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05.03.2012

19:56 Uhr

Ramschanleihen

Wenn's ein bisschen mehr Rendite sein darf

VonAndrea Cünnen

Die Letzten werden die Ersten sein: Anleihen von Firmen mit schwacher Bonität bringen noch immer hohe Zinsen. Risikofreudige Anleger können zwischen vielen Junk-Bonds wählen.

Eine vierjährige Anleihe von Fresenius Medical Care rentiert mit immerhin 3,6 Prozent. dapd

Eine vierjährige Anleihe von Fresenius Medical Care rentiert mit immerhin 3,6 Prozent.

FrankfurtDie Anleihen von großen Unternehmen mit hoher Kreditwürdigkeit sind bei Investoren schon lange beliebt, machen sie aber nicht mehr richtig glücklich. Der Grund: Die Papiere sind so gefragt, dass ihre Kurse hoch und die Renditen niedrig sind. Fünfjährige Anleihen von deutschen Großkonzernen wie Siemens, Linde oder BMW werfen maximal zwei Prozent Rendite ab.

Investoren, die mehr wollen, greifen deshalb zu den Firmenbonds der zweiten Reihe, also zu Anleihen von Unternehmen mit schwächerer Bonität, die mehr Zinsen für ihre Anleihen bieten und deshalb auch Junk-Bonds (Ramschanleihen) oder Hochzinsanleihen genannt werden.

Hans Stoter, Leiter des Bereichs für hochverzinsliche Unternehmensanleihen bei der Fondsgesellschaft ING Investment Management, geht davon aus, dass sich mit den hochverzinsten Anleihen europäischer Unternehmen in diesem Jahr insgesamt Erträge zwischen zehn und zwölf Prozent erwirtschaften lassen. Jochen Korb, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), rechnet mit Erträgen von bis zu zehn Prozent: „So viel lässt sich mit Anleihen von soliden Euro-Ländern oder bonitätsstarken Unternehmen nicht erzielen, von daher sollten sich Anleger das Segment auf jeden Fall anschauen.“

Die bisherige Entwicklung gibt den Optimisten recht. Mit dem vermeintlichen Ramsch ließen sich nach Indizes der Bank of America Merrill Lynch in diesem Jahr bereits 11,6 Prozent verdienen - mehr gab es nur mit Aktien. Und für eine ordentliche Jahresperformance müssen die Kurse gar nicht mehr weiter steigen, denn schon derzeit liegt die durchschnittliche Rendite bei 8,8 Prozent. Anfang des Jahres waren es sogar gut zwölf Prozent, seither sind aber die Kurse gestiegen und die Renditen sanken im Gegenzug.

Kommentare (3)

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Strohfeuer-AJ

06.03.2012, 08:52 Uhr

Tja, was soll man da noch sagen? Der Anlagenotstand zwingt die Anleger alles zu kaufen, was sie früher noch nicht mal mit der Zange angefasst hätten. Bei Unternehmensanleihen ist schon seit Jahren der Zug abgefahren. Wer klug war, hat 2008-2010 gekauft! Heute stehen die Erträge in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zum Risiko. Jetzt sind die Ramsch- und Nachranganleihen dran. Auch hier sind die Kurse explodiert. Als Alternative bieten sich Aktien an. Kurzfristige Kurseinbrüche und Hochs zum Einkauf und Verkauf nützen. Langfristige Engagements sind nicht zu empfehlen, denn auch hier wird die liquiditätsgetriebene Blase platzen. Und zum Thema Staatsanleihen: Finger weg! Am Beispiel Griechenlands hat man gesehen, wie Staaten mit dem Kleinanleger umspringen. Das gilt auch für solide Schuldner wie D, NL u.a. Denn das Euro-System ist ein Dominosystem. Die soliden Steine fallen zuletzt.
Also was tun? Tipp: kurzfristiger Anlagehorizont, Exit-Strategie bereit halten, Investment muss schnell liquidierbar sein. Lieber an Vermögenserhalt als an die dicke Rendite denken.
Gruß an alle verzweifelten Anleger,
AJ

Account gelöscht!

06.03.2012, 10:11 Uhr

"Also was tun? Tipp: kurzfristiger Anlagehorizont, Exit-Strategie bereit halten, Investment muss schnell liquidierbar sein. Lieber an Vermögenserhalt als an die dicke Rendite denken."

aber vermögenserhalt ist zur zeit nur über a) längere laufzeiten oder b) bereitschaft zu (etwas) risiko möglich...denn die rendite jeder sicheren und allzeit verfügbaren geldanlage, liegt momentan unterhalb der inflationsrate...das muss jedem klar sein...natürlich kann man geld kurzzeitig auf sparbüchern und tagesgeldern parken...aber umso länger es dort liegt, desto weniger wird das geld wert...aber sicherlich ist das besser als es geld zu verzocken...man muss halt die richtige balance finden...


zur liquiditätsgetriebenen blase: ich hab auch keine ahnung, wann die kurse mal wieder richtig purzeln, aber fakt ist: 1) vielen unternehmen geht es prächtig...2) es ist vermutlich mehr liquidität im markt als jemals in den letzten jahren zuvor, jedoch stehen die kurse nicht so hoch wie noch vor 4 jahren...3) die alternativen zur börse waren selten so schwach wie aktuell...

natürlich können die kurse wieder fallen...der markt ist sehr labil und gekennzeichnet durch die letzten jahre...

aber die oben genannten gründe könnten auch neue höchststände begründen...wer weiß das schon

GrussvonAJ

06.03.2012, 10:53 Uhr

Hallo Schaf,
ja es sind herausfordernde Zeiten für den Anleger!
Ohne Risiko, gibt es natürlich keine Rendite. Einen (kleinen) Teil des Vermögens kann man z.B. nutzen, um den Rest zu hebeln. Das Risiko ist überschaubar.
Bankenhopping empfiehlt sich. Lockangebote wahrnehmen und dann auf zur nächsten Bank. Hier gibt es für kleinere Summen (5- & 6-stellig) bis zu 4,5% bei guter Bonität. Streuen: Cash, Aktien, Immobilien und Gold. Solide Aktien sind immer gut, wenn mir zur Zeit aber bei einigen Werten die Kurse recht hoch erscheinen. Denn irgendwie kaufen alle immer die gleichen Titel.
An der Börse führt kein Weg vorbei! Doch bei dem jetzigen Kursniveau würden sich Käufe auf kurzfristigen Horizont empfehlen. Irgendwo muß das Geld der Banken und Versicherungen hin. Deswegen werden Aktien, Immobilien und Rohstoffe weiter steigen. Allerdings wird es zu sehr heftigen Rückschlägen kommen ...
... und der große Knall (Zusammenbruch des Euro-Systems) steht uns auch noch bevor.
Also: lieber defensiv agieren als den heißen Reifen fahren!

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