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10.02.2016

11:27 Uhr

Probleme mit Mittelstandsanleihen

German Pellets steht kurz vor der Pleite

VonAndreas Dörnfelder, Gertrud Hussla, Katharina Schneider

Nach Informationen des Handelsblatts steht der Brennstoffhersteller German Pellets offenbar kurz vor der Pleite. Laut Gläubigerkreisen soll das Unternehmen für heute planen, einen Antrag auf Eigenverwaltung zu stellen.

Hier wurden noch Holzspäne für die Herstellung von Pellets angeliefert. dpa

German Pellets

Hier wurden noch Holzspäne für die Herstellung von Pellets angeliefert.

Düsseldorf/FrankfurtDer Brennstoffhersteller German Pellets steht offenbar kurz vor der Pleite. Nach Informationen des Handelsblatts aus Gläubigerkreisen soll das Unternehmen planen, an diesem Mittwoch einen Antrag auf Eigenverwaltung zu stellen. Stimmt das Insolvenzgericht zu, könnte German Pellets seine Insolvenzmasse unter Aufsicht eines Sachwalters selbst verwalten. Eine Sprecherin von German Pellets äußerte sich auf Anfrage nicht dazu.

Der Schritt soll nach Handelsblatt-Informationen auf Initiative des Sanierungsexperten Frank Günther von der Münchener Agentur One Square Advisors geschehen, die German Pellets seit einiger Zeit berät. Günther soll vorübergehend auch in die Geschäftsführung von German Pellets berufen werden. Frank Günther selbst war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

German Pellets - Fakten zum Unternehmen

Gründungsjahr

Gegründet wurde German Pellets erst im Jahr 2005 in Wismar. Zuvor hatte Leibold bereits als Geschäftsführer eines Sägewerks Erfahrung in der Holzindustrie gesammelt.

Geschichte

Vor allem durch Zukäufe ist German Pellets in relativ kurzer Zeit stark gewachsen. Dabei profitierte das Unternehmen unter anderem davon, dass Holzpellets als CO2-neutral gelten. Das ist ein Grund, weshalb etwa die Anschaffung von Pellet-Heizungen gefördert wird.

Im Jahr 2016 kollabiert die Firma, sie meldet im Februar Insolvenz an.

Geschäftsentwicklung

Die Firma verzeichnete bis zum Zusammenbruch ein rasantes Wachstum und kratzte zeitweise an der 600-Millionen-Euro-Umsatzmarke. Im Jahr 2011 waren es noch 286 Millionen Euro.

Eigner und Führung

German Pellets gehörte zu 60 Prozent Peter Leibold und zu 40 Prozent seiner Frau Anna Kathrin. Peter Leibold arbeitete als Geschäftsführer, seine Frau hatte sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Tochter Kathrin Leibold führte eine Tochterfirma, die Tiereinstreu vermarktete.

Beschäftigte und Standorte

German Pellets beschäftigte 650 Mitarbeiter. Die Zentrale liegt in Wismar in unmittelbarer Nähe zum Hafen, dort ist auch eine Pellets-Produktion. Weitere 13 Standorte sind in Deutschland verteilt, die beiden größten im Land sind neben Wismar Herbrechtingen und Ettenheim (beide Baden-Württemberg).

Im Jahr 2013 ging die größte Fabrik aber in den USA an den Start mit einer Produktionskapazität von 550.000 Tonnen Pellets pro Jahr (fast ein Viertel der Gesamtkapazität). Ein noch einmal doppelt so großes Werk entstand in Louisiana.

Produkte

Die Firma produziert Holzpellets. Dazu werden Holzspäne unter hohem Druck zu zäpfchengroßen Stäbchen gepresst. Diese werden zur Verbrennung in Kaminöfen, Heizungen, Biomassekraftwerken und als Beimischungen in fossilen Kraftwerken eingesetzt. Die Marke „FireStixx“ gehört zum German-Pellets-Portfolio.

Am Dienstag hatte German Pellets die für Mittwoch angekündigte Versammlung für Anleihegläubiger überraschend abgesagt. Tausende Anleger liehen dem Unternehmen insgesamt 226 Millionen Euro. Am 1. April läuft eine Anleihe aus (WKN: A1H3J6), für die der Brennstoffhersteller 7,25 Prozent Zinsen pro Jahr in Aussicht gestellt hatte.

Die drohende Pleite von German Pellets wäre eine weitere große Insolvenz in der schillernden Branche der Erneuerbaren Energie. Im Hintergrund soll sich bereits eine Art vorläufiger Gläubigerausschuss bilden. Diesem sollen nach Handelsblatt-Informationen unter anderen die Commerzbank, die Kreditversicherer Euler Hermes und Coface, ein Arbeitnehmervertreter, sowie die Bundesagentur für Arbeit angehören.

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Dass bei German Pellets etwas nicht stimmt, ließ seit Mitte Januar bereits der Einbruch der Anleihekurse vermuten. Zum Jahresanfang stand die im April fällige Anleihe noch bei 96 Prozent, Ende Januar notierte sie bei knapp 17 Prozent und sackte bis Mittwochmittag auf nur noch rund ein Prozent ihres Nennwertes ab.

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