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06.10.2011

07:10 Uhr

Rating

Moody's stuft italienische Banken herab

Erst das Land, dann die Banken: Die Ratingagentur Moody`s hat die Bonitätsnote für zwei italienische Großbanken und zwei Staatskonzerne gesenkt.

Moody's straft Italien ab

Video: Moody's straft Italien ab

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Die Rating-Agentur Moody's hat die Bonitätseinstufungen der beiden größten italienischen Banken Intesa Sanpaolo und Unicredit gesenkt. Die Note für beide Institute reduzierte die Agentur in der Nacht zum Donnerstag auf „A2“ von zuvor „Aa3“. Auch die Kreditwürdigkeit staatlich kontrollierter Industrie-Konzerne wie Eni und Enel schätzte Moody's niedriger ein.

Die Agentur hatte erst am Dienstag italienische Staatsanleihen deutlich herabgestuft. Die Einstufung werde von „Aa2“ auf „A2“ gesenkt bei einem negativen Ausblick, teilte die Ratingagentur am Dienstagabend mit. Ihre kurzfristige Bewertung von „Prime-1“ behielt Moody's bei.

Das sind Italiens größte Probleme

Der Schuldenberg

Italien schiebt nach Griechenland den größten Schuldenberg aller Euro-Länder vor sich her: Er ist rund 1,9 Billionen Euro groß, was 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Die EU-Verträge erlauben nur eine Obergrenze von 60 Prozent. Der Berg wird noch weiter wachsen, weil die Regierung erst ab 2013 ohne neue Schulden auskommen will.

In diesem Jahr erwartet sie eine Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen.

Hohe Neuverschuldung

Auch bei der Neuverschuldung dürfte Italien in diesem und im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent reißen: Die EU-Kommission rechnet mit einem Minus von 4,0 und 3,2 Prozent. Erst 2014 will die Regierung ohne neue Schulden auskommen.

Schwaches Wachstum

Im Vergleich zu den anderen großen Euro-Ländern Deutschland und Frankreich kommt Italien nicht in Schwung. Die EU-Kommission senkte erst vor wenigen Tagen ihre Wachstumsprognose für 2011 von 1,0 auf 0,7 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamte Währungsunion dürfte mit 1,6 Prozent mehr als doppelt so schnell wachsen. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Italien macht zu schaffen, dass die Exporteure ihre Waren vorwiegend an andere Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Der private Konsum kommt wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nicht recht in Schwung. Er leidet zudem unter Steuererhöhungen der Regierung, die im Kampf gegen die hohen Schulden beispielsweise die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent angehoben hat.

Export und Konsum

Demnach verlieren Italiens Exporteure Weltmarktanteile, weil sie ihre Produkte vorwiegend in die anderen Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Auch der private Konsum dürfte wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nur moderat zulegen.

In der derzeitigen Schuldenkrise hätten sich für hoch verschuldete Euroländer wie Italien die Refinanzierungsrisiken verschärft, begründete die Agentur den Schritt. Das Vertrauen der Märkte sei erschüttert und die italienische Wirtschaft stehe vor großen strukturellen Herausforderungen. Das Risiko, dass Italien seine Haushaltsziele nicht erreichen kann, sei gestiegen und die staatlichen Reformbemühungen hätten gerade erst begonnen. Moody's hatte das Rating im Juni auf die Überprüfungsliste gesetzt.

Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi erklärte in einer ersten Reaktion, die Entscheidung sei erwartet worden. Sie arbeite daran, ihre Etatziele zu erreichen. Die Pläne dazu seien von der EU-Kommission gut aufgenommen und akzeptiert worden, hieß es in italienischen Medien. Das EU-Sorgenkind, dessen Staatsverschuldung im Juli auf mehr als 1,9 Billionen Euro anstieg, strebt bereits für das Jahr 2013 einen ausgeglichenen Etat an.

Welchen Banken Italien Geld schuldet

Commerzbank

11,7 Milliarden Euro

Die Summe wie auch die folgenden sind Bruttoforderungen gegenüber der öffentlichen Hand. Die Daten stammen aus dem Stresstest des Europäischen Banken-Vereinigung (EBA). Stand: 31. Dezember 2010.

Deutsche Bank

7,7 Milliarden Euro (mit Postbank, keine Aufgliederung)

HRE-Konzern

7,1 Milliarden Euro

DZ Bank

2,7 Milliarden Euro

NordLB

1,9 Milliarden Euro

LBBW

1,4 Milliarden Euro

WGZ Bank

1,4 Milliarden Euro

West LB

1,1 Milliarden Euro

HSH Nordbank

700 Millionen Euro

BayernLB

485 Millionen Euro

LBB

300 Millionen Euro

Dekabank

300 Millionen Euro

Intesa Sanpaolo

Ungleich größer ist das Engagement bei den italienischen Banken. Intesa Sanpoalo hält gegenüber der öffentlichen Hand Brottuforderungen über 60 Milliarden Euro.

