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19.01.2004

08:35 Uhr

Profi-Anleger kommen um ABS-Produkte kaum noch herum

Besicherte Anleihen sind begehrte Papiere

VonAndrea Cünen (Handelsblatt)

Der Markt für mit Forderungen besicherten Anleihen (Asset Backed Securities, ABS) wächst unaufhaltsam. Als Grundlage der Wertpapiere kann fast alles dienen, was in der Zukunft Einnahmen bringt: Immobilien, Kreditkarten, Autokredite oder sogar ganze Unternehmen und Unternehmensumsätze. So gibt es ABS der britischen Pubmaster Group, die tausende Kneipen betreibt, der Really Useful Group, die Theater in England unterhält, und des zweitgrößten britischen Bestattungsunternehmens Dignity.

FRANKFURT/M. Im vergangenen Jahr wurden in Europa nach Berechnungen der Citigroup ABS über 193 Mrd. Euro begeben und damit 38 % mehr als im Vorjahr. „In diesem Jahr ist ein Wachstum von nochmal 20 bis 25 % nicht unrealistisch“, sagt Jens Schendzielorz, der bei der Citigroup institutionellen Anlegern ABS verkauft. Der Markt wachse so stark, dass professionelle Investoren es sich kaum leisten könnten, diese Anlagen in mit Forderungen besicherten Anleihen zu vernachlässigen.

Bei Asset Backed Securites übertragen Banken, Unternehmen oder auch Staaten künftige Einnahmen an eine Zweckgesellschaft. Die begibt auf diese verbrieften Forderungen Anleihen. Die werden in verschiedene Tranchen aufgeteilt, die so strukturiert sind, dass ein Großteil der Emission die sehr guten bis guten Ratings Dreifach-A bis Einfach-A bekommt. Dabei wird ausgerechnet, welcher Prozentsatz der Papiere statistisch gesehen ausfällt. Dieser Teil wird in eine schlecht bewertete – und entsprechend höher verzinste – Tranche gepackt. Was dann übrig bleibt, bekommt gute Ratings

.

Das ist nicht unkompliziert. „Der Beratungsbedarf bei Asset Backed Securities ist sehr hoch, die Papiere verkaufen sich nicht so leicht wie zum Beispiel Staatsanleihen“, sagt Schendzielorz. „Seit Mitte vergangenen Jahres ist das Interesse der Investoren nochmals deutlich gestiegen. Viele Fonds, Versicherungen und Banken sehen sich ABS an.“ Das meint auch Mirja Wenski, Portfoliomanagerin bei der auf Verbriefungen spezialisierten Fondsgesellschaft Zais Group Investment Advisors Limited. „Die Nachfrage nach ABS hat sich enorm erhöht. Das zeigt sich daran, dass viele ABS-Transaktionen zum Teil bis zu sechsfach überzeichnet sind.“

In Zeiten niedriger Zinsen betrachten viele Anleger ABS als Alternative zum Geldmarkt, zu Staats- oder Unternehmensanleihen. So lassen sich für gut bewertete Tranchen bis zu 1,2 Prozentpunkte mehr Rendite als am Geldmarkt verdienen. Im Vergleich zu mit der besten Bonitätsnote bewerteten Unternehmensanleihen wie zum Beispiel Nestlé bieten ABS ebenfalls ein Renditeplus.

Steigende Bedeutung der ABS

Für die besicherten Papiere spricht auch, dass sie relativ stabil sind. Im Vergleich zu Unternehmensbonds ändern sich die Ratings kaum, und auch die Kurse schwanken nicht so stark. Das hängt auch damit zusammen, dass die meisten ABS variabel verzinst werden.

„Zur Popularität der mit Forderungen besicherten Bonds hat auch die Auflegung von ABS-Fonds beigetragen, meint Schendzielorz von der Citigroup. Im vergangenen Jahr haben unter anderem Cominvest, DWS, HSBC Trinkaus Capital Management und Lazard ABS-Fonds aufgelegt. Diese richten sich an professionelle Investoren. Auch Privatanleger können in diese Fonds einsteigen, die Mindestanlagesumme liegt allerdings bei bis zu 1 Mill. Euro.

Die steigende Bedeutung der ABS in Europa zeigt sich auch daran, dass die US-Investmentbank Lehman Brothers jetzt als erstes Haus einen Index für europäische ABS aufgelegt hat. „Investoren suchen nach einer Möglichkeit, um die Entwicklung ihres Portfolios absolut gesehen und im Vergleich zu einem richtungweisenden Index messen zu können“, sagt Krishna Prasad, Leiter des Researchs für strukturierte Finanzierungen bei Lehman.

Den größten Anteil an ABS haben mit Forderungen auf private Wohnimmobilien besicherte Anleihen, so genannte Residential Mortgage Backed Securities (RMBS). „Diese Papiere sind bekannt, liquide und recht einfach zu analysieren“, sagt Wenski von Zais. Die Renditeaufschläge seien deshalb aber auch relativ gering. Wenski investiert auch in komplexere ABS-Strukturen, wie die Verbriefung von Unternehmen- bzw. Unternehmensumsätzen. „Diese bieten attraktive Renditeaufschläge bei hohem Analyseaufwand“, sagt die Fondsmanagerin.

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