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16.08.2011

16:40 Uhr

Rating-Agentur

Fitch bestätigt Top-Bonität der USA

Nachdem Standard & Poor's die US-Bonität herabgestuft hat, schauen Investoren nervös auf die Reaktion der anderen Agenturen. Erst wenn mehrere den USA die Top-Note entziehen, wird es brenzlig. Jetzt meldet sich Fitch.

Der Eingang der Rating-Agentur Fitch in Paris. Quelle: AFP

Der Eingang der Rating-Agentur Fitch in Paris.

LondonDie Ratingagentur Fitch hat den USA trotz ihrer turbulenten Haushaltspolitik die Bestnote AAA für ihre Kreditwürdigkeit bestätigt. Auch der Bonitätsausblick der weltgrößten Volkswirtschaft sei stabil, erklärte Fitch am Dienstag in New York. Erst vor eineinhalb Wochen hatte die Rating-Agenur S&P die USA herabgestuft und damit ein weltweites Börsen-Beben ausgelöst. Fitch erklärte dagegen, die ökonomische Basis für die hohe Kreditwürdigkeit des Landes sei intakt.

Die USA spielten weiter eine zentrale Rolle im globalen Finanzsystem und stützten sich auf eine flexible und breit aufgestellte Wirtschaft, begründeten die Fitch-Experten ihr Urteil. Zudem verbesserten die Geldpolitik und die aktuelle Wechselkursentwicklung die Fähigkeit der US-Wirtschaft, ökonomische Schocks zu absorbieren. Zugleich warnte Fitch aber, der weitere Bonitäts-Ausblick hänge von der Entwicklung der US-Wirtschaft und der Budget-Politik ab.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Anfang August hatte sich der US-Kongress erst nach wochenlangem Gezerre auf eine Anhebung der gesetzlichen Schuldengrenze geeinigt und eine Staatspleite des Landes damit in letzter Minute abgewendet. Anders als S&P hatte auch die dritte große Ratingagentur Moody's signalisiert, dass die USA trotzdem voraussichtlich ihr Spitzenrating behalten werden.

Fitch erklärte, sollten die mittel- bis langfristigen Vorhersagen für das Staatsdefizit wegen einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung oder der Haushaltspolitik nach oben korrigiert werden müssen, könnte auch der Ratingausblick wackeln. Eine Herabstufung der Bonitätsnote, wie sie S&P vorgenommen hatte, sei aber unwahrscheinlich, erklärte Fitch. Die Note hat starken Einfluss auf die Risikoprämie, die ein Staat am Kapitalmarkt für seine Schulden bezahlen muss.

Von

rtr

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

16.08.2011, 15:57 Uhr

Ja natürlich, was hätten wir auch anderes erwarten können??? Wer da wohl Fitch bearbeitet hat? Aber soweit man lesen konnte, sind US-Regierungskreise und Fitch dicke Freunde.

Euyonimus

16.08.2011, 16:10 Uhr

Eine sehr angemessene Bewertung bei 100$ Verschuldung des BIP und dazu noch Anhebung der Schuldengrenze.

Ein Narr, wer dies noch ernst nimmt.

Markus

16.08.2011, 16:13 Uhr

Naja, das war ja klar das Fitch und Moody´s den Schwanz einziehen wenn es sozusagen um "ihr eigenes Land" geht. Aber die Euroländer reihenweise teils auch ungerechtfertigt, abstufen!

Soviel zum Thema Objektivität und Unabhängigkeit eines Ratings...

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