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01.10.2013

19:33 Uhr

Plädoyer für Eurobonds

Soros ermahnt die Deutschen

Beim Weltwirtschaftssymposium in Kiel suchen Fachleute nach Lösungen für globale ökonomische Probleme. George Soros sieht die Eurobonds als nötig, um die Euro-Schuldenkrise zu beenden. Doch sie allein reichen nicht aus.

„Neben Eurobonds sind zusätzliche Strukturreformen in einzelnen Ländern geboten“, sagte George Soros am Dienstag auf einem Weltwirtschaftssymposium in Kiel. dpa

„Neben Eurobonds sind zusätzliche Strukturreformen in einzelnen Ländern geboten“, sagte George Soros am Dienstag auf einem Weltwirtschaftssymposium in Kiel.

KielDer US-Großinvestor George Soros fordert von Deutschland eine besondere Verantwortung in Europa und sieht gemeinsame Staatsanleihen der Euro-Länder unbeirrt als geeigneten Weg zur Bewältigung der Schuldenkrise. Durch Eurobonds könnten schwache EU-Länder von der Wirtschaftskraft der Bundesrepublik profitieren und die Zinslast so in Grenzen gehalten werden, sagte der 83-Jährige am Dienstag beim Weltwirtschaftsforum in Kiel. „Die Kosten der Schuldenaufnahme wären so sehr viel niedriger und es wären keine Transferzahlungen nötig.“

Soros wies Deutschland eine besondere Rolle zu. Die Eurozone werde nun - da die Krise vorüber sei - vom wirtschaftlich stärkstem Land in der Gemeinschaft angeführt. Die anderen Staaten hinkten wegen der Schuldenlast und den höheren Finanzierungskosten hinterher. Sollte dies so bleiben, würden sich die Unterschiede in Europa noch verschärfen, warnte Soros. Deutschland hätte einen „Pyrrhus-Sieg“ errungen. Daher sei es nötig, die Konstruktionsfehler der Gemeinschaftswährung zu beheben. „Nur Deutschland kann diesen Prozess anstoßen, weil es als das Land mit dem höchsten Kreditrating am Steuer sitzt“, betonte Soros.

Soros hat sich bereits mehrfach für die Einführung von Eurobonds stark gemacht. Die Wahrscheinlichkeit ihrer Einführung schätzt der gebürtige Ungar inzwischen allerdings als eher gering ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei durch den Ausgang der Bundestagswahl in ihrer Ablehnung eher noch bestärkt worden, sagte er. CDU und CSU lehnen jede Form der Schulden-Vergemeinschaftung in der Euro-Zone ab. Aufseiten der Opposition werden Eurobonds dagegen befürwortet, um die Zinslast schwacher EU-Länder zu verringern.

Gemeinschaftsanleihen - Euro-Bonds belohnen die Sünder

Um was geht es?

Auch bei Euro-Bonds sind sich Deutschlands Wirtschaftslenker und Bundeskanzlerin Merkel einig: Gemeinsame Anleihen würden verschuldeten Ländern den Anreize nehmen, durch Reformen wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Und dennoch: Langfristig ist die Vergemeinschaftung von Schulden vorstellbar.

Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

„Gemeinsame europäische Schuldversprechen verwischen Haftung und Anreize.“

Martin Wansleben, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages

„Euro-Bonds sind der falsche Weg. Denn was für ein Signal sendet man damit? Doch nur, dass man Schuldenpolitik leichter machen will.“

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank

„Euro-Bonds mit gesamtschuldnerischer Haftung verletzen das urdemokratische Prinzip von no taxation without representation.“

Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken

„Hierzu (für Gemeinschaftsanleihen, d. Red.) brauchen wir einen passenden institutionellen Rahmen, den wir noch nicht haben. Haftung darf es nur im Gegenzug zu ausreichenden Kontrollinstrumenten geben.“

Soros argumentierte, Deutschland würde von einer Stabilisierung der Eurozone profitieren. Er machte zugleich klar, dass er Eurobonds nicht für ein Allheilmittel hält. Die wirtschaftlich schwächeren Euroländer dürften in ihren Reformbemühungen nicht nachlassen. Eine Transferunion wolle niemand.

Soros hat sich in der Vergangenheit wiederholt mit starken Aussagen zur Finanzpolitik und über Investmentstrategien von sich Reden gemacht. Seinen Ruhm innerhalb der Investmentbranche begründete er Anfang der 1990er Jahre mit seinen erfolgreichen Marktwetten gegen das Britische Pfund. Sein Gesamtvermögen wird auf 20 Milliarden Dollar geschätzt. Soros gründete 1969 einen der ersten Hedgefonds überhaupt.

Von

rtr

Kommentare (43)

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wolfgangk

01.10.2013, 14:38 Uhr

Wahrscheinlich spekuliert Herr Soros gerade auf steigende Zinsen bei Bundesanleihen. Aus Sicht von Spekulanten mögen Eurobonds eine willkommene Lösung sein, aus Sicht der deutschen Steuerzahler sieht das anders aus. Warum sollten deutsche Steuerzahler für italienische Schulden bürgen, wenn das Land von einem einzelnen Mann aus egoistischen Gründen ins politische Chaos geworfen werden kann?

Account gelöscht!

01.10.2013, 14:48 Uhr

Jetzt nach der Bundestagswahl darf Soros offenbar wieder Eurobonds fordern, um damit deutsche Steuergelder (Garantien) für seine Spekulationen abzuzocken. Als er dies Anfang des Jahres machte, mußte er plötzlich bei Reuters seinen (wenig schmeichelhaften) Nachruf lesen, der leider aus Versehen "hinausging". Danach war es um Soros und Eurobonds bis jetzt ziemlich still - offenbar hat er den Wink mit dem Zaunpfahl seiner Oberbosse verstanden.

Ganz offensichtlich wurde der Zahnpfahl jetzt wieder beseitegelegt. Wir sollte wissen was dies bedeutet: neben allen Rettungsschirmen und indirekten Mechanismen (nur Target2 sei hier erwähnt) kommen jetzt die ESM Umwidmung auf Banken, die Bankenunion, die Arbeitlosengeldunion (Frankreich ist darauf ganz scharf), die Rentenunion,.....und was-auch-immer-Union, UND DAZU noch EUROBONDS.

Den internationale Feudalsozialismus in seinem Lauf....
Der Honecker hatte recht: jedenfalls haben Ochs und Esel mehrheitlich dafür gestimmt.

Account gelöscht!

01.10.2013, 14:54 Uhr

Da könnte der Chefzocker Soros recht haben. Jahrelang wurden die Pleitestaaten im Süden angefüttert, dass sie auch schön einkaufen gehen im Norden. Wenn Mutti jetzt die Fütterung einstellen muss, weil zu Hause auch Hunger herrscht, dann werden die verwöhnten Südler sehr, sehr böse.

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