Unicredit

49,1 Milliarden Euro

Banca Monte del Paschi di Siera

32,5 Milliarden Euro

BNP Paribas

Viertgrößter Gläubiger ist eine französische Bank: Die BNP Paribas ist mit 28 Milliarden Euro in Italien engagiert.

Dexia

Die sich in Auflösung befindende Bank Dexia hält 15,8 Milliarden Euro.

Banco Populare

11,8 Milliarden Euro

Crédit Agricole

10,8 Milliarden Euro

Ubi Banca

10,5 Milliarden Euro

HSBC

9,9 Milliarden Euro

Barclays

9,4 Milliarden Euro

Societe Generale

8,8 Milliarden Euro

ING Bank

7,7 Milliarden Euro

Royal Bank of Scotland

7,0 Milliarden Euro

Im September hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Italiens von „A+“ auf „A“ herabgestuft. Als Grund verwies S&P auf pessimistischere Prognosen für das italienische Wirtschaftswachstum. Der Ausblick sei „negativ“, teilte S&P damals mit. „Die Herabstufung spiegelt unserer Meinung nach die schlechter werdenden Wachstumsaussichten für Italiens Wirtschaft wider“, begründete S&P den Schritt. Die zuletzt verabschiedeten Reformen reichten nicht aus, um gegenzusteuern. Der Regierung Berlusconi bescheinigte S&P eine mangelnde Handlungsfähigkeit.

Kommentare (4)

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der-oekonomiker

06.10.2011, 08:07 Uhr

Es herrscht Krieg, Währungskrieg. Amerikas Waffen gegen Europa werden stumpfer, da muss sich eben das Tempo erhöhen. Was gerade wieder passiert, wäre NUR mit harten, ebenfalls protektionistischen Maßnahmen der EU zu stoppen. Darauf zu hoffen gibt es keinen Anlass. Lieber verbeissen sich Politik und Öffentlichkeit weiter in dem vergleichsweise winzig kleinen Griechenland-Problem. Drüben hält man sich darüber den Bauch vor Lachen. Europa wird von den USA am Nasenring vorgeführt. Bis zum bitteren Ende.

Account gelöscht!

06.10.2011, 08:22 Uhr

Kalter Kaffee! Moodys zieht nur nach. Zudem ist die Qualitaet der amerikanischen Ratingagenturen sehr fraglich und zudem sehr stark politisch "eingefaerbt". Wuerden die Ratingagenturen nicht unter amerikanischer Flagge fahren, waere die USA wohl nur noch A3! Nur schade, dass sich Europa darauf einlaesst...doch vielleicht durschauen unsere Polit-experten das Spiel nicht.

pro-FED

06.10.2011, 09:45 Uhr

ach neee, ne?

#####################################
Internationale Kapitalanleger genießen großzügige Ausnahmen
Besser als die Bermudas

Deutschland ist eine Hochburg für internationale Geldwäscher und Steuerhinterzieher. Laut einer Studie des "Netzwerks Steuergerechtigkeit" bietet die Bundesrepublik kriminellen Finanzgeschäften ein besseres Umfeld als einschlägige Steueroasen wie die Bermudas, die Insel Guernsey oder die Seychellen.

Wie kann das sein?

Das überraschende Ergebnis der Studie erklärt sich dadurch, dass die deutschen Finanzbehörden auf einem Auge blind sind. Die unterschiedlichen Maßstäbe im Steuerrecht sind politisch gewollt. Während deutsche Steuerzahler akribisch bis zur letzten Tank-Quittung ihre Steuerpflicht erklären müssen, genießen internationale Kapitalanleger großzügige Ausnahmen.

Ein Finanzier aus Übersee will ein paar Millionen zinsbringend bei einer deutschen Bank anlegen? Herzlich willkommen! Von dem Konto erfahren deutsche Behörden nichts. Die Zinsen fließen unversteuert zurück ins Herkunftsland. Diktatoren, Geldwäscher und Kriminelle der Welt - Deutschland hat ein Herz für Euch!

Derweil mischt Deutschland ganz vorne mit beim internationalen Steuerdumping. Profitieren sollen davon vor allem die deutschen Banken bei internationalen Anlergern. Doch ein ruinöser Wettbewerb um die niedrigsten Standards ist aussichtslos. Wenn die Länder weiter versuchen, ihre Position durch Steuerdumping auf Kosten anderer Staaten zu verbessern, wird es am Ende fast nur Verlierer geben.

Der Kampf gegen internationale Steuerhinterziehung wird sich erst gewinnen lassen, wenn auch Länder wie Deutschland über ihren nationalen Schatten springen und auf kurzfristige Vorteile verzichten. Erst international einheitliche, transparente und überprüfbare Regeln der Besteuerung können diesem Wahnsinn ein Ende setzen.

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