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14.07.2014

16:18 Uhr

Ramsch-Anleihen

Die Zwei-Billionen-Dollar-Blase

Bei ihrer Jagd nach Rendite gehen Investoren höhere Risiken ein. Anleihen von zweifelhaften Schuldnern sind heißbegehrt. So ziemlich jeder Kreditnehmer kommt an Geld. Der Crash kommt mit Ansage.

Keine Hemmungen: Investoren schrecken vor Ramsch-Anleihen nicht zurück. Getty Images

Keine Hemmungen: Investoren schrecken vor Ramsch-Anleihen nicht zurück.

DüsseldorfIst es Sorglosigkeit oder Verzweiflung? Bei ihrer Jagd nach Rendite schrecken Investoren selbst vor hohen Risiken nicht zurück. Besonders begehrt sind sogenannte Ramsch-Anleihen, also Papiere von Schuldnern mit zweifelhafter Bonität.

Dieses Jahr wurden bereits Anleihen bonitätsschwacher Emittenten im Wert von etwa 340 Milliarden Dollar platziert. Damit sind die Emittenten auf einem guten Weg, das Rekordvolumen von 477 Milliarden Dollar aus 2013 zu übertreffen. Insgesamt ist der Markt rund zwei Billionen Dollar groß. Besonders aktiv sind derzeit europäische Emittenten: Nach Schätzungen ist fast jede dritte neue Anleihe in Europa ein Junk-Bond.

„Es erscheint definitiv so, als ob die Anleger höchst überschwänglich werden“, sagt Fred Senft, Anlagestratege bei der Key Private Bank in Cleveland. „Man kann eine Weile in diesem höchst überschwänglichen Zustand bleiben. Aber wenn sich das Blatt wendet, dann geht das schnell und es wird sehr hässlich.“

Selbst Anleihen von Staaten oder Unternehmen, die vor kurzem noch als Pleitekandidaten galten, finden Abnehmer. Beispiel Griechenland: Das Land war das Epi-Zentrum der Euro-Krise. Bei mehreren Umschuldungen verloren Gläubiger einen Großteil ihres Geldes. Doch nachdem Griechenland vier Jahre lang vom Kapitalmarkt abgeschnitten war, wagte es sich im April mit neuen Anleihen an den Markt. Die Emission lief so gut, dass die Griechen noch deutlich mehr als die geplanten drei Milliarden Euro hätten einnehmen können. Das Angebot sei „mindestens acht Mal überboten“ worden, erklärte das Finanzministerium.

Geldanlage: So sparen die Deutschen

Platz 10

Festverzinsliche Wertpapiere: 8 Prozent
Bei den Geldanlagen der Deutschen gibt 2014 laut einer TNS-Umfrage deutliche Unterschiede zum Vorjahr. Mehr als 2000 Bürger über 14 Jahren nahmen an der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts zum Sparverhalten der Deutschen teil.
Quelle: Verband der privaten Bausparkassen

Platz 9

Aktien: 14 Prozent

Patz 8

Investmentfonds: 20 Prozent

Platz 7

Riester-Rente: 22 Prozent

Platz 6

Immobilien: 25 Prozent

Platz 5

Kurzfristige Geldanlagen: 32 Prozent

Platz 4

Renten- und Kapital-LV: 35 Prozent

Platz 3

Sparen auf Girokonto: 37 Prozent

Platz 2

Bausparvertrag: 37 Prozent

Platz 1

Sparbuch und Spareinlagen: 51 Prozent

Die beliebteste Geldanlage ist mit 51 Prozent zwar immer noch das Sparbuch. Es verzeichnete im Vergleich zu 2013 jedoch einen Rückgang um vier Prozentpunkte.

Auf Seiten der Unternehmen sind es oft kaum bekannte Firmen wie der finnische Dämmstoffhersteller Paroc Group Oy, der französische Autohändler Autodis SA oder der Rundfunksender Clear Channel Communications, die mit Geld überschüttet werden.

„Die Emittenten können nach Lust und Laune begeben und die Sachen werden gekauft“, sagt David Newman, Leiter Hochzinsanleihen weltweit bei Rogge Global Partners in London. „An den Markt kommen immer schlechter bewertete Papiere.“

Kommentare (7)

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Herr Fritz Yoski

14.07.2014, 16:28 Uhr

Ramsch-Anleihen?
"Die Emission lief so gut, dass die Griechen noch deutlich mehr als die geplanten drei Milliarden Euro hätten einnehmen können."
Was heisst hier Ramsch-Anleihen? Griechische Anleihen haben im Prinzip die gleiche Bonitaet wie Bundesanleihen. Wenn es eng wird darf der Rettungs-Michel ran, alternativlos. Besonders spannend wird es wenn die Deutsche Bank gerettet werden muss, dann wird's richtig teuer.

Herr Arthur Dent

14.07.2014, 17:47 Uhr

Einmal mehr der klare Hinweis, dass Europäer ihr sauer verdientes Geld lieber verleihen, egal wem, anstatt sich dafür etwas Schönes zu kaufen. Z.B. dividendenstarke Aktien, die guten Cash-Flow bringen.

Aber selbst der Firma "Wir gehen pleite und bringen vorher unsere Scherflein ins Trockene" bekommt Geld ohne Ende geliehen, wenn der Schafherde ein Kupon von 7,75% versprochen wird.

"Wir bezahlen die Zinsen, ganz ehrlich. Wir wollten euch ja schon immer etwas schenken. Endlich bietet sich die Gelegenheit dazu!" Das Geld kann gerne auch vor meine Tür gelegt werden. Ich gebe es dann an die Firma weiter, auch ganz ehrlich.

Herr Siegfried Gerber

14.07.2014, 18:50 Uhr

Die neuen griechischen Anleihen sind doch optimal. Diese sind nicht nach griechischem Recht aufgelegt, sondern nach Londoner Recht - im Fall der griechischen Staatspleite (die nahezu unausweichlich ist) zahlt u.a. der deutsche Steuerzahler. Was will man mehr als Anleihekäufer? Absolute Sicherheit mit relativ hohen Erträgen - daher auch die gigantische Nachfrage nach den griechischen Papieren!

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