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20.01.2005

07:01 Uhr

Rabattschlachten und fallende Preise spiegeln eine gefährliche Wirtschaftslage wider

Querdenker glauben an Anleihen

VonIngo Narat

Das Paradies für Konsumenten: Rabatte allerorten. Kein Shopping ohne Prozente. Ein-Euro-Läden schießen wie Pilze aus dem Boden. Jetzt lockt noch der Winter-Schlussverkauf. Der Käufer jubelt. Und der Anleger?

FRANKFURT. Der muss noch weniger ausgeben, kann dafür mehr investieren. Mit guten Aussichten. Die meisten Börsenexperten steuern strammen Optimistenkurs. Sie glauben fest an Konjunktur und Aktienmärkte, sehen Zinsen und Renditen auf leichter Klettertour.

Von der Zinswende nach oben beispielsweise sind mehr als neun von zehn Fachleuten überzeugt. Das belegt die jüngste Umfrage von Merrill Lynch unter internationalen Geldverwaltern. Aber der Blick über den großen Teich und nach Asien lässt Böses ahnen. Der US-Privathaushalt hängt an der Niedrigzinspolitik des Notenbankchefs Alan Greenspan wie der Süchtige an der Nadel. Geld ist grenzenlos verfügbar. Und wenn heute etwas zu teuer ist, macht das nichts: Morgen ist es billiger. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Unbetäubt würde der US-Patient erschrocken auf die eigene Überschuldung und Null-Sparquote blicken.

Das Horrorszenario für Börsianer: Die Haushalte machen eine Entziehungskur, drosseln den Konsum und sparen. Das zehrt an den Unternehmensgewinnen und dämpft die Investitionen. Wenn dann auch noch China die eigene überschäumende Wirtschaft bremst, gerät der Konjunkturmotor rund um den Globus vollends ins Stottern. Eine gefährliche Abwärtsspirale nach unten kommt in Gang

.

Einige Börsianer spielen genau dieses Szenario durch. Es würde bedeuten: Entgegen der Erwartung einer großen Mehrheit bleibt der langfristige Trend fallender Renditen intakt. Zu dieser Minderheit der Querdenker gehört der angesehene US-Ökonom Gary Shilling. Bonds und Bargeld zählen in seinem Ausblick zu den wenigen sicheren Häfen. Alles andere würde nach unten abdrehen: Aktien, Rohstoffe, die überteuerten Immobilien sowieso - aber der Dollar könnte die Muskeln spielen lassen.

Die Vorstellung ist unerfreulich. Aber sie würde die Stabilität der Märkte dokumentieren: In den vergangenen zwei Jahrzehnten waren im Vergleich von Anleihen und Aktien die Bonds eine besserer Anlage. Das hat die die US-Analysefirma Bianco Research vorgerechnet.

Danach spielten US-Aktien über diesen Zeitraum im Schnitt 14 Prozent pro Jahr ein. Gut, aber nicht gut genug: Eine Null-Kupon-Dollaranleihe mit langer Laufzeit brachte es auf über 21 Prozent. Diese zahlen keine Kupons. Der Ertrag ist die Differenz zwischen Tilgungssumme und Kaufkurs, der weit darunter liegt. Das Shilling-Szenario würde „Zeros“ weiter begünstigen. Denn bei normalen Bonds geht dem Anleger bei fallenden Marktrenditen Ertrag verloren: Wenn er die laufenden Kupon- Zahlungen wieder anlegt, bekommt er dafür immer niedrigere Zinsen. So garantiert die „Null“ den höchsten Ertrag.

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