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17.04.2013

14:54 Uhr

Pleitebank

Lehman-Kunden bekommen mehr Geld zurück

Kunden der Pleite-Investmentbank Lehman Brothers können auf die Auszahlungen weiterer 15 Milliarden Dollar hoffen. Darauf mussten sie viereinhalb Jahre lang warten.

Die Zentrale von Lehman Brothers in New York. dpa

Die Zentrale von Lehman Brothers in New York.

New YorkVier Jahre nach der Pleite von Lehman Brothers können nun auch Großanleger entschädigt werden, die mit der US-Investmentbank gehandelt haben. Nach der Billigung eines Vergleichs zwischen mehreren Konzern-Gesellschaften durch Insolvenzrichter James Peck können 15 Milliarden Dollar an Kunden der Handelssparte Lehman Brothers Inc ausgezahlt werden. Der dafür zuständige Treuhänder James Giddens sprach von einem "Meilenstein" in einem komplexen Prozess. Kleinanleger waren bereits kurz nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008 ausgezahlt worden.

Dass es für die Großkunden so lange gedauert hat, lag an Rechtsstreitigkeiten zwischen den verschiedenen Gesellschaften im Lehman-Konzern. Die Muttergesellschaft Lehman Brothers Holdings hatte beim eigenen Brokerhaus ursprünglich Ansprüche über 19,9 Milliarden Dollar angemeldet, muss sich nun aber mit 2,3 Milliarden begnügen. Für die Europa-Tochter, die in Großbritannien abgewickelt wird, bleiben von 24 Milliarden nur neun Milliarden Dollar. Sobald ein britisches Gericht am 1. Mai der Einigung zugestimmt hat, kann Giddens nach eigenen Angaben mit der Auszahlung beginnen. Unbesicherte Gläubiger von Lehman Brothers müssen abwarten, ob nach der Auszahlung an die Kunden noch etwas für sie übrig bleibt.

Die Lehren aus der Lehman-Pleite

Keine weißen Schafe

Vier Jahre nach der Pleite der Investmentbank Lehman laufen immer noch Prozesse wegen Falschberatung. Bankberater haben damals Zertifikate an arglose Anleger verkauft, die ihr Geld in Sicherheit sehen wollten. In den meisten Fällen lehnten Banken eine Entschädigung ab. Seitdem gelten Lehman-Zertifikate ein Symbol für schlechte, rechtlich Fragwürdige Bankberatung.

Die Verbraucherzentrale NRW hat sich gefragt, was Anleger aus der Lehman-Pleite lernen können. Die erste Lehre aus der Pleite lautet: Es gibt keine weißen Schafe unter den Banken. „Beratungsfehler und fragwürdige Anlageprodukte sind in allen Bankengruppen zu finden“. Lehman-Zertifikate wurden sowohl von Sparkassen und Genossenschaftsbanken verkauft, wie auch von den Privatbanken.

Senioren als Opfer

Traurig aber wahr: Unter den Opfern von Falschberatung befinden sich laut Verbraucherschützern überdurchschnittlich viele alte Menschen. Ein großer Teil der Lehman-Opfer war älter als 60 Jahre, Senioren haben überdurchschnittlich oft sehr komplizierte und intransparente Produkte im Portfolio. „Offensichtlich wurde von manchen Bankberatern die Tatsache, dass gerade ältere Menschen der Bank ein besonderes Vertrauen entgegenbringen, skrupellos ausgenutzt“.

Ahnungslose Verkäufer

Die Verbraucherschützer beobachten in den Lehman-Prozessen eine Unwissenheit der Vermittler. „Oft haben nicht einmal die Bankberater die Funktionsweise von komplizierten Anlagezertifikaten verstanden“. Trotzdem haben die ahnungslosen Banker die Zertifikate an die noch schlechter informierten Kunden vermittelt. Bankkunden dürfen also nicht darauf vertrauen, dass Banker verstehen, was sie tun.

Aus den Augen aus dem Sinn

Kunden sollten nicht erwarten, dass der Banker seine Interessen wahrt. „Kaum ein Anlageberater hat in den kritischen Monaten vor der Lehman-Insolvenz, als schon in der Finanzpresse vor den Liquiditätsproblemen der US-Bank gewarnt wurde, seine Kunden kontaktiert und ihnen empfohlen, Lehman-Anlagezertifikate aus Sicherheitsgründen abzustoßen", erklären die Verbraucherschützer. Eigentlich gehört eine solche Warnung zu einer seriöser Kundenbetreuung dazu. Anlegern bleibt nichts anderes übrig, als sich selbstständig auf dem laufenden zu halten. Das funktioniert etwa mittels Lektüre relevanter Finanzpublikationen wie dem Handelsblatt.

Selbst ist der Mann

Denn der Berater muss das Portfolio der Kunden nicht durchweg betreuen. „Die Beratung endet vor dem Kauf der Papiere und erzeugt keine nachgelagerten Pflichten“. In der Geldanlage gilt wie im Leben:

Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Die Handelssparte von Lehman war getrennt von der Holding liquidiert worden, weil es für die Abwicklung von Brokern in den USA ein eigenes Gesetz gibt. Das operative Broker-Geschäft in den USA war größtenteils an die britische Bank Barclays gegangen.

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Die Muttergesellschaft Lehman Brothers Holdings ist gerade dabei, 65 Milliarden Dollar nach einem Insolvenzplan an ihre Gläubiger auszuschütten. Dazu gehört auch die deutsche Lehman Brothers Bankhaus AG, über die die US-Investmentbank einen Großteil ihres Kreditgeschäfts abgewickelt hatte. Die Lehman-Zertifikate, die die Bank an viele Privatkunden verkauft hatte, wiederum kommen von der niederländischen Tochter. Die Europa-Tochter hatte Anfang der Woche erklärt, sie könne die Ansprüche ihrer Gläubiger womöglich vollständig bedienen.

Von

rtr

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