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13.01.2012

17:52 Uhr

Rating-Herabstufungen

S&P versetzt Europa einen Schlag

VonRalf Drescher, Martin Dowideit

Seit Dezember prüft S&P die Ratings fast aller Euro-Staaten. Jetzt hat die Ratingagentur ihre Urteile gefällt. Am Abend sollen mehrere Staaten zurückgestuft werden, darunter die Top-Schuldner Frankreich und Österreich..

Standard & Poor's stuft offenbar zahlreiche Euro-Staaten zurück. Reuters

Standard & Poor's stuft offenbar zahlreiche Euro-Staaten zurück.

Einen Tag nach den erfolgreichen Anleiheauktionen Italiens und Spaniens haben Gerüchte um eine breit angelegte Rating-Herabstufung europäischer Staaten die Hoffnungen auf eine Beruhigung der europäischen Schuldenkrise jäh zerstört. Das Handelsblatt erfuhr aus EU-Kreisen, dass Standard & Poor's noch am Freitag die Bonitätsnoten mehrerer Euro-Staaten zurücknehmen werde. S&P selbst lehnte eine Stellungnahme ab. Spekulationen zufolge sollen aber sechs Länder betroffen sein. Prominentestes Opfer soll Frankreich sein, das künftig nicht mehr zum Kreis der Top-Schuldner mit "AAA"-Rating gehören werde. Das gleiche Schicksal droht offenbar Österreich. Außerdem werde S&P Spanien, Italien, Portugal und Belgien zurückstufen.

S&P hatte am 5. Dezember die Ratings fast aller Euro-Länder - mit Ausnahme von Griechenland - auf den Prüfstand gestellt und wollte bis spätestens Mitte März die Ergebnisse der Prüfung bekanntgeben. Auch das deutsche Rating stand zur Debatte, S&P ließ dieses aber unverändert.

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Überraschend ist die Liste der fünf Staaten, deren Ratings angeblich gesenkt werden sollen, nicht. Am Kapitalmarkt stehen diese Länder seit Monaten im Fokus. Massive Renditeunterschiede zwischen ihren Anleihen und Bundeswertpapieren verdeutlichen das große Misstrauen der Investoren. "Der Markt weiß, dass ein Downgrade bevorsteht", sagte Carsten Klude, Chefvolkswirt bei M.M. Warburg. Die Folgen können dennoch gravierend sein. Weil Frankreich neben Deutschland zu den wichtigsten Garantiegebern im europäischen Rettungsschirm EFSF zählt, droht auch diesem Vehikel eine Herabstufung. "Als Folge würde das Finanzierungsvolumen sinken", sagte Klude.

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hatte seinen Kampf gegen eine mögliche Herabstufung des französischen Ratings bereits am Donnerstag aufgegeben. Ein solcher Verlust wäre "nicht unüberwindbar", sagte er. Das Vertrauen der Investoren will er nun mit Reformen zurückgewinnen. Premierminister Francois Fillon hatte diese Woche unter anderem erklärt, die Finanzierung des Sozialsystems ändern zu wollen.

Wieso das Rating Frankreichs so wichtig ist

Kreditaufnahme wird erschwert

Wenn die Ratingagenturen die Bonität von Euro-Staaten herabstufen, ist das zunächst einmal schmerzlich für diese Länder selbst: Es wird für sie schwieriger werden, an frisches Geld zu kommen. Die Zinsen, die sie für neue Anleihen zahlen müssen, ziehen in der Regel an.

Auswirkung auf Euro-Rettungsfonds

Doch für die Euro-Rettung gibt es noch einen anderen Aspekt, der mindestens genau so wichtig ist: Von der Bonität der einzelnen Länder hängt auch das Rating der Rettungsinstrumente wie des EFSF und künftig des ESM ab, die Krisenstaaten mit Kredithilfen vor dem Staatsbankrott bewahren sollen.

Bestnote des EFSF gefährdet

Frankreich trägt zu etwa 20 Prozent die Finanzierungslast des EFSF. Wird Frankreich herabgestuft, wackelt auch die Bonität des EFSF.

Finanzkraft könnte schrumpfen

Ein Verlust der Bestnote des EFSF würde die Finanzierung der Rettungspakete für angeschlagene Euroländer verteuern. Denn die Zinssätze für frische Anleihen dürften weiter anziehen. Als Alternative wäre es denkbar, dass der EFSF sein "AAA"-Rating verteidigt, indem er seine Finanzkraft einschränkt.

Geplanter Nachfolger des EFSF auch betroffen

Damit der Rettungsfonds EFSF effektiv 440 Milliarden Euro verleihen kann, müssen die Euroländer Garantien in Höhe von 780 Milliarden Euro bereitstellen. Diese Summe würde sich im Fall einer Herabstufung wohl deutlich erhöhen. Auch der geplante dauerhafte Rettungsschirm ESM, der schon im Juli und damit ein Jahr früher als geplant starten soll, könnte betroffen sein. Er soll anders als der EFSF selbst mit Kapital ausgestattet werden, das die Mitgliedsstaaten nun schneller bereitstellen müssen. Dafür müssten sie selbst neue Schulden machen, was im Falle einer Herabstufung teurer würde.

Kommentare (30)

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CCC

13.01.2012, 16:57 Uhr

Naja wen wundert's. Die Panik beruhigt sich langsam, da muss man die grosse Keule 'Frankreich-Herabstufung' rausholen um die Panik wieder anzufachen. Ratingagenturen sollten objektiv, unabhängig und ohne eigene Interessen beurteilen, sonst ist ihr Urteil nicht viel wert. Mich wundert, dass so viele Menschen das als gegeben ansehen.

Account gelöscht!

13.01.2012, 16:57 Uhr

Die arme Eurozone. Mir kommen die Tränen. Was führen die bösen Ratingagenturen schon wieder im Schilde? Warum halten sie sich nicht einfach an die in Euroland gültige Staatspropaganda? Alles wird gut. Frankreich ist ein TOP-Schuldner - d.h. TOP im Schuldenmachen. Wie die anderen natürlich auch.
Jetzt muss die EZB noch mehr Geld drucken und Wohlstand vernichten, damit das "politische Projekt" € am Ende wirklich MAXIMALEN Schaden verursacht hat. Die gemeinsame Pleite von Euroland - das ist übrigens das gemeinsame Schicksal, von dem die eurohörige Merkel immer schwadroniert.
Ein Tag der Freude!

Account gelöscht!

13.01.2012, 17:01 Uhr

Ich halte selbst nichts von den "Rate"-Agenturen, aber wenn sie es auf die Spitze hätten treiben wollen, dann hätten die am Dienstag oder Mittwoch vor den Anleihen von Italien und Spanien herabgestuft!

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