Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.03.2006

07:00 Uhr

Politisches Risiko bleibt

Teure Latino-Bonds

VonAnne Grüttner

Die Schuldenrückkäufe einiger lateinamerikanischer Länder und die angeschwollenen Devisenreserven der Region versetzen Analysten und Anleger gleichermaßen in Begeisterung. Selten waren lateinamerikanische Anleihen und Aktien so begehrt. Selten waren die Risikoaufschläge für Latino-Bonds gegenüber den als sicher geltenden US-Schatzanleihen so niedrig.

BUENOS AIRES. In der Tat bietet sich insbesondere in den rohstoffreichen Volkswirtschaften Südamerikas derzeit ein rosiges Bild. Die Nachfrage Chinas nach Rohstoffen scheint schier unbegrenzt. Zunehmend tritt auch Indien als Rohstoffabnehmer und Investor in der Region auf. Das anziehende Wachstum in den USA und Europa tut ein Übriges, um die Rohstoffmärkte anzukurbeln. Entsprechend verzeichnet Südamerika hohe Exportüberschüsse. Die kommen über staatliche Rohstoffunternehmen oder Exportsteuern zum Teil auch dem Fiskus zugute. Angesichts des Rohstoffbooms scheint selbst das Anziehen der Zinsschraube in den USA nicht wie früher Ängste vor einer erneuten Krisenwelle in Südamerika auszulösen.

Hinzu kommt, dass die großen südamerikanischen Länder einige Lektionen aus vergangenen Finanzkrisen gelernt haben. Hohe Haushaltsdefizite sind spätestens seit dem argentinischen Zusammenbruch im Jahr 2002 tabu. Auch Linksregierungen wie die des Argentiniers Nestor Kirchner oder des brasilianischen Präsidenten Lula fahren eine orthodoxe Haushaltspolitik.

Zudem stocken die lateinamerikanischen Regierungen ihre Devisenreserven bewusst kräftig auf – als Puffer gegen plötzliche externe Schocks oder um einer Aufwertung ihrer Währungen entgegenzuwirken. Die gesamten Devisenreserven der sechs größten lateinamerikanischen Volkswirtschaften stiegen von 134 Mrd. Dollar Ende 2001 bereits auf etwa 223 Mrd. Dollar Ende 2005. Mehr als die Hälfte dieser Summe entfällt auf Mexiko und Brasilien, doch sind die Reserven in allen sechs Ländern auf historisch hohem Niveau. Alle diese Länder können mit ihren Reserven die kurzfristigen Import- und Schuldverpflichtungen bequem abdecken.

Doch obwohl die Zahlen gut aussehen und sich eine gewisse wirtschaftspolitische Orthodoxie in der Region breit gemacht zu haben scheint, ist das politische Risiko nicht zu unterschätzen. Einige Beobachter sind der Ansicht, dass die historisch niedrigen Zinsaufschläge auf Latino-Anleihen dieses Risiko nicht mehr adäquat reflektieren. Zwar ist die politische Lage etwa in Brasilien, Chile, Argentinien und Kolumbien recht stabil. Doch die Launen von Venezuelas Präsidenten Hugo Chavez, die Schwäche der Regierung in Ecuador und die Risiken bei den anstehenden Wahlen in Peru sollten die Anleger nicht unterschätzen, auch wenn die Exporteinnahmen und Devisenreserven noch so hoch sind.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×