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12.10.2012

11:49 Uhr

Ramsch-Niveau

Spanien-Bonds droht Ausverkauf

Spanien droht ein Ausverkauf seiner Anleihen. Investoren fürchten, dass die Bonitätsnote des Landes schon bald Ramsch-Niveau haben könnte. Die Ratingagenturen meinen es jedenfalls nicht gut mit den Südeuropäern.

Haareraufen an Spaniens Börse: S&P senkt die Kreditwürdigkeit Spaniens weiter. dapd

Haareraufen an Spaniens Börse: S&P senkt die Kreditwürdigkeit Spaniens weiter.

MadridStandard & Poor's (S&P) hatte das Rating am späten Mittwoch weiter gesenkt, es liegt damit nur noch eine Stufe über „Ramsch“-Niveau. Zweijährige spanische Papiere verzeichneten am Donnerstag bereits den vierten Tag in Folge Kursverluste - dass ist die längste Abwärtsbewegung in sechs Wochen.

Die neue S&P-Note „BBB-“ ist die niedrigste Stufe der Güteklasse „Investment-Grade“. Zuvor war Spanien noch mit „BBB+“ eingeschätzt worden. Der Ausblick für das Rating ist negativ, was weitere Herabstufungen in nächster Zeit etwas wahrscheinlicher macht.

Hohe Mehrwertsteuer belastet: Spaniens Inflation steigt sprunghaft an

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Spaniens Inflation steigt sprunghaft an

Die spanische Bevölkerung ächzt derzeit unter den Folgen der Eurokrise.

Zur Begründung für die Herabstufung nannte S&P wachsende wirtschaftliche und politische Risiken. Vor kurzem hatte das Land sein fünftes Sparpaket in weniger als einem Jahr bekannt gegeben. Die Bedenken zur Bonität Spaniens waren gestiegen, nachdem die Regierung von der Europäischen Union bis zu 100 Mrd. Euro für die Unterstützung des Bankensektors angefragt hatte. Zudem gibt es Sorgen, dass Spanien seine Defizitziele nicht erreicht.

Eine potenzielle Senkung des Ratings auf „Ramsch“-Niveau könnte deshalb einen Ausverkauf auslösen, weil viele Investoren Bond-Indizes zu Rate ziehen, wenn sie über ihr Engagement in Festverzinslichen entscheiden.

Fondsmanager beispielsweise nutzen Indizes als Richtlinie bei der Anlageallokation, also der Frage, welcher Prozentanteil ihres Geldes in bestimmten Arten von Wertpapieren investiert werden sollte. Bei einigen Fonds gibt es Vorgaben, die einen Verkauf von Staatsanleihen zwingend erforderlich machen, wenn das entsprechende Land aus einem Index herausfällt oder keine Bonitätsnote aus dem Bereich „Investment-Grade“ mehr hat.

Staatspleiten sind die Regel

Argentinien

Jahr der Unabhängigkeit: 1816

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit* 1800: 32,5 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

*Die Berechnungen der Länder, die vor 1800 unabhängig wurden, sind von 1800-2006.

Quellen: Berechnungen von Flossbach und Vorndran (2012), sowie Standard & Poor's, Purcell und Kaufmann (1991), Reinhart, Rogoff und Savastano (2003) und darin zitierte Quellen.

Australien

Jahr der Unabhängigkeit: 1901

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Brasilien

Jahr der Unabhängigkeit: 1822

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 25,2 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 9

Deutschland

Jahr der Unabhängigkeit: 1618

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 13 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Finnland

Jahr der Unabhängigkeit: 1917

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Frankreich

Jahr der Unabhängigkeit: 943

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Griechenland

Jahr der Unabhängigkeit: 1829

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 50,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

Großbritannien

Jahr der Unabhängigkeit: 1066

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Italien

Jahr der Unabhängigkeit: 1569

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 3,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

Kolumbien

Jahr der Unabhängigkeit: 1819

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 36,2 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

Mexiko

Jahr der Unabhängigkeit: 1821

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 44,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Niederlande

Jahr der Unabhängigkeit: 1581

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 6,3 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

Norwegen

Jahr der Unabhängigkeit: 1581

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Österreich

Jahr der Unabhängigkeit: 1282

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 17,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

Portugal

Jahr der Unabhängigkeit: 1139

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 10,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 3

Russland

Jahr der Unabhängigkeit: 1457

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 39,1 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

Schweden

Jahr der Unabhängigkeit: 1523

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Spanien

Jahr der Unabhängigkeit: 1476

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 23,7 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 13

