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23.11.2011

18:57 Uhr

Rating in Gefahr

Moody's erhöht Druck auf die USA

Die Ratingagentur Moody's gibt nach dem Scheitern des überparteilichen Defizit-Ausschusses in den USA einen Warnschuss ab: Sollten die Politiker von den vereinbarten Sparzielen abrücken, drohen Konsequenzen.

Ein US-amerikanischer Dollar-Schein zeichnet sich hinter einer USA-Fahne ab. dpa

Ein US-amerikanischer Dollar-Schein zeichnet sich hinter einer USA-Fahne ab.

New YorkMoody's erhöht den Druck auf den Schuldensünder USA: Sollten die Politiker von den für die kommenden zehn Jahre vereinbarten Sparzielen von 1,2 Billionen Dollar abrücken, werde Moody's das Top-Rating der USA neu bewerten müssen. Bislang sei das Rating durch den Streit in dem politischen Komitee nicht beeinflusst worden. Ein Rückzug aus den ab 2013 geplanten automatischen Einsparungen würde die Agentur jedoch dazu veranlassen, ihre Benotung zu abzuändern.

Die USA waren nach dem Scheitern der überparteilichen Bemühungen zur Eindämmung des Rekordschuldenbergs erneut ins Visier der Finanzmärkte geraten. Die Ratingagentur Fitch drohte damit, den Ausblick für die Bewertung der Kreditwürdigkeit auf negativ von bislang stabil zu senken. Noch bewertet Fitch die Kreditwürdigkeit der USA mit der Bestnote „AAA“. S&P hatte dagegen im Sommer die Konsequenzen aus dem erbitterten Haushaltsstreit gezogen und die Top-Note einkassiert.

Demokraten und Republikaner sollten spätestens diese Woche einen Vorschlag vorlegen, wie sie den Haushalt in den kommenden zehn Jahren um 1,2 Billionen Dollar entlasten wollen. Dazu war extra ein sogenanntes Super-Komitee ins Leben gerufen worden, das sich aus je sechs Vertretern beider Parteien zusammensetzte.

Doch auch nach einem Vierteljahr intensiver Verhandlungen kamen sie auf keinen gemeinsamen Nenner. Am Montag gestand das Komitee sein Scheitern ein. Nun sollen ab Anfang 2013 automatisch Kürzungen quer durch den Haushalt greifen, vom Militär- bis zum Sozialbereich.

Fragen und Antworten zur Herabstufung der USA

Weshalb haben die USA ihre Top-Bonität verloren?

S&P war unzufrieden mit den von der Regierung beschlossenen Sparmaßnahmen. Die Demokratische Partei von Präsident Barack Obama und die oppositionellen Republikaner hatten sich zuletzt zwar auf eine Anhebung der Schuldengrenze geeinigt, aber laut S&P keine ausreichenden Maßnahmen zur Begrenzung der Schuldenlast beschlossen. Während der Finanzkrise nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers unterstützte die US-Regierung die Wirtschaft mit milliardenschweren Hilfsprogrammen. Die Schuldenlast und die Defizite im Staatshaushalt sind daher deutlich gestiegen. Nun erschwert das schwache Wirtschaftswachstum die Reduzierung der Haushaltsdefizite. Der scharfe politische Streit zwischen Demokraten und Republikaner mache die US-Politik ineffektiv und unvorhersehbar, begründet S&P ihre Entscheidung. Während die Demokraten auch Steuern anheben wollen, lehnen die Republikaner dies kategorisch ab.

Wie reagiert die internationale Politik?

Vorerst mit Schweigen. Die USA äußern sich nicht direkt zu der Herabstufung, von der EU ist auch nichts zu hören. Auch Berlin gibt sich wortkarg. Hinter den Kulissen geht es aber kräftig zur Sache. Die Notenbankchefs wollten bei einer Telefonkonferenz beraten, wie sich die Herabstufung auf die Märkte auswirken wird. Angeblich wollten die G7-Finanzminister eine verbale Beruhigungspille für die Märkte ausarbeiten.

