Währungen verkaufen, und das stärke den Dollar.

Gegenüber dem Euro hat der Dollar keinen Wert einbüßen müssen, weil im Rahmen der Schuldenkrise der Euro-Länder der Euro zunehmend unter Druck geraten ist. Im August, dem Monat der Herabstufung der USA, ging es nämlich für den Euro stark abwärts.

In einem “Basis-Szenario”, in dem der demokratische Präsident Barack Obama wiedergewählt wird und in den Kongress mehr Republikaner einziehen, gebe es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass eine Vereinbarung “nicht auf nette Weise erfolgt und Störungen an den Märkten hervorruft”, erläuterte Mather.

Die Politiker würden sich wahrscheinlich auf Kürzungen einigen, die kommendes Jahr 1,5 Prozent an Wirtschaftswachstum kosten werden, sagte Mather. Würden Szenarien diskutiert, die zu einer Belastung von 4,5 Prozent führten, dürfte dies die Märkte in Aufruhr versetzen.

Bill Gross, Fondsmanager des weltgrößten Anleihefonds Total Return Fund im Volumen von 278 Mrd. Dollar bei Pimco, sagte im Oktober, dass die USA nicht länger das bevorzugte Land für weltweites Kapital auf der Suche nach sicheren Erträgen sein werden, sofern sich Staatsausgaben und Wachstum der Schulden nicht verringerten. Er hat sein Engagement in US-Treasuries den dritten Monat in Folge reduziert auf das niedrigste Niveau seit Oktober 2011.

“Fast alle Staaten mit schlechter Schuldendynamik werden heruntergestuft werden, es geht nur darum, wie schnell”, sagte Mather. Die Ratingagenturen hätten sich bei der Herunterstufung einiger Staaten Zeit gelassen, aber das Tempo dürfte im kommenden Jahr zunehmen, fügte er an.

Vermögensreport 2012

Top 10

Schweden
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 237.297
Veränderung zum Vorjahr: -17 %

Quelle: Credit Suisse

Top 9

Großbritannien
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 250.005
Veränderung zum Vorjahr: - 6 %

Top 8

Singapur
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 258.117
Veränderung zum Vorjahr: - 4 %

Top 7

USA
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 262.351
Veränderung zum Vorjahr: + 1 %

Top 6

Frankreich
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 265.463
Veränderung zum Vorjahr: - 15 %

Top 5

Japan
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 269.708
Veränderung zum Vorjahr: +1 %

Top 4

Luxemburg
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 277.119
Veränderung zum Vorjahr: - 14 %

Top 3

Norwegen
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 325.989
Veränderung zum Vorjahr: - 7 %

Top 2

Australien
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 354.986
Veränderung zum Vorjahr: - 11 %

Top 1

Schweiz
Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem in US-Dollar: 468.186
Veränderung zum Vorjahr: - 13 %

Anleiheinvestoren müssen sich aber keine Sorgen machen, dass eine Bonitätsherabstufung ihre Erträge beeinträchtigt. In der Hälfte der Fälle bewegen sich bei einer Ratingänderung die Bondrenditen in die entgegengesetzte Richtung. Das geht aus Bloomberg-Daten hervor, die 314 Heraufstufungen, Herunterstufungen und Ausblickveränderungen umfassen und bis in das Jahr 1974 zurückreichen.

Kommentare (12)

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Schaarschmidt

18.10.2012, 15:22 Uhr

Zeit wird´s !Unabhängig der pol.Verwirrungen,aber fast 110% BIP-Gesamtverschuldung sind nicht AAA-würdig,zumal die USA überhaubt noch nicht angefangen haben zu sparen.

HB-Leber

18.10.2012, 15:31 Uhr

hier wird scheinbar noch geträumt, die Rating-Agenturen würden ihr Urteil an der Bonität von Staaten orientieren. Erstens trifft das, wenn überhaupt, erst zeitversetzt (also zu spät) zu und zweitens werden die Urteile politisch motiviert.
Die RA sind alle in den USA, alle von USA-Leuten geführt und mit den Bankern und Politikern verwoben.
Wer seine Entscheidungen und Handlungen daran orientiert, dem ist nicht mehr zu helfen.

Die USA, Griechenland, Portugal, diverse Banken etc SIND längst Pleite, das Überleben hängt vom Goodwill der Politiker ab.

Die USA werden ihre militärische Macht einsetzen, um ihre Interessen durchzusetzen, so wie sie das immer gemacht haben (und warum sollten sie es auch nicht tun?). Wenn der Despot das Öl nicht mehr liefern will, dann muss man das Land eben anders überzeugen.

Also:
Bitte nicht mehr veröffentlichen, was irgendein Vasall auf irgendein Papier schreibt - es ist eh Makulatur.

Wenn Sie Geld anlegen wollen, dann können Sie
* es für Luxus ausgeben, dann haben Sie wenigstens was davon
* in Ihre Familie investieren (Bildung, Werkzeuge ...) das kann man Ihnen nicht mehr wegnehmen
* es 1-EURO weise in die Elbe (Rhein, Main, Isar, Donau ...) werfen, dann hören Sie es zumindest schön platschen

oder um einen alten Kalauer aufzuwärmen:

Es gibt drei Arten, wie man sein Geld vernichten kann:
a) mit Frauen, das ist die schönste
b) im Spielcasion, das ist die schnellste
c) oder indem man Rating-Agenturen folgt, das ist die sicherste.

Vom HB würde ich mir übrigens eine stärkere eigene Meinung wünschen, muss ja nicht meine seine, aber wenigsten eine eigene.

Account gelöscht!

18.10.2012, 15:45 Uhr


Das sieht mir doch so kurz vor der US-Wahl eher nach einem wahlpolitisch strategischen Manöver aus.

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