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18.12.2013

16:20 Uhr

Ramschanleihen gefragt wie nie

Reich mit Ramschanleihen

Anleger greifen verstärkt bei Ramschanleihen zu, trotz steigender Risiken und schlechter Kreditqualität. Die hohe Rendite überzeugt. Unternehmen reagieren auf den Risikoappetit mit neuen, riskanteren Produkten.

Die Niedrigzinsphase treibt Anleger in den Aktienmarkt, aber auch in Hochzinsanleihen. dpa

Die Niedrigzinsphase treibt Anleger in den Aktienmarkt, aber auch in Hochzinsanleihen.

Am Markt für Hochzinsanleihen in Europa steigen die Risiken. Dabei dürfte das Angebot solcher Papiere weiter zunehmen, sagen einige der weltweit größten Fondsmanager. Denn die Unternehmen mit der niedrigsten Bonität und der höchsten Schuldenlast werden angesichts günstiger Finanzierungsbedingungen den Markt wohl weiter anzapfen.

Investoren haben 2013 bislang Ramschanleihen im Rekordvolumen von 71 Milliarden Euro gekauft und damit durchschnittlich 9,5 Prozent Ertrag erzielt, zeigen Daten der Bank of America und Bloomberg. Die durchschnittliche Rendite von Hochzinsanleihen ist in dem Zeitraum um 69 Basispunkte auf fünf Prozent gefallen und nähert sich damit einem Rekordtief, zeigen die Daten.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

„Die Kreditqualität lässt nach“, sagt Michael Phelps, bei BlackRock in London, Leiter der europäischen Credit Investments. Zahlreiche Emittenten kämen zum ersten Mal an den Markt und daraus ergäben sich attraktive Gelegenheiten, merkt Phelps an. BlackRock erwartet eine weitere Zunahme bei Emissionen von Schuldnern, deren Rating mit „CCC“ acht Stufen unterhalb des Gütesiegels „Anlagequalität“ liegt. „Es wird zunehmend schwierig, die Erträge zu erzielen, die der Hochzinsanleihemarkt in den letzten drei Jahren geliefert hat - es sei denn, man ist sehr selektiv“, sagt Phelps.

Die Erträge mit Papieren der niedrigsten Kreditqualität übersteigen dabei das zweite Jahr in Folge jene von Papieren mit einer höheren Bonität. Anleihen mit einem „CCC“-Rating oder darunter brachten 14 Prozent ein, verglichen mit 9,4 Prozent für „Single B“-Anleihen und 0,8 Prozent für Anleihen, die mit „AAA“ erstklassig benotet sind.

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