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24.09.2014

14:29 Uhr

Pro

Dem Mutigen gehört die Stunde

VonRobert Landgraf

Wenn Anleger nur Negatives sehen und nicht abwägen zwischen dem, was schlecht ist, und Argumenten, die für Börsengänge sprechen, sollten sie ihr Geld gleich unter das Kopfkissen legen. Das gilt auch für Rocket Internet.

Rocket Internet hat große Ziele: Der Börsengang im Oktober soll das Internet-Unternehmen in eine neue Dimension katapultieren. Reuters

Rocket Internet hat große Ziele: Der Börsengang im Oktober soll das Internet-Unternehmen in eine neue Dimension katapultieren.

DüsseldorfEin Hoch auf die Bedenkenträger. Was gibt es nicht alles für Gründe, nicht in Aktien wie Alibaba und Zalando zu investieren. Bleiben wir bei Alibaba: Die rechtliche Struktur des Internetkonzerns sät Misstrauen mit einer Holding auf den Kaimaninseln, einer Steueroase, und Gesellschaften in China. Ohnehin weiß keiner, wie die chinesische Regierung in ein, zwei Jahren zu Alibaba steht. Vielleicht verbietet sie die Internetplattform. Außerdem bringt das wenig gefestigte chinesische Rechtssystem große Unsicherheiten mit sich. Gleichzeitig machen die Altaktionäre Kasse. Ein schlechtes Zeichen. Das haben wir doch in Zeiten der Blase am Neuen Markt schon gesehen. Alles gute Argumente. Aber geschenkt.

Ernsthaft. Wenn Anleger immer nur das Negative herauspicken und nicht wirklich abwägen zwischen dem, was schlecht ist, und Argumenten, die für ein Investment sprechen, sollten sie ihr Geld am besten gleich unter das Kopfkissen legen. Aber Vorsicht: Da kann es schnell gestohlen werden. Fakt ist, Aktien wie speziell Alibaba haben eine Menge zu bieten. Zuallererst geht es um die riesigen (leider oftmals auch strapazierten) Wachstumschancen in China. Davon profitiert die Internetplattform bereits heute, wie sich an den saftigen Gewinnen ablesen lässt. Und das Wachstum sollte gigantisch bleiben.

Gesetzt den Fall, Alibaba kann den Marktanteil von 50 bis 60 Prozent halten, dann bleibt das Unternehmen eine Gewinnmaschine, denn der Siegeszug des Internets als Verkaufsplattform geht weiter. Ein Anteil von 30 bis 40 Prozent an allen Verkäufen erscheint realistisch. 500 Millionen Chinesen sind noch nicht online. Das entspricht der Bevölkerung Europas!

9 Tipps die Sie bei Neuemissionen beachten sollten

Tipp 1

Ob Twitter, Facebook, Rocket Internet  oder Alibaba: IPOs üben immer wieder einen großen Reiz auf Anleger aus. Doch es gibt einiges zu beachten, damit man sich an den Börsenneulingen nicht die Finger verbrennt. Beispielsweise: Wie soll der Emissionserlös, der Gewinn aus den Aktienverkäufen, verwendet werden? Fließt das Geld in das Unternehmen oder werden lediglich die Interessen Dritter befriedigt?

Tipp 2

Wie lange wollen die Altaktionäre ihre Anteile halten? An den Lock-up- oder Haltefristen können Sie gut erkennen, ob das Management an einen langfristigen Erfolg des Unternehmens glaubt oder nur auf einen kurzfristigen Kursgewinn spekuliert.

Tipp 3

Ist die Höhe des Emissionspreises, der Preis für die Aktien, angemessen im Vergleich zu anderen, ähnlichen Unternehmen aus der Branche? Ist das Unternehmen damit fair bewertet oder künstlich hochgespielt?

Tipp 4

Wie sehen die Umsatz- und Gewinnzahlen, die Kennziffern des Unternehmens in der Vergangenheit aus? Aber Vorsicht. In manchen wachstumskräftigen, aber riskanten Branchen (etwa in der Biotechnologie) ist es durchaus üblich, dass Unternehmen jahrelang Verluste einfahren, und trotzdem könnte eine Aktie zu empfehlen sein.

Tipp 5

Gibt es für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens tatsächlich einen Bedarf, gibt es genügend Abnehmer? Nicht jede tolle Idee ist bei näherer Betrachtung auch wirklich marktfähig.

Tipp 6

Wie sieht die Konkurrenzsituation aus? Gibt es starke Wettbewerber mit hoher finanzieller Schlagkraft?

Tipp 7

Welchen Eindruck macht das Management auf Sie? Verfügt es über genügend Erfahrung und Kompetenz?

Tipp 8

Wie professionell kommuniziert das Unternehmen nach außen? Sind die Botschaften kompetent, stringent und informativ?

Tipp 9

Verstehen Sie die Geschäftsidee? Wenn nicht, dann sollten Sie auf diese Aktie verzichten und anderen den Vorzug geben/lassen.

Die Quelle

Den Börsengang von Alibaba deshalb als einen Markstein in der Entwicklung der weltweiten Onlineaktivitäten zu bezeichnen ist sicherlich nicht zu weit gegriffen. Und machen wir uns nichts vor: In einem Jahrzehnt wird der Wettbewerb im Internet nicht mehr gesondert im Westen und etwa auch in Asien stattfinden, sondern weltweit, überall. Mit der Aktienemission positionieren sich Jack Ma und seine Manager gerade hierfür. Trotz der enormen Chancen in China werden die USA sicherlich und auch zu Recht zu den nächsten Zielen gehören, wo es zu wachsen gilt. Alibaba ist irgendwie eine Mischung aus Ebay und Paypal und hat im Vergleich zu Amazon höhere Margen zu bieten, da es keine Infrastruktur wie Logistikzentren besitzt. Hinzu kommt, dass die Bewertung mit einem Verhältnis von Emissionskurs zu Gewinn von 24 zwar gewiss kein Schnäppchen darstellt, aber immer noch günstiger ist als bei anderen Internet-Titeln wie Facebook oder Google.

Was für Alibaba gilt, lässt sich in gewisser Weise auch auf andere Internetfirmen wie Zalando oder Rocket Internet übertragen. Allerdings gilt es, noch genauer hinzusehen und das Geschäftsmodell zu analysieren. Hier handelt es sich nicht um Weltkonzerne. Deswegen sind Fragen wichtig wie: Was ist das Alleinstellungsmerkmal? Wann wird die Gewinnschwelle erreicht? Dient das Geld aus dem Börsengang dem Wachstum? Wer führt die Firmen? Zufriedenstellende Antworten sind nötig. Erst dann lohnt es sich zu investieren, am besten nicht direkt, sondern in der Form von Fonds, die sich etwa auf Internetfirmen spezialisiert haben. Dann macht das Investment Freude in einer Zeit, in der Cash keine Rendite mehr abwirft und der Kauf von Anleihen auch keinen Sinn ergibt. Mit der erwarteten Zinserhöhung der US-Notenbank Fed drohen hier kräftige Kursverluste. Dieses Risiko lässt sich angesichts der Minizinsen nicht auffangen. Es bleiben lediglich Aktien.

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