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14.08.2013

09:02 Uhr

Ramsch-Aktien

Betrüger prellen Anleger um 140 Millionen Dollar

VonNils Rüdel

Frisierte Jubelmeldungen, bestochene Broker, falsche Steuerbeamte: Das FBI hat einen der größten Betrugsfälle mit geringwertigen Aktien ausgehoben. Zehntausende Anleger sollen geschädigt worden sein.

Staatsanwältin Loretta Lynch am Dienstag: Zwei Mitglieder des Betrügerrings wurden bereits verhaftet. Reuters

Staatsanwältin Loretta Lynch am Dienstag: Zwei Mitglieder des Betrügerrings wurden bereits verhaftet.

New YorkSie nannten sich „Maurizio“, „Robin Cheer“ oder „Panama Joe“. Sie benutzten Wegwerf-Handys aus dem Supermarkt. Ihre Einnahmen wickelten sie über ein weit verzweigtes Kontennetz ab, das bis in den Libanon führte. Und am Ende waren sie um rund 140 Millionen Dollar reicher. Bis das FBI vor der Tür stand und die Männer festnahm.

US-Strafverfolger haben nach eigenen Angaben einen der größten Betrugsfälle mit geringwertigen Akten – sogenannten Penny-Stocks – aufgedeckt. Sieben Männer seien in den USA und Kanada verhaftet worden, zwei von ihnen befänden sich noch auf der Flucht, darunter der Kopf der Bande, sagte die New Yorker Staatsanwältin Loretta Lynch am Dienstag. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Haft, unter anderem wegen Wertpapierbetrugs und Amtsanmaßung.

Der Vorwurf: Mit einem ausgeklügelten System blähten die Betrüger den Wert von Schrottaktien künstlich auf und zockten die geprellten Anleger noch ein zweites Mal ab, indem sie sich als Fachleute ausgaben und Hilfe versprachen. Betroffen sind demnach Zehntausende Investoren in rund 35 Ländern, darunter Irland, Südafrika und China. „Andere sehen in ihnen Bürger dieser Welt, die Beschuldigten sahen nur einen Haufen Ziele“, sagte Lynch.

Davor warnen Verbraucherschützer

Finger weg

Nicht nur Berater machen Fehler, einige Produkte sind per se nicht für alle Anleger geeignet. Vor welchen Produktklassen die Verbraucherschützer warnen.

Geschlossene Fonds

Die Kundenvertreter warnen vor den Beteiligungsmodellen des grauen Kapitalmarktes, bei denen grundsätzlich ein „sehr hohes Verlustrisiko“ bestehe. Das betrifft etwa Beteiligungen an Immobilien, Schiffen oder unternehmerischen Aktivitäten. Eine staatliche Aufsicht sei kaum vorhanden, die Kosten wenig transparent und die Vertriebsprovisionen hoch. Das Fazit: „Generell sollten Sie von solchen Kapitalanlagen die Finger lassen“.

Zertifikate

Auch von dieser Produktklasse raten die Verbraucherzentralen pauschal ab: „Meist werden Zertifikate von Banken gestrickt, um schnell auf einen modischen Anlagetrend aufspringen und den Kunden entsprechende Anlageprodukte verkaufen zu können“. Die Komplexität sei von Laien vielfach nicht nachvollziehbar. Das Fazit: „Anlagezertifikate sind Modeerscheinungen, auf die Sie ohne Not verzichten können“.

Fondsgebundene Versicherungen

Diese Anlageform soll ausschließlich dem Verkäufer nützen der „in den komplizierten Konstruktionen hervorragend jede Menge Kosten verstecken kann“. Das Fazit: Lieber gleich einen Fonds kaufen.

Außerbörsliche Wertpapiere

Eine Warnung gibt es auch vor Spezialpapieren. „Wenn ein Wertpapier nicht von einem renommierten Herausgeber stammt und ganz offiziell an der Börse gehandelt wird, sollten Sie es auf gar keinen Fall Kaufen“, raten die Verbraucherschützer. Die Erfahrung hätte gezeigt, dass die Ausfallrisiken höher und die Renditechancen niedriger seien. Das Fazit: Finger weg.

Wettgeschäfte

Zocker müssen wissen was sie tun – oder es besser lassen. Derivate, Optionsscheine oder Termingeschäfte bergen das Risiko des Totalverlustes. Hier sei es wie im Lotto. „Die allermeisten verlieren Geld, und
nur ganz wenige sind auf der Gewinnerseite“. Fazit: Nur für vermögende Glücksritter.

Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Nach Ansicht der Strafverfolger unterhielt der Betrugsring ab 2008 ein riesiges „Pump and Dump”-System (etwa: „Aufpumpen und wegwerfen“). So kauften sich die Täter zunächst im großen Stil zum Schnäppchenpreis in dubiose Start-up-Firmen ein. Danach verschickten sie Pressemitteilungen, E-Mails und Botschaften in sozialen Netzwerken, um die Unternehmen anzupreisen.

Zudem bestachen sie laut FBI mehrere Broker, damit diese bestimmte Penny-Stocks für ihre Kunden kaufen. Einer der Täter soll sich sogar mehrmals als Präsident verschiedener Unternehmen ausgegeben haben. Ein anderer belog Aufsichtsbehörden und Ermittler.

Als schließlich genug Investoren auf die Masche hereinfielen, Aktien kauften und damit den Kurs in die Höhe trieben, stießen die Betrüger ihre Papiere mit Gewinn wieder ab. Die Kurse stürzten ab, die Anleger verloren viel Geld.

Kommentare (5)

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Hagbard_Celine

14.08.2013, 10:36 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. .

yoski

14.08.2013, 12:12 Uhr

Der einzige Unterschied zu GS ist das GS Politiker kauft und sich damit jeder Strafverfolgung entzieht.

Numismatiker

14.08.2013, 12:18 Uhr

"Frisierte Jubelmeldungen,..." siehe auch :

"Das Ende der historischen Rezession" (http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/euro-krise-das-ende-der-historischen-rezession-/8636800.html"

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