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03.04.2006

18:45 Uhr

Quartalsbilanzen

Europa hängt die Wall Street ab

VonUlf Sommer

Die Hausse nährt die Hausse. Auf diese Börsenweisheit lässt sich die dynamische Entwicklung der Finanzmärkte im ersten Quartal bringen. Wie schon im Vorjahr schlugen Europäer die Amerikaner. Während der richtungsweisende S&P-500-Index lediglich ein Plus von knapp fünf Prozent erzielte, schaffte der Deutsche Aktienindex (Dax) doppelt so viel.

DÜSSELDORF. Dabei holen deutsche Aktien immer noch ihren dramatischen Verlust während der Talfahrt bis zum Frühjahr 2003 auf. Binnen drei Jahren hatte der Dax drei Viertel seines Wertes verloren. Inzwischen legte er 170 Prozent zu, ist aber immer noch 35 Prozent von seinem Hoch im Jahr 2000 entfernt. Dieses nehmen amerikanische Aktien wieder ins Visier. Dem Dow Jones fehlen noch weniger als fünf Prozent.

Nährten 2005 vor allem steigende Firmengewinne und die niedrige Bewertung die Hausse, so waren es in den ersten drei Monaten vor allem spektakuläre Fusionen, entsprechende Ankündigungen und anhaltende Spekulationen darüber. In den USA stand die lange Zeit gebeutelte Telekommunikationsbranche im Fokus. AT&T kündigte die Übernahme von Bell South an. Der Dow-Wert AT&T kletterte um elf Prozent.

In Europa steht Schering ganz weit vorne. Erst bot Merck für den Berliner Pharma-Konzern, dann legte Bayer noch zwei Mrd. Euro drauf. Das bescherte der Schering-Aktie ein Plus von mehr als 50 Prozent. Derartige Zuwächse innerhalb eines Quartals waren im Dax zuletzt in der Boomzeit bis zum Jahr 2000 üblich.

Auffällig ist in Europa, dass die Telekomwerte erneut ganz weit unten stehen. Die vier ehemaligen Staatskonzerne France Télécom, Telecom Italia, Telefónica und Deutsche Telekom verloren zwischen zwei und zwölf Prozent. Bereits im vergangenen Jahr zierten die Telekom-Riesen die Verliererliste im europäischen Stoxx 50.

Ursache sind nicht etwa enttäuschende Quartalsergebnisse. Nach wie vor verdienen die Firmen kräftig. Hohe Dividendenrenditen von mehr als fünf Prozent und eine niedrige Bewertung hinsichtlich des Kurs-Gewinn-Verhältnisses machen die Telekom-Anbieter auf den ersten Blick interessant. Doch viele Anleger sorgen sich um die Zukunft und suchen eine Antwort auf die Frage, wie die Konzerne in Zukunft Geld verdienen wollen. Nach den Festnetztarifen kommen auch die Handygpreise kräftig ins Rutschen. Telefonieren übers Internet belastet zusätzlich. France Telecom hatte im vergangenen Quartal auf diese Gefahren hingewiesen.

Ebenso wie die Verlierer bleiben auch die Gewinner gleich. Der M-Dax sticht wieder mal alle Indizes aus. Die Aktien der zweiten Reihe legten durchschnittlich um 17 Prozent zu. Mit über 8 600 Punkten notiert der MDax so hoch wie noch nie. Anleger honorieren, dass die Unternehmensgewinne noch stärker als im Dax steigen. Die höhere Bewertung als in der ersten Börsenliga stört sie bislang nicht.

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