Geht die Talfahrt an den Finanzmärkten weiter?

Das ist sehr schwer vorherzusagen. An den Märkten wurde eine Herabstufung durch S&P in den vergangenen Tagen schon erwartet - es gab eine Vorwarnung der Ratingagentur. Zudem haben die USA noch bei den beiden anderen Ratingagenturen Moody's und Fitch die Bestnote „AAA“. Niemand muss also US-Anleihen verkaufen. Zudem haben große Anleger wie China und Japan kaum eine wirkliche Alternative zum großen und liquiden US-Markt. „Den amerikanischen Anleihemarkt dürfte dies mittelfristig wenig beeindrucken“, erwartet Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Er verweist auf Japan, das mit einem schlechteren Rating und einem höheren Schuldenstand sich problemlos an den Märkten refinanzieren kann. „Aber natürlich ist dieser Schritt für die Anleihemärkte eine weitere Belastung.“ Tatsächlich könnte der Zeitpunkt aber kaum ungünstiger sein. Die doppelte Schuldenkrise in den USA und Europa hat an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen zu schweren Kurseinbrüchen geführt. Zudem signalisierten einige Konjunkturdaten, dass die USA in die Rezession zurückfallen könnte. Und was bedeutet das für die globale Konjunktur? Die Weltwirtschaft könnte belastet werden, falls nun die Zinsen in den USA merklich steigen würden. Dies könnte die sowieso schon schwächelnde US-Konjunktur belasten und die Weltwirtschaft unter Druck bringen. Allerdings dürfte die US-Notenbank in einem solchen Fall erneut massiv US-Anleihen kaufen, und so die Wirtschaft stützen. Ein Zusammenbruch der Kreditversorgung wird weder in den USA noch in Europa befürchtet. Die Notenbanken können aus ihren Erfahrungen aus der Lehman-Krise schöpfen und würden die Märkte ausreichend mit Liquidität versorgen. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken bereits am vergangenen Donnerstag zusätzliche Liquidität angeboten. Eine deutliche Abschwächung der Weltwirtschaft ist aber angesichts der hohen Unsicherheit nicht unwahrscheinlich. Dies würde einen Abbau der hohen Schulden erschweren.

Ist mein Erspartes sicher?

Ja, sollte es nicht zu dem eher unwahrscheinlichen Zusammenbruch des Weltfinanzsystem kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt die Garantie der Regierung für alle Sparguthaben bestätigt. Allerdings dürfte jetzt die EZB bei einer Zuspitzung der Krise die Zinsen nicht mehr weiter anheben. Dies hätte beispielsweise auch Auswirkungen auf die Zinsen des Sparbuchs.

Die USA wurden erstmals seit 1941 abgestuft. War die Lage damals schlimmer?

Nein, denn die USA erhielten auch damals schon Bestnoten für ihre Kreditwürdigkeit. Standard & Poors entstand 1941 aus den beiden Agenturen Standard Statistics und Poor’s Publishing. Beide Unternehmen hatten die USA zuvor stets mit ihren jeweiligen Bestnoten bewertet.

Bei der jüngsten Herabstufung auf AA+ handelt es sich also um ein wahrhaft historisches Ereignis: Noch nie zuvor haben die Vereinigten Staaten ihre Topbewertung verloren.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

23.11.2011, 19:16 Uhr

"...Fitch die Kreditwürdigkeit der USA mit der Bestnote „AAA“." Amerika mit der Bestnote... man kann nur den Kopf schütteln!!!

Nastrowje

23.11.2011, 20:28 Uhr

US-Bonds sind definitiv junk als "DDD", weil sie niemals zurückgezahlt werden. Eine solche Atom- und Streitmacht wird niemals zurückzahlen. Die Konsequenz ist aber der Verlust der "einzigen Weltmacht" Breschinksy oder wie das Ding heißt, "Schwein" würde ich nie sagen, Schweine sind sympathische Lebewesen.

fjv2

23.11.2011, 20:34 Uhr

@Nastrowje
selten so einen Schrott gelesen

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