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11.03.2016

14:35 Uhr

Pleite von German Pellets

Staatsanwalt ermittelt nun gegen Wirtschaftsprüfer

VonAndreas Dörnfelder, Katharina Schneider

Im Wirtschaftskrimi um den insolventen Brennstoffhersteller German Pellets aus Wismar rückt ein Wirtschaftsprüfer in den Fokus. Die Staatsanwaltschaft geht einem neuen Verdacht nach: Steuerhinterziehung.

Die Produktion steht schon seit Wochen still. dpa

Gebäude der German Pellets

Die Produktion steht schon seit Wochen still.

Düsseldorf/FrankfurtEr prüfte die Jahresabschlüsse des Konzerns. Er half als Vorstand einer Stiftung im Geflecht des Firmengründers. Und er verwaltete dessen Privatflugzeug. Der Fuldaer Wirtschaftsprüfer Hans-Dieter Alt spielt eine seltsame Rolle im Wirtschaftskrimi um die Pleite des Wismarer Holzverarbeiters German Pellets, bei dem mindestens 17.000 Anleger um mehr als 270 Millionen Euro bangen.

Nun interessiert sich die Staatsanwaltschaft Rostock für die Geschäfte des Mannes, der seit Juli 2015 das Bundesverdienstkreuz trägt und für die CDU im Fuldaer Stadtrat sitzt. Wie ein Sprecher der Behörde dem Handelsblatt bestätigte, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Wirtschaftsprüfer von German Pellets wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

German Pellets: Chronik einer Pleite

Wie alles begann

2005 gründet Peter Leibold im Alter von 47 Jahren in Wismar an der Ostsee ein Werk für Holzpellets. Die aus Sägespänen und Holzresten gepressten Stifte werden vor allem als Brennmittel in Heizöfen verwendet.

Exzessives Wachstum

2012: German Pellets hat FireStixx übernommen und betreibt inzwischen mehrere Werke. Das Unternehmen erhöht den Umsatz angeblich von 286,1 Millionen (2011) auf 519,1 Millionen Euro. Nach einer ersten Anleihe, mit der das Unternehmen 80 Millionen Euro einsammelte, begibt der Brennstoffhersteller nun verstärkt (eigenkapitalähnliche) Genussrechte. Das Volumen an Genussrechten steigt in den kommenden Jahren von fünf auf 44 Millionen Euro.

Private US-Geschäfte

2013: Familie Leibold eröffnet ein Werk in Texas (USA) und startet den Bau des US-Werks Louisiana, das 2015 in Betrieb geht. German Pellets sammelt mit einer neuen Anleihe 72 Millionen Euro ein und begibt Genussrechte für 13,2 Millionen Euro. Das Anleihevolumen steigt später auf mehr als 226 Millionen Euro.

Die Krise beginnt

Sommer 2015: Peter Leibold meldet zum Halbjahr ein Umsatzplus um elf Prozent auf 294 Millionen und einen operativen Gewinn von 26 Millionen Euro. Doch das Unternehmen hat inzwischen 443 Millionen Euro Schulden. German Pellets braucht frisches Eigenkapital. Im Herbst will der Brennstoffhersteller Anleger dazu verleiten, ihre (vorrangigen) Anleihen in (nachrangige) Genussrechte zu wandeln. Creditreform errechnet eine Eigenkapitalquote von nur noch 5,4 Prozent.

Der Insolvenzantrag

10. Februar 2016: German Pellets beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Schwerin lehnt ab und ordnet vorerst ein klassisches Verfahren an. Bettina Schmudde wird vorläufige Verwalterin. Mehrere Töchter und das US-Werk Louisiana sind später ebenfalls insolvent. Zuvor hatten Lieferanten und Mitarbeiter vergeblich auf Geld gewartet. Die Finanzaufsicht Bafin untersagte dem Unternehmen den Handel mit Genussrechten. Eine für 10. Februar angesetzte Gläubigerversammlung sagte German Pellets kurzfristig ab.