Türkei

Jahr der Unabhängigkeit: 1453

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 15,5 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 6

USA

Jahr der Unabhängigkeit: 1783

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: Als Folge der Wirtschaftskrise von 1837 stellten acht amerikanische Bundesstaaten ihre Zahlungen ein. Mehr als 100 Banken gingen in daraufhin Pleite. Knapp 150 Jahre schlingert die US-Wirtschaft wieder: Am 15. August 1971 erklärte der amerikanische Präsident Richard Nixon die sofortige Aufhebung der Dollar-Konvertierbarkeit in Gold, also die Aufhebung der Verpflichtung der USA, jederzeit Dollar in eine bestimmte Menge Gold umzutauschen. Diese auch als Nixon-Schock bekannte Ankündigung bedeutete faktisch die Erklärung der Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise Zahlungsunwilligkeit, da die Aufhebung einseitig und unter Bruch bestehender Abmachungen (Bretton-Woods-System) erfolgte.

Venezuela

Jahr der Unabhängigkeit: 1830

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 38,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 10

Die Ratingagentur Moody's Investors Service hat Spanien derzeit mit „Baa3“ eingestuft - auch dies ist die niedrigste Stufe aus dem Qualitätsbereich „Investment-Grade“. Moody's überprüft allerdings nach eigenen Angaben das Rating im Hinblick auf eine weitere Herabstufung.

Fitch Ratings, die dritte führende Ratingagentur, sieht Spanien bei „BBB“. In diesem Fall handelt es sich um eine Note, die zwei Stufen über „Ramsch“ liegt.

„Investoren müssen nun damit rechnen, dass das durchschnittliche Rating von Spanien in den kommenden Monaten unter die Stufe Investment-Grade rutscht”, sagt Ciaran O'Hagan von der Großbank Société Générale SA in Paris. “Selbst die Aussicht darauf, dass die beiden wichtigsten Ratingagenturen Spanien unterhalb von Investment-Grade einstufen, wird zu einem breiten Ausverkauf über die nächsten Monate führen.“

Kommentare (8)

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malvin

12.10.2012, 11:52 Uhr


Spaniens Bankenschulden sind gigantisch. Nur die Politiker sagen das nicht. Es ist unglaublich wie hier alles heimlich gehalten wird. Die Schuldne sind so groß, dass der spansiche Staat nicht mal seine eigenen Banken retten will. Unglaublich!!!

Ich lehne es ab, dass Deutsche Sozialkassen und Spareinlagen (die werden darunter leiden) für die spanischen Zombiebanken bluten sollen. Das wäre vor allen Dingen eines: Unmoralisch!!

Was für eine Frechheit! Man denkt ja darüber nach, die Banken mit Mitteln des ESM zu rekapitalisiern. Aber was heisst das??? Das heisst nichts anderes als dass WIR die Schulden dieser Banken übernehmen!!! Unglaublich.

Ich plädiere, dass dafür dass Spanien selbst seine Banken rettet, abwickelt und rekapitalisiert. Dann kann sich der ESM um Spanien kümmern. Denn es gibt sowieso zu viele Banken in Spanien. Der Immo-Boom ist vorbei.

Wir in Deutschland müssen das eben bei der nächsten Wahl berücksichten. Der Bundestag entscheidet über die Mittel des ESM. Und da bieten sich die Freien Wähler an vorderster Stelle an. Sie, evtl. die Linken, wären die einzigen, die gegen eine Ausweitung der ESM Mittel stimmen würden.

Meine Entscheidung steht damit.

AlterSchwede

12.10.2012, 12:09 Uhr

Ich plädiere, dass dafür dass Spanien selbst seine Banken rettet, abwickelt und rekapitalisiert.
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Trauen Sie das dem nervösen und unqualifizierten Rajoy denn zu? Meinen Sie nicht, dass dieser Mann mit dieser Aufgabe hoffnungslos überfordert wäre? Und außerdem sitzt er in Madrid in Schockstarre harrend und wartet auf die Ausschüttung der vielen Milliarden für sein marodes Bankensystem - die ihm bereits zugesagt wurden.
Warum sollte er da noch Interesse haben, seinen Saustall in Ordnung zu bringen?

nobum

12.10.2012, 12:10 Uhr

Von einem (drohenden) Abverkauf von spanischen Bond ist an den Märkten nichts zu spüren. Das Handelsblatt meint wohl "seine" Euroskeptiker (@malvin) füttern zu müssen.

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