Der Wirtschaftskrimi

12. Februar 2016: Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt gegen Peter Leibold wegen Verdachts auf Unterschlagung. Der Wiener Finanzier MCF Commodities hatte Strafanzeige gestellt, weil ihm wegen unbezahlter Rechnungen angeblich ein Schaden in Höhe von 27 Millionen Euro entstanden sein soll. Peter Leibold schweigt zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.


Steuerhinterziehung: Dieser Aspekt ist neu. Wie das Handelsblatt erfuhr, soll German Pellets-Chef Peter Leibold mit zwei verbundenen Gesellschaften in Italien und Dänemark durch interne Abrechnungen Erträge von rund zwölf Millionen Euro generiert haben. Darauf hätten eigentlich Umsatz- und Kapitalertragssteuern abgeführt werden müssen, heißt es. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft kommentierte die Informationen nicht.
Die Ermittler waren bislang neben einer möglichen Unterschlagung von 27 Millionen Euro zu Lasten eines Finanziers auch dem Verdacht der Insolvenzverschleppung, der Untreue und des Bankrotts nachgegangen. Nun haben die Strafverfolger ihre Ermittlungen ausgeweitet. Peter Leibold ist für die Öffentlichkeit seit Wochen nicht zu erreichen. Seine Sprecherin sagte, ihr sei zu den Ermittlungen nichts bekannt.

German Pellets-Chef Leibold: Ein Pleitier hebt ab

German Pellets-Chef Leibold

Premium Ein Pleitier hebt ab

Während die Insolvenzverwalterin von German Pellets nach neuen Geldquellen sucht, tourt der alte Chef Peter Leibold in seinem Privatflugzeug quer durch Europa. Eine seltsame Rolle spielt dabei sein Wirtschaftsprüfer.

Hans-Dieter Alt war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Bei einer früheren Anfrage hatte er erklärt: „Ich habe der Staatsanwaltschaft gegenüber zugesagt, diese bei der Aufklärung der Sachverhalte zu unterstützen. Damit einher geht nach dem Verständnis der Staatsanwaltschaft wie auch meines Anwalts, dass ich zuerst und zunächst ausschließlich Fragen der Staatsanwaltschaft wo immer möglich beantworten werde und diesem Ablauf nicht durch öffentliche Stellungnahmen medial vorgreifen soll und werde.“

Die Aussage von Alt hatte bei den Ermittlern für Verwunderung gesorgt. Eine solche Absprache zwischen Staatsanwaltschaft und Herrn Alt habe es nie gegeben, sagte ein Sprecher der Behörde.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

11.03.2016, 14:43 Uhr

German Pellets ist ja nich das erste und wird auch nicht das letzte "Marktfeindliche" Unternehmen sein, dass auf den Rücken der Steuerzahler und Verbraucher in der sog. Erneuerbaren Energiebranche Insolvenz bzw. Insolvenzverschleppung begangen hat...wie war das nochmal mit Prokon.....u.a.?!

Herr Holger Narrog

11.03.2016, 15:03 Uhr

es ist normal, dass Illusionen kommunikativ begabte Mitmenschen anziehen die solche in persönlichen Wohlstand verwandeln. Viele die an solch abwegige Visionen wie "Klimawandel", "Erneuerbare Energien" zu begeistern sind lassen sich auch andere Visionen verkaufen. Zahlreiche der einstigen Verkäufer des Grauen Marktes sind in die "Erneuerbaren Energien"* gewechselt.

*Erneuerbare Energien gibt es gem. den Naturwissenschaften, 1 HS der Thermodynamik natürlich nicht. Die Initiatoren haben den Begriff gewählt um deutlich zu machen dass man sich von den Limitationen der Technik und Ökonomie gelöst hat. Wertlose und umweltschädliche Windmühlen und Solaranlagen werden als "Erneuerbare Energien" beziechnet.

Baron v. Fink

11.03.2016, 16:51 Uhr

Holz verbrennen ist in einem überbevölkertem Land völlig idiotisch, es stinkt landauf landab nach Rauch von diesem Zeug. Der Staatsanwalt sollte mal zu den politischen Entscheidungsträger gehen